In der Weihnachtsbäckerei: Plätzchen backen mit Kindern

FREITAG, 13.12.2019 Tina

Weihnachtszeit ist Plätzchenzeit! Mit Kindern macht Backen noch viel mehr Spaß. Wenn man drei Regeln beachtet: Einfaches Rezept, gute Ausrüstung und die richtige Einstellung.

Es gibt einige Gerüche, die für mich Weihnachten bedeuten: Glühwein oder der Duft von ausgeblasenen Kerzen vermischt mit Tannennadeln. Aber wenn das Aroma von frisch gebackenen Plätzchen die Wohnung füllt, dann weiß ich sicher: Es dauert nicht mehr lange, bis Christkind und Weihnachtsmann auf einen Besuch vorbeikommen. Seltsamerweise ist das keine Erinnerung aus meiner Kindheit, denn meine Mutter hat nie Plätzchen gebacken. Aber sie hat mich immer zu meiner besten Freundin geschickt, wo wir gemeinsam Butterplätzchen, Kokosmakronen, Marmeladensterne und Vanillekipferl produziert haben. Und ich spreche wirklich von einer Massenproduktion: In meinen kindlichen Augen hat diese Flut an Gebäck, die wir ausgestochen, verziert und in Metalldosen verstaut haben, fürs ganze Jahr gelangt. In der Realität wurde das letzte Plätzchen wahrscheinlich bereits am 23. vernascht.

Tradition Backen: Das soll mein Kind auch lernen

Ich liebe Backen. Von Muffins über Blätterteig bis hin zu Motivtorten, ich habe mich schon an allem versucht. Dabei bin selber gar keine richtige Naschkatze, ein Schweinebraten ist mir lieber, aber ich liebe den Prozess. Und wenn es den anderen schmeckt. Seit ich eine Tochter habe, kann ich diese Seite meiner Mütterlichkeit voll ausleben. Geburtstagstorte, Kuchenbazaar, Kindergartenfeste, ich liefere ab. Diese Liebe, die ich für das Backen kleiner Köstlichkeiten empfinde, möchte ich gerne an meine Tochter weitergeben. In den letzten Jahren hat sie sich noch mehr für das Ergebnis interessiert, aber seit sie im Sommer drei Jahre alt geworden ist, versuche ich es hin und wieder mit gemeinsamen Küchenerlebnissen. Sie kommt sogar schon selber und will Kuchen backen. Wobei ich mir sicher bin, dass immer noch das Ergebnis der wahre Grund ihres Wunsches ist. Matilda ist nämlich Zuckermäulchen durch und durch.

Damit Plätzchen backen mit Kindern ein Erfolg wird, sind drei Faktoren wichtig: Rezept, Ausrüstung und Einstellung.

Klassiker Butterplätzchen: Ein einfaches Rezept

Zutaten:

  • 500g Mehl
  • 375g Butter
  • 200g Zucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • 4 Eigelb

Nicht viele Zutaten, nicht schwer in der Zubereitung und man kann den für das Kind langweiligen Teil alleine und ein paar Stunden vorher erledigen, denn der Teig hält sich locker zwei bis drei Tage im Kühlschrank. Mehr Anleitung braucht es hier auch nicht: Einfach alle Zutaten in eine Schüssel werfen, entweder mit dem Knethaken vom Handmixer vorkneten oder gleich mit den Händen ran. Mürbeteig lässt sich gut verbinden und im Handumdrehen hat man eine schöne gelbe Kugel, die auf jeden Fall für mindestens eine Stunde eingepackt in den Kühlschrank sollte.

Die richtige Ausrüstung

Der wirklich wichtige Teil beim Backen mit Kindern ist das richtige Equipment. Damit sich Matilda wie ein richtiger Bäcker fühlt, bekommt sie eine eigene Schürze, einen kleinen Teigroller aus der Puppenecke und für die Stimmung eine Weihnachtsmütze. Die sofort wieder runterfliegt, zu heiß. Und dann steht sie neben mir auf ihrem Hochstuhl und rollt selbst Teig aus. Und isst Mehl, was scheinbar sehr schmackhaft ist. Ich habe verschiedene Ausstechformen, hauptsächlich Klassiker. Aber es gibt heutzutage wirklich alle Varianten. Warum nicht Paw Patrol Ausstechformen besorgen und Marshall, Chase und Skye backen? Oder Olaf und Elsa? Man kann auch zum eigenen Vergnügen ein paar witzige Erwachsenenmotive wie Bierflasche und Rotweinglas untermischen, merkt ja keiner. Wir stechen Sterne, Glocken, Herzen und Rentiere aus. Rauf aufs Backblech und im vorgeheizten Ofen bei 180 Grad ca. 12 Minuten backen. Einfach hin und wieder reinschauen, kommt auf Ofen und Dicke der Plätzchen an. Sie sollte eine leichte goldene Färbung haben, dann können sie raus.

Die Teigmenge ergibt mehrere Backbleche. Plätzchen nicht zu eng aneinanderlegen, sonst kleben sie zusammen. Ich arbeite mit zwei Backblechen und ziehe die Plätzchen samt Backpapier auf ein Brett, dann können sie im Nebenzimmer abkühlen, während die nächste Lage backt. Und dann kommt der spaßigste Teil: Das Dekorieren. Mit der richtigen Ausrüstung kommt hier Freude in die Weihnachtsbäckerei! Als Grundlage braucht es eine Glasur: Schokolade schmelzen, dunkel und weiß, oder Puderzucker mit ein paar Spritzern Wasser oder Zitrone verrühren. Mit einem Pinsel auf die Plätzchen auftragen. Dann jede Menge Kram bereitstellen: Zuckerkugeln, bunte Sprinkel, Schokostreusel und Silbersternchen. Schön ist auch Zuckerschrift aus der Tube, mit der Umrandungen, Linien und Gesichter gemalt werden können. Auch bei der Deko gibt außergewöhnliche Varianten, die Spaß machen: Wir hatten neben den Klassikern kleine Zuckerdinosaurier, die sich auf die Glasur streuen lassen. Und rosa Glitzerstaub. Matilda hat einen Riesenspaß beim Plätzchen bepinseln und Streusel fliegen lassen.

Die richtige Einstellung: Es muss nicht perfekt sein

Wenn man Kinder hat, ist eine Eigenschaft besonders wichtig. Leider wird aber genau diese täglich überstrapaziert: Gelassenheit. Es ist manchmal schwierig, Ruhe zu bewahren, wenn das Kind die neuen Filzstifte an der weißen Wand ausprobiert oder mit einer Packung Mehl ihr Zimmer in Elsa-Land verwandelt. Aber ich habe festgestellt, dass das Leben als Mama so viel mehr Spaß macht, wenn man viele Dinge so nimmt, wie sie sind. Deswegen ist Gelassenheit die dritte wichtige Zutat für das gemeinsame Plätzchen backen mit Kindern. Einfach mal den eigenen Perfektionismus hinten anstellen, wenn die Tochter beschließt, das Plätzchen-Rentier soll keine Beine haben. Oder ein Keks bekommt 200 Gramm Streusel ab, der daneben gar nichts. Das ist schwierig, ich muss mich zwingen, nicht bei jedem Plätzchen nachzubessern, aber so hat Matilda mehr Spaß am Backen. Denn sie hat alles selbst gemacht.

Auch wichtig: Beim Plätzchen backen ist Naschen erlaubt! Auch vom ungebackenen Teig, denn der schmeckt besonders gut. Ja, es sind rohe Eier drin. Und schon meine Mama hat gesagt, nicht so viel, sonst bekommst du Bauchschmerzen. Und natürlich sage ich das auch meiner Tochter. Aber sind wir mal ehrlich: Hat irgendjemand schon mal vom Teig naschen Bauchschmerzen bekommen? Deswegen darf Matilda sich die Finger abschlecken, wenn sie ihren Plätzchen aussticht. Und die Zuckerstreusel probieren. Von mir aus auch das Mehl. Auch wenn ich immer noch nicht verstehe, warum ihr das schmeckt. Und wenn ich am Ende eine Stunde die Küche wische, bunte Streusel zusammenkehre und Kuvertüre von der Decke kratze, fluche ich zwar ein bisschen, freue mich aber über Matilda, die glücklich auf dem Boden sitzt und ein Rentiert ohne Beine isst.

Bonus: Kokosmakronen als Eiweiß-Resteverwertung  

Nur eine Sorte Plätzchen ist langweilig. Und was mache ich eigentlich mit den vier Eiweiß, die beim Butterplätzchen backen übrig geblieben sind? Einfach ein paar schnelle Kokosmakronen backen. Ta Daaa, zweite Sorte Plätzchen abgehakt.

Zutaten:

  • 4 Eiweiß
  • 200g Kokosraspel
  • 100g feiner Zucker
  • 100g Puderzucker
  • 1 Päckchen Vanillezucker
  • Oblaten (kann man aber auch weglassen)

Ich werfe nicht gerne übrig gebliebene Lebensmittel weg. Und Eiweiß-Omelette ist wirklich fad. Deswegen mache ich immer die Kombination Butterplätzchen / Kokosmakronen. Dabei hilft, dass Matilda Kokos wirklich gerne mag. Und sie kann den Spritzbeutel auch mal ausprobieren. Also nach dem Butterplätzchen dekorieren fix das Eiweiß anschlagen. Dann Zucker, Puderzucker und Vanillezucker unterrühren und weiter schlagen, bis das Eiweiß steif ist. Kokosstreusel zugeben und noch mal umrühren. Teig in einen Spritzbeutel füllen, große Sternentülle drauf oder gar keine und Tupfen aufs Backblech spritzen. Entweder auf eine Oblate, das macht es später stabiler oder ohne, geht auch. Tochter auch mal den Spritzbeutel drücken lassen und sehr über den Gesichtsausdruck lachen, der der angestrengten Konzentration bei Erledigung des großen Geschäfts gleicht. Dann bei 175° auf der unteren Schiene ca. 15 Minuten backen. Nach dem Abkühlen darf Matilda noch ein bisschen Jackson Pollock spielen und mit der dunklen Schokoladen-Kuvertüre dekorative Linien und Flecken auf die Kokosmakronen spritzen. Und dann natürlich ihr Kunstwerk essen, ist doch klar!

Beim Butterplätzchen backen habe auch schon die Kleinsten einen Heidenspaß. Ausstechen, Teig essen, dekorieren - das gehört zur Vorweihnachtszeit!

Gezwitscher

Plätzchen dekorativ auf einem Weihnachtsteller anrichten sieht zwar schön aus, lässt die kleinen Süßigkeiten aber schnell hart werden. Plätzchen halten sich am besten in fest verschlossenen Metall- oder Plastikdosen. Optimalerweise nur eine Sorte pro Dose, falls mehrere rein müssen, mit einer Lage Pergamentpapier abtrennen, so bleibt das Aroma erhalten. Gut verpackt bleiben trockene Plätzchenarten mehrere Wochen frisch – theoretisch, aber da haben Mann und Kind ein Wörtchen mitzureden.  

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.