Papa kommt zu Wort: Interview mit Mark von DADDYlicious

DIENSTAG, 09.10.2018

Der Geduldsfaden ist kürzer als der von seiner Frau, dafür klebt er aber besser Panini-Bilder ein und lässt mehr durchgehen.

Bei uns dreht sich ja alles um das Mamasein. Aber ab und zu ist es auch mal wichtig, die Perspektive zu wechseln. Und deshalb kommen bei uns auch immer mal wieder Papas zu Wort. Jetzt ist es wieder soweit. Wir konnten Mark Bourichter vom bekannten Online-Mag DADDYlicious für ein Interview gewinnen. Der 43-jährige ist Papa von Henri (6). „Unser Online-Mag DADDYlicious gibt es seit fünf Jahren. Mein Partner Kai Bösel und ich trafen uns rund acht Monate vor der Geburt unserer Kinder in der Bullerei in Hamburg zu Fleisch und Bier und wir hatten beide die Nachricht im Gepäck, dass wir Vater werden. Freude. Noch mehr Bier. Und viele Fragen später wurde uns klar, dass für die Frauen schon viel im Netz zu lesen war, für uns Väter aber eben nicht. Und so ist DADDYlicious entstanden.“ Mittlerweile haben die beiden Papas einen Preis gewonnen und für viele bekannte Magazine wie z. B. stern.de geschrieben. 50.000 Follower wollen wissen, was Mark und Kai zu erzählen haben. Über das Papasein. Darunter auch einige Mamas. Und wir natürlich auch. Also Mark, schieß mal los…

Welche Regeln/Erziehungsvorschläge befolgst du und welche hältst du für überflüssig?

"Für das wirkliche „Vater sein“ gibt es kein Handbuch und ich befolge in den seltensten Fällen Regeln von anderen, die es vermeintlich besser wissen. Gesunder Menschenverstand gepaart mit der Bereitschaft, Sachverhalte und Dinge erklären zu wollen, diese dann auch mal auszudiskutieren, ist ein guter roter Faden. In unserem Online-Magazin gibt es deswegen auch keine Regeln oder Erziehungsvorschläge."

Erziehen Papas anders als Mamas?

"Ja, definitiv. Aber auch hier ist bei der Antwort die Gefahr des Fettnapfes groß, da beide Rollen nicht über einen Kamm geschert werden können. Ich kann bei mir feststellen, dass Komfortzonen im Leben etwas weiter gesteckt sind. Im Gegenzug liebe ich ganz viele Dinge bei meiner Frau, die Prioritäten anders setzt und damit für mich die perfekte Ergänzung ist."

Was kannst du besser als Mama?

"Panini-Bilder einkleben, Fußball spielen, über Fußball sinnieren und mehr Dinge durchgehen lassen."

Mamas zweifeln oft an sich und fragen sich, ob sie alles richtig machen. Papas auch? Wenn ja, in welchen Momenten zweifelst du an dir?

"Mein Geduldsfaden ist definitiv kürzer als der meiner Frau. Und manchmal wünschte ich mir mehr davon. Wenn ich das dann im direktem Falle an oder durch meinen Sohn bemerke, ist es besonders schlimm."

Wolltest du schon immer Kinder haben?

"Ja. Es ist das beste Update des Lebens!"

Was wünscht du dir für dein Kind?

"Das er viel für sein Leben lernt. Dabei meine ich nicht Polynomdivision oder Harnstoffsynthese. Sondern echte Werte wie Respekt, Verantwortungsbewusstsein oder Freundschaft."

Was machst du anders als deine Eltern, was genauso?

"Ich glaube, dass die Eltern meiner Generation sehr leistungsbewusst erzogen haben. Das aus uns mal was wird war das oberste Ziel. Generell ist das ja nicht verkehrt, jedoch versuche ich es mit anderen Mitteln oder einer entspannteren Herangehensweise. Zum Beispiel die eigenen Interessen des Kindes zu fördern. In punkto Sicherheit machen wir vieles anders als damals: Fahrradhelm, Sicherheitsgurt im Auto, leider mehr Beaufsichtigung sind nur einige Punkte. Generell bin ich aber der Meinung, dass ein Vergleich mit unseren Vätern keinen Sinn macht, da sich die Rahmenbedingungen grundlegend geändert haben."

Welchen Moment mit deinem Sohn liebst du am meisten?

"Da gibt es viele Momente. Zum Beispiel das abendliche Vorlesen, das Basteln, Steckperlen stecken oder – vor kurzem ganz hoch im Kurs: Panini-Bilder einkleben. Das beste Rezept für eine tolle Zeit ist: Sich wirklich Zeit zu nehmen, um etwas zu unternehmen oder zu machen und dabei alles andere auszublenden."

Wie gehen Papas damit um, wenn ihre Kinder hauen, kratzen, beißen …?

"Hoffentlich setzen Sie sich hin und nehmen sich die Zeit, ihren Kindern glasklar zu erklären, dass so etwas nicht in Ordnung ist."

Was macht für dich einen guten Vater aus?

"Obwohl mir diese Frage schon oft gestellt wurde, ist sie gar nicht so einfach zu beantworten. Ich glaube, wer sein Rolle als Papa mit den dazugehörigen Aufgaben annimmt, der macht schon vieles richtig. Wer sich wirklich Zeit dafür nimmt und nicht nur „mitspielt“, ist auf einem richtigen Weg."

Was hättest du über das Papasein gerne vorher gewusst?

"Eigentlich ist es mit das Schönste, diese Erfahrungen „on the go“ zu machen. Und hätte es etwas im Internet dazu gegeben, dann wäre DADDYlicious nicht entstanden. Was wirklich krass war und mich auch immer noch umhaut, ist die bedingungslose Liebe zu einer Person, die so mir nichts dir nichts in Dein Leben tritt."

Welcher Papa-Tipp war für dich am wertvollsten oder hilfreichsten?

"Kinder verändern das Leben. Das beste Upgrade, was man je bekommen kann. Freut Euch auf die Zeit und erlebt bewusst jede Entwicklungsphase des Kindes. Denn sie sind schneller vorbei als Du „Yeah“ schreien kannst. Und: Väter sollten unbedingt einen Erste-Hilfe-Kurs für Babys machen!"

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Was hat so ein cooler Dad wohl zu Erziehungsfragen zu sagen? 

MeinSpatz Gezwitscher

Noch mehr Papa gefällig?

Wir haben auch Thomy und Bo, den „New Dads on the Blog“, ein paar Fragen gestellt. Übers Papasein an sich, darüber was sie sich für ihre Kinder wünschen und was Papas besser können als Mamas: "Papas sehen einfach viele Dinge entspannter."

Wie fühlt sich eigentlich ein Papa, der von seiner Partnerin getrennt lebt und nicht immer bei seinem Kind sein kann? Genau so: "Gefühle eines Teilzeit-Papas"