Papa, könntest du bitte auch mal Bescheid wissen!?

DIENSTAG, 08.05.2018

Liebe Papas dieser Welt: Wie schwer kann es eigentlich sein, einfach mal zuzuhören? Oder vielleicht selbst mitzudenken?

Wo ist die Matschhose? Welcher Hustensaft ist der Richtige? Gehört der Pulli dem Großen oder dem Kleinen? Wo sind die Trinkflaschen? Ab wann ist es Fieber? Fragen über Fragen, die mein Mann mir immer wieder stellt. Ich wünsche mir einfach nur, dass er auch mal Bescheid weiß.

Mein Mann ist ein wunderbarer Papa und hilfsbereiter Partner. Aber leider hat er keinen Plan von den alltäglichen Dingen, die unsere Kinder benötigen. Das ist zum Teil meine Schuld. Während meiner Elternzeit habe ich mich ganz klassisch um Kinder und Haushalt gekümmert – schließlich war er ja arbeiten und ich wollte, dass er die Freizeit mit den Jungs genießen kann. Noch dazu hat er sich nie besonders für Klamotten und Ausstattung der Zwerge interessiert – oder besser gesagt: Er hat mir in Bezug auf die Bedürfnisse der Kinder volles Vertrauen geschenkt und meine Entscheidungen diesbezüglich nie angezweifelt oder gar hinterfragt. Erstmal war das auch für mich völlig in Ordnung so. Bis der Tag kam, an dem meine Elternzeit vorbei war und ich wieder anfing zu arbeiten.

Papa ist völlig ahnungslos

Ziemlich schnell wurde mir klar, dass ich Job, Haushalt und Zuständigkeit für die Kids nicht mehr allein unter einen Hut bekomme. Für meinen Mann auch absolut kein Thema. Sobald ich um Hilfe bitte, ist er an meiner Seite – egal, worum es geht. Das Problem ist nur: Er hat keine Ahnung. Das meine ich gar nicht böse, wie soll er auch, wenn ich mich jahrelang bereitwillig um alles gekümmert habe. Trotzdem bin ich erstaunt, dass er sich auch ein Jahr nach Ende meiner Elternzeit noch nicht auskennt. „Sind die Schuhe neu?“ „Aber Papa, die hatte ich doch letztes Jahr schon an.“ „Wo sind denn die Flaschen für die Kinder?“ „Die stehen seit einem Jahr an der gleichen Stelle im Küchenschrank!“ „Warum isst er denn das Rührei nicht, dass ich gekocht habe?“ „Weil er keine Pilze mag. Mochte er noch nie. Seit drei Jahren nicht.“ Ja ich weiß, all das sind Kleinigkeiten. Aber in der Summe bekommen sie ganz schön Gewicht. Was tun, wenn einer von den Jungs Fieber bekommt? Wo sind die Notfall-Zäpfchen für den nächtlichen Pseudokrupp-Anfall? Welche Matschhose gehört in den Kindergarten, welche bleibt zu Hause? Wann müssen die Jungs zum Kinderarzt, Zahnarzt, Augenarzt? Ist der Jogger fürs Fußballtraining gewaschen – ach ja, und wann ist das überhaupt?

Väter müssen sich mehr reinhängen

Selbstverständlich bin ich es, die alle Urlaubstage für die Kitaschließzeiten opfert und zu Hause bleibt, wenn die Kinder nachts gekotzt haben. Ist ja auch einfacher, immerhin weiß ich, wo die Medikamente sind. Es ist ja nicht so, dass ich meinem Mann die Kiste mit Nurofen-Saft, Augentropfen und Mittelchen bei Übelkeit und Durchfall schon zig Mal gezeigt und erklärt hätte – oder? Doch. Habe ich. Natürlich nickt er jedes Mal genervt, wenn ich wieder damit anfange. Aber als ER beim letzten Husten zu Hause bleiben musste, weil ich ein Meeting nicht verpassen wollte, hatte ich nach zwei Stunden Konferenz acht (!) Nachrichten auf meinem Handy – alle mit den altbekannten Fragen: Wo ist …? Wie viel …? Wer ist unser Kinderarzt …? Ganz ehrlich? Ich war schwer genervt. Vor allem, weil man Mann sich fortwährend darüber beklagt, dass ich die Alleinherrschaft beim Thema Kinder an mich reiße. „Leben im Schatten der Königin“ nennt er das höchstdramatisch. Wenn er aber auch mal den Thron besteigen will, muss er sich eben etwas mehr reinhängen und sich auch mal um langweilige Themen wie „die beste Pflege bei Neurodermitis“ kümmern. Liebster Ehemann, könntest du bitte auch mal Bescheid wissen!? Danke!

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Warum wissen Papas eigentlich nicht welcher Schmerzsaft der Richtige ist und welche Matschhose mit in die Kinderkrippe muss? Eine Mama schütte ihr Herz aus uns startet einen Appell.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mama aus der Redaktion hat ihrem Mann von Anfang an gesagt: „Für die U-Untersuchungen bist du zuständig.“ Diese Lösung entpuppte sich als ideal, denn so musste sie sich nicht alleine mit Impfungen, Medikamenten und Arztterminen auseinandersetzen, und ihr Mann lernte bei den Terminen viel über die Entwicklungsschritte seines Sohnes.