#momlife: Warum Jobsuche als Mama ein Problem ist

DONNERSTAG, 13.06.2019 Hella B.

Unsere Kolumnistin Hella fühlte sich als Frau absolut chancengleich. Bis sie Mutter wurde und einen neuen Job suchte. Ihre Bewerbungs-Erfahrungen und Tipps teilt sie in der neuen Ausgabe unserer Kolumne #momlife.

Nach dem obligatorischen Jahr in Elternzeit kehrte ich in das Unternehmen zurück, in dem ich viele Jahre gearbeitet hatte. Meinen Job gab es nicht mehr und insgesamt war mir klar, dass ich dringend einen Wechsel brauchte.

Als ich mich im Mama-Bekanntenkreis umhörte, merkte ich, dass ich nicht allein war. In den ein bis zwei Jahren Abwesenheit hatte sich bei den meisten einiges getan. Und: Rund ein Drittel der Mütter konnte mit 20 – 25 Stunden nicht in den gleichen Job zurückkehren. Einer Bekannten wurde gar angeboten, die Assistentin von dem Praktikanten zu werden, den sie vor ihrer Elternzeit eingearbeitet hatte.

Insgesamt ging das allgemeine Stimmungsbild in die Richtung: Verdammt, die Praktikanten von vor zwei Jahren sind auf der Überholspur, während die Teilzeitmutter (intern genannt „unsere Muttis“) in Elternzeit mit ihrer Unkündbarkeit eher Klotz am Bein ist.

 

Das erste Kita-Jahr: Der mieseste Zeitpunkt für einen neuen Job?

Direkt nach der Elternzeit einen neuen Job zu suchen, ist dabei der schlechteste Zeitpunkt ever. Zumindest auf den ersten Blick. Die Eingewöhnung der Zwillingsmädchen hat zwar reibungslos geklappt, doch blöderweise riefen ständig die Erzieherinnen an: „Fritzi hat Durchfall, bitte gleich abholen“, „Emma hat eine Bindehautentzündung, direkt zum Arzt und morgen zu Hause bleiben“, „Fritzi hat eine Platzwunde, ihr solltet ins Krankenhaus“, „Beide haben Fieber, bleibt besser ein paar Tage daheim.“ Noch dazu litten Christoph und ich ständig an diversen Krankheiten, die meist Magen/Darm betrafen.

Bei meinen aktuellen Ausfällen würde ich sicher nicht mal die Probezeit bestehen. Trotzdem. Ich hatte keine Lust zum Ausruhen. Merkwürdigerweise spürte ich jetzt eine Energie, die ich vor den Kindern nicht hatte. Das erste Jahr mit den Zwillingen hat mir gezeigt: Wenn ich das schaffe, schaffe ich noch viel mehr.

Ich hatte Glück. Nach drei Bewerbungen wurde ich zu einem Gespräch eingeladen und konnte überzeugen. Die Bedingung: 32 Stunden pro Woche sollte ich arbeiten, darunter keine Chance. Geht schon, dachte ich. Als ich eine Babysitterin suchte, überkam mich doch ein ungutes Gefühl. Zwei Mal in der Woche müsste ich die Mädchen nachmittags abgeben. Will ich das wirklich? Und dann hat doch das Schicksal entschieden: Mein künftiger Arbeitgeber schloss den Standort, mir wurde schon vorab gekündigt, ohne dass ich einen Tag dort gearbeitet hätte. Riesengroßer Mist oder neue Chance?

 

Jobs in Teilzeit: Was schreibe ich in der Bewerbung?

Wer schon mal einen Job in Teilzeit gesucht hat weiß: Teilzeit-Stellen sind absolut rar. Die interessanten Jobs waren allesamt in Vollzeit ausgeschrieben. Klar, dass ich mich auf die bewerbe. Aber wie verpacke ich, dass ich maximal 25 Stunden arbeiten will? „Schreib die Wahrheit“, sagte eine Ex-Kollegin aus der Personalabteilung. „Dann weiß jede Seite ohne Missverständnisse Bescheid.“ Tatsächlich erzählte mir eine Freundin von einem Bewerbungsgespräch, das sie nach exakt drei Minuten verlassen durfte. Der Grund: Sie hat nichts von Teilzeit erwähnt und auch ihr Kind verschwiegen. Die Personalerinnen waren offenbar entsetzt. Mom-Bashing unter Frauen. Auch das kommt vor.

Also schrieb ich die Wahrheit. Exakt 28 Mal. Und ich kassierte 28 Absagen. Meist waren die Absagen genauso ehrlich wie meine Bewerbung. „Wir stellen grundsätzlich nicht in Teilzeit ein.“ Egal, ob kleine, mittelständische oder große Unternehmen. Tolle Firmen, auf die ich total Lust hatte, sagten mir also direkt im Vorfeld für immer ab. Ich rechnete nach: Wann sollte ich je wieder Vollzeit arbeiten können? In zehn Jahren oder zwölf? Könnte nicht Christoph seine Stunden reduzieren und ich erhöhen? Während Christoph in den letzten drei Jahren die Karriereleiter zwei Stufen erklamm, fiel ich mindestens eine zurück. Klar, dass sich das auch in Sachen Gehalt auswirkt.

 Ich entschied ich mich aus der Bewerbung das Wörtchen „Teilzeit“ zu streichen. Ich gab an, dass ich zwei Kinder habe, erwähnte aber mit keinem Wort, dass ich in Teilzeit arbeiten möchte. Das würde ich im Vorstellungsgespräch nachholen, wenn ich wenigstens eine Chance bekomme, zu überzeugen. Das Ergebnis: auf sieben Bewerbungen vier Einladungen. Dass ich mich dann doch für einen Job entschieden hatte, der eigentlich nicht 100% zu mir passte, war Pech. Nach einem weiteren Anlauf hat sich glücklicherweise alles so zusammengefügt, dass ich Job und Familie prima vereinbaren kann und mich in beiden Rollen wohl fühle.

Auch wenn es mir sicher so geht, wie den meisten working moms – Das Gefühl zu haben, in jeder Rolle alles zu geben, aber nicht zu genügen. Ein gutes Thema für eine weitere Kolumne finde ich.

Wiedereinstieg oder Jobsuche - nach der Elternzeit wurde Hella absolut klar, dass Mütter ein gewaltiges Problem haben. 

MeinSpatz Gezwitscher

Kind und Karriere oder lieber zu Hause bleiben? Jeder wie er will - sagen wir. Und plädieren für mehr Toleranz.

Hella B.

Hella ist gerade mit ihrem Mann Christoph und den Zwillingen Fritzi und Emma von der Innenstadt an den Münchner Stadtrand gezogen. Sie spielt schlecht und gerne Klavier, kocht sehr gern und teilt mit ihren Mädchen das große Hobby lesen. Hella arbeitet für ein großes Kaffeeunternehmen im Bereich Social Media. Den Job als Mama hat sich Hella irgendwie anders vorgestellt - davon berichtet sie regelmäßig in ihrer Kolumne.