#momlife: Von der Kita in den Kindergarten, Alter

MONTAG, 16.09.2019 Hella B.

Unsere Kolumnistin Hella dachte, dass ihre Zwillinge Fritzi und Emma mit Eintritt in die Kita die harte Realität kennen lernen. Doch dann kamen die Mädchen in den Kindergarten. Slang deluxe, Zicken-Strategien und individuelle Kleiderwahl: In der Welt des Kindergartens herrschen rauere Gesetze und auch Hella musste sich an das neue Leben gewöhnen. 

Ich weiß noch genau, wie tief der Schock nach den ersten Kita-Tagen saß: Eben noch kraulte ich meinen Mädchen bei der Babymassage die Bäuche, schunkelte sie sanft in den Mittagsschlaf und plötzlich mussten sie sich die Aufmerksamkeit von zwei Erzieherinnen mit zwölf Kindern teilen.

Es gibt wohl kaum eine Mutter, die in den ersten Kita-Wochen nicht ins Zweifeln kommt, ob das Konzept Fremdbetreuung tatsächlich der richtige Weg ist. Raus aus der heilen Regenbogen-Babywelt, rein in die Kita-Gruppe mit bissigen Kleinkindern, trockenen Marmeladenbrot und dutzenden Varianten von Magen-Darm-Keimen. Glücklicherweise fühlten sich die Zwillinge in ihrer Kita trotzdem pudelwohl. Erst zwei Jahre später sollte ich erfahren, wie es wirklich ist, das wohligwarme Babynest zu verlassen

Ich erinnere mich an Besuche beim Tag der offenen Tür bei den Kindergärten, an denen mich zunächst die Lautstärke komplett überrannte. Einer Zwölfer-Gruppe von Ein- bis Dreijährigen gleicht dem Lärmpegel eines E-Scooters, wenn man einen Kindergarten mit drei Gruppen á 25 Kinder betritt. Schreien, Toben, Rennen – alle außer Rand und Band. Hier mal schnell auf dem Klavier rumhämmern, da noch flott ein Lego-Turm zusammenstürzen lassen während im Garten um die Schaukel gestritten wird. 

Slang, Dissen und Mobbing: Willkommen im Kindergarten 

Am Ende haben wir zwei Plätze in einem vergleichsweise ruhig-harmonischen Kindergarten bekommen in dem es auch weniger quietschbunt zugeht und doch war der Einstieg in die Kindergarten-Welt in den ersten Wochen hart. Kurz nach ihrem 3. Geburtstag waren die beiden Mädchen die Jüngsten, Schmächtigsten und die einzigen, die Windeln brauchten. „Bäh, die stinkt“, sagte die 5-jährige Caroline über meine Tochter Emma während mir ein Junge an der Garderobe steckte, dass Fritzi „voll unordentlich sei“. Und überhaupt, die beiden heulen ja so viel. Währenddessen tobte der sechsjährige Emil über den Flur und rief zu seiner Mutter: „Fu**, ich will meine Jacke nicht anziehen.“ 

Überhaupt der Wortschatz! Nach nur wenigen Wochen hatten auch unsere Mädchen ihre erste Lektion der Gossen-Sprache erfolgreich absolviert, Alter ey. Auch das Sozial-Verhalten veränderte sich. Insbesondere, wenn wir mit einer Freundin der Zwillinge unterwegs waren, gewöhnten sie sich an, eine auszuschließen: „Mit Fritzi spielen wir nicht mehr.“

Klar, die beiden orientieren sich jetzt an den „großen Mädchen“. Dazu gehört auch, dass sie jetzt unbedingt ins Ballett wollen und am liebsten nur noch Pailletten-Kleider tragen möchten. Meine Kleider-Auswahl am Morgen ist jedenfalls komplett daneben und wird gar nicht mehr akzeptiert. Standard-Antwort: „Fang mich doch, Du Eierloch.“ 

Tja, ist halt Schule: Das dicke Ende kommt erst noch 

Wenn ich die Mädchen in den ersten Monaten am Nachmittag abgeholt hatte, waren sie völlig platt. Auch ich musste mich neu anpassen und unser Nachmittags-Programm runterfahren. Während die Kindergarten-Eingewöhnung mit 2,5 Wochen komplett abgeschlossen war, dauerte es sicher noch vier Monate bis die Mädchen ihre Plätze in der Gruppe gefunden hatten. In dieser neuen Welt gibt es „Freunde-Bücher“, Zickereien, enorme sprachliche Sprünge und auf einmal kennen die Mädchen mehr Leute in der Nachbarschaft als ich. Und das Beste: Innerhalb kürzester Zeit zeigten Fritzi und Emma immer mehr Selbstständigkeit. Die beiden entdecken ganz neue Spielideen, können sich viel länger mit sich selbst beschäftigen und entwickeln sich in ihren Persönlichkeiten noch weiter auseinander. 

Erst jetzt habe ich kapiert, was andere Mütter meinen, wenn sie nach dem Kita-Austritt gesagt haben: „Tja, ist halt Kindergarten.“ Was ich allerdings noch nicht weiß ist was der Satz „Tja, ist halt Schule“ heißt. Was soll’s? Wir gehen Schritt für Schritt vor und irgendwann werde ich sicher die Kindergarten-Welt als kuschelig bezeichnen… 

Fritzi & Emma orientieren sich im Kindergarten an den „großen Mädchen“. Dazu gehört auch, dass sie jetzt unbedingt ins Ballett wollen und am liebsten nur noch Pailletten-Kleider tragen möchten.

Ab einem Alter von 3 Jahren sollen sich angeblich richtige Freundschaften zwischen Kindern entwickeln können. Freunde gehören zu einem erfüllten Kinderleben, erweitern den Horizont, geben Geborgenheit und Rückhalt. Doch warum sind Freundschaften für die kindliche Entwicklung schon im Kleinkindalter so wichtig? Lese es hier!

Hella B.

Hella ist gerade mit ihrem Mann Christoph und den Zwillingen Fritzi und Emma von der Innenstadt an den Münchner Stadtrand gezogen. Sie spielt schlecht und gerne Klavier, kocht sehr gern und teilt mit ihren Mädchen das große Hobby lesen. Hella arbeitet für ein großes Kaffeeunternehmen im Bereich Social Media. Den Job als Mama hat sich Hella irgendwie anders vorgestellt - davon berichtet sie regelmäßig in ihrer Kolumne.