Pseudokrupp: So kannst du schnell helfen

FREITAG, 18.01.2019 Julia M.

Dein Kind scheint plötzlich keine Luft mehr zu bekommen – klar, da ist der Schock groß. So kannst du deinem Spatz bei einem Pseudokrupp-Anfall helfen.

Was ist Pseudokrupp?

Pseudokrupp ist eine Atemwegserkrankung im Bereich des Kehlkopfs, die meist Säuglinge und Kleinkinder im Alter zwischen 18 Monaten und fünf Jahren betrifft. Auslöser dafür können Viren, Bakterien, Schadstoffe oder auch Allergien sein. Kinder, die in „Raucherwohnungen“ aufwachsen, sind weitaus häufiger davon betroffen. Meist tritt er während der klassischen Erkältungszeit im Winter auf. Das Problem: Dabei schwillt die entzündete Schleimhaut unterhalb des Kehlkopfs und im Bereich der Stimmbänder so stark an, dass nur noch wenig Luft die Lungen erreicht. Je kleiner die Kinder, desto kleiner Atemwege und Co., desto schneller wird es eng. Dein Schatz bekommt schlechter Luft und natürlich auch Angst, da er die Lage überhaupt nicht einschätzen kann. Meistens genügen einfache Sofortmaßnahmen, allerdings muss dein Spatz im schlimmsten Fall notärztlich behandelt werden. In der Regel kannst du aber erstmal selber helfen. Und oft ist der Spuk auch ganz schnell wieder vorbei.

Wie du es bemerkst

Meistens passiert es nachts, wenn dein Kind schläft. Plötzlich beginnt es bellend, ziemlich laut und trocken zu husten. Beim Atmen ringt es buchstäblich nach Luft. Typisch ist das laute Einziehen der Luft beim Einatmen. Dein Kind scheint zu ersticken, weint vor Angst und lässt sich nicht beruhigen. In so einem Fall ist davon auszugehen, dass dein Spatz gerade einen Pseudokrupp-Anfall erleidet.

Sofortmaßnahmen bei Pseudokrupp

Als allererstes solltest du versuchen selbst ruhig zu bleiben. Kinder sind in so einer Situation logischerweise panisch und wissen nicht was geschieht. Versuche, sanft und beruhigend auf dein Baby einzureden und ihm Sicherheit und Geborgenheit zu vermitteln. Denn Herzklopfen, Erstickungsangst und Unruhezustände können den Anfall verschlimmern. Wickle dein Kind in eine dicke Decke und bringe es gut eingepackt an die frische Luft, auch bei Minusgraden – dein Mäuschen wird es dir danken. Frischluft verstärkt die Sauerstoffzufuhr. Aber auch kühle (feuchte) Kühlschrankluft kann helfen! Die kalte Luft bringt die Schleimhaut zum abschwellen, dein Kind beginnt langsam besser durchzuatmen. Dabei nimmst du es in den Arm und summst vielleicht eine leise Melodie. Wenn du ruhig bleibst, beruhigt sich auch dein Kind schneller. Manchen Kindern hilft es auch, wenn du bei geschlossener Tür alle Wasserhähne im Bad voll aufdrehst. Am besten heiß, damit das Wasser verdampft. Die feuchte Luft entspannt auch im warmen Zustand die Atemwege.

Hat sich dein Spatz wieder beruhigt, biete ihm etwas Kühles zu Trinken an. Er sollte in kleinen Schlückchen trinken, am besten Wasser oder Tee, keine Milch. 

Wann muss der Notarzt kommen?

Sollte sich trotz kalter oder feuchter Luft gar keine Verbesserung einstellen oder die Atemnot sogar schlimmer werden, rufe den Notarzt an. Die Sanitäter begleiten dich am Telefon und geben dir zusätzlich Tipps, bis der Krankenwagen vor Ort ist. In seltenen Fällen kann ein Pseudokrupp-Anfall lebensbedrohlich für dein Kind sein. Der Notarzt weiß am besten, wie er deinem Spatz dann schnell helfen kann.

Nach dem Anfall ist oft vor dem Anfall

Viele Kinder, die einmal einen Pseudokruppanfall erlitten haben, werden ihn in Zukunft wieder bekommen. Deswegen solltest du am besten am nächsten Tag (oder sofort, je nach Uhrzeit und stärke des Anfalls) deinen Kinderarzt aufsuchen. Er wird dein Kind genau untersuchen und ihm womöglich Notfallzäpfchen oder einen Hustensaft mit Cortison verschreiben. Damit bleibt der Anfall zwar nicht komplett aus, aber er fällt deutlich milder aus und die Atemwege entspannen sich deutlich schneller. Hat dein Kind öfter starken Husten, kann auch ein Inhaliergerät aus der Apotheke helfen – natürlich bekommst du auch dafür ein Rezept von deinem Kinderarzt. Wenn du es regelmäßig mit deinem Spatz benutzt, hilfst du ihm die Atemwege frei zu halten. Ein Pseudokrupp Anfall jagt einem als Eltern einen ganz schönen Schrecken ein! Aber mit den genannten Maßnahmen bist du gut vorbereitet und bekommst das sicherlich in den Griff.

Pseudokrupp vorbeugen

Eltern sollten in den Wohnräumen nicht rauchen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass das passiv-rauchende Kind eine Pseudokrupp-Attacke erleidet.

Ist dein Spatz besonders anfällig für Pseudokrupp und hat häufiger Anfälle, solltest du darauf achten, dass die Luftfeuchtigkeit bei euch zu Hause (vor allem im Kinderzimmer) nicht zu niedrig ist.

Die gute Nachricht zum Schluss: Die Anfälligkeit für Pseudokrupp verwächst sich mit zunehmendem Alter.

Schnelle Hilfe bei Pseudokrupp pin

Was zur Hölle ist denn bitte "Pseudokrupp"? Und was mache ich, wenn mein Kind mitten in der Nacht eine Attacke hat?

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mama aus der Redaktion kennt die Anfälle: "Mein kleiner Sohn hatte seinen ersten Anfall mit zwei Jahren. Er war schon den ganzen Tag schlapp und seine Atmung klang merkwürdig. Mein Bauchgefühl sagte mir, dass das kein normaler Husten ist. Also packte ich ihn ins Auto und fuhr mit ihm in die Kinderklinik. Kurz vor dem Parkplatz bekam er fast keine Luft mehr, seine Lippen waren bereits bläulich. Ich rannte mit ihm in die Notaufnahme, die waren vorbereitet, ich hatte angerufen. Er bekam sofort Cortison und Adrenalin über eine Atemmaske. Sein Zustand war tatsächlich kritisch und wir mussten zur Überwachung im Krankenhaus bleiben. Seitdem sind wir Pseudokrupp-Profis. Wir inhalieren, wir haben Cortisonzäpfchen und –Saft für die Notfälle und ich habe bereits mehrere Nächte bei Minusgraden auf der Wohnzimmercouch mit offener Terrassentür verbracht – dick eingepackt natürlich. Die Nächte waren anstrengend. Ich wurde routinierter, ins Krankenhaus mussten wir nicht mehr. Jetzt ist er viereinhalb, die Anfälle werden deutlich weniger und fallen schwächer aus. Aber wenn er Husten hat, weiche ich nachts nicht von seiner Seite. Denn ich habe gelernt, dass er viel entspannter ist, wenn ich sofort da bin und selber ruhig bleibe."

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.