Schadet Zucker deinem Kind?

DIENSTAG, 04.12.2018 Julia M.

Lebkuchen, Plätzchen, Kekse, Kuchen – als Mama musst du dir die Frage stellen, wie viel dein Spatz davon naschen darf. Wir klären auf: Ist Zucker schädlich?

Kein Zucker im ersten Lebensjahr

Alle Eltern befolgen bei der Erziehung ihrer Kleinen bestimmte Regeln. Manche beachten zum Beispiel: Kein Zucker im ersten Lebensjahr. Gründe dafür sind häufig, dass Eltern Karies vermeiden oder den Nachwuchs nicht an den süßen Geschmack gewöhnen möchten. Allerdings schmecken Mutter- und Flaschenmilch auch leicht süß, weswegen die Kleinen den Geschmack bereits kennen und lieben. Zudem ist uns die Vorliebe zu Süßem einfach angeboren.

Es gibt auch eine Theorie, die besagt, dass Zucker im Babyalter die Entstehung von Karies fördert. Karies wird allerdings durch Bakterien erzeugt. Solange du also auf eine ausreichende Zahnhygiene achtest, ist das Essen von Zucker allein kein reiner Karies-Auslöser.

Zucker ist für Kleinkinder nicht per se schädlich

Zucker an sich ist erstmal nicht unbedingt schädlich – solange er nicht in großen Mengen gegessen wird. Eine kleine Nascherei hin und wieder, hat auf dein Kind keine negativen Auswirkungen. Wird er allerdings oft, unkontrolliert und übermäßig viel gegessen, sind Übergewicht oder in schlimmen Fällen sogar Diabetes die Folge.

Zucker fördert die Bildung von Karies. Allerdings bedeutet das nicht, dass schon ein Gummibärchen für Löcher in den Zähnen sorgt. Karies bildet sich, wenn Bakterien Zucker abbauen und ihn in Säure umwandeln, der den Zahnschmelz angreift. Vor allem klebrige Naschereien wie Kaubonbons, aber auch Honig und Sirup bleiben oft in den Zahnzwischenräumen hängen und geben so Bakterien einen Nährboden. Eine kleine Nascherei ist allerdings unbedenklich, wenn du darauf achtest, dass dein Kind immer gründlich seine Zähne putzt.

Zucker und Hyperaktivität

Es gibt das Gerücht, dass Zucker Hyperaktivität fördert oder gar ADHS auslöst. Zahlreiche Studien untersuchten einen Zusammenhang. Bislang wurde allerdings keine Verbindung festgestellt. Vielmehr wird vermutet, dass Eltern einem Placebo-Effekt erliegen: Sie erwarten, dass ihre Kinder nach dem Essen von Zucker aktiver sind, wodurch ihre Wahrnehmung beeinflusst wird und sie den Eindruck haben, dass ihr Nachwuchs tatsächlich hyperaktiv ist. Experten weisen allerdings darauf hin, dass Kinder viel Zucker häufig auf Geburtstagen oder anderen Feiern oder Festtagen zu sich nehmen, wo die Stimmung ohnehin ausgelassener ist. Das hat eine Auswirkung auf das Benehmen der Sprösslinge. ADHS hingegen hat andere Auslöser und Hintergründe als das Essen von bestimmten Nahrungsmitteln.

Wie viel Zucker für das Kind? Richtlinien, die helfen können

Möchtest du dein Kinder nicht vollkommen zuckerfrei ernähren, stellt sich immer noch die Frage: Wie viel Zucker darf dein Kind essen?

1. Eine Kinderhand voll

Manche Eltern, die nicht streng abmessen und zählen möchten, wie viel Zucker der Sprössling zu sich nehmen darf, orientieren sich an der Menge "eine Kinderhand voll". Wichtig ist hier jedoch der Hinweis: Zucker verbirgt sich in vielen Lebensmitteln, auch in denen wo wir ihn nicht erwarten. Also auch in Saft, Müsli oder Joghurt. Daher ist es notwendig, dass du ganz genau im Blick behältst, was dein Spatz bereits gegessen hat und ob ein kleiner Nachtisch noch geht.

2. Nur fünf bis zehn Prozent des Tagesbedarfs

Die WHO rät dazu, dass nur höchstens zehn Prozent der Nährstoffe aus Zucker bestehen, ideal wären nur fünf Prozent. Demnach ergeben sich folgende Werte für Kleinkinder:

  • 1 Jahr: Höchstens 25 g Zucker pro Tag, besser 12,5 g
  • 2-3 Jahre: Höchstens 32,5 g, besser 16,5 g
  • 4-6 Jahre: Höchstens 45 g, besser 22,5 g

Allerdings haben aktivere Kinder einen höheren Bedarf an Nährstoffen und Kalorien als ruhigere Kinder. Diese Angaben sollten also auch nach der Betätigung des Kindes angepasst werden. Springt dein Kleines also fleißig auf dem Trampolin, spielt Fußball oder Fangen mit seinen Freunden? Dann darf es schon mal ein kleines Stückchen mehr sein.

3. Nur am Wochenende oder zu bestimmten Gelegenheiten

Manche Eltern erlauben ihren Kindern nur dann, Süßes zu essen, wenn Wochenende ist oder ein anderer Festtag wie ein Geburtstag oder eine Feier stattfindet. Entscheidest du dich für solch ein Modell, solltest du dennoch darauf achten, dass an diesen Tagen nicht maßlos genascht wird.

Eine gesunde Einstellung zu Zucker

Deinen Kindern Zucker vollkommen zu verbieten, ist nicht nur schwierig, es kann auch negative Folgen haben. Es gibt Erfahrungsberichte bei denen Kinder in eine Art Außenseiterrolle fielen, wenn sie als einzige, zum Beispiel im Kindergarten, nicht vom Geburtstagskuchen essen durften.

Verbote können den Effekt haben, dass etwas erst recht interessant wird. Kennen Kinder Süßes und haben eine gemäßigte bzw. gesunde Einstellung dazu, ist Naschwerk etwas Besonderes, das nicht jeden Tag gegessen wird, aber das manchmal genossen werden darf. Viele Eltern und Erzieher wissen, dass Kinder, die nie Süßes essen durften, Bonbons, Gummibärchen und Schokolade regelrecht horten oder verstecken und heimlich essen. Umgekehrt kann ein zu regelmäßiger Konsum von Zucker süchtig machen und hat viele negative Folgen wie Krankheiten und Übergewicht.

Zucker an sich ist natürlich nicht gesund, aber in moderaten Mengen ist er auch nicht schädlich. Der Körper generiert aus Zucker Energie. Versuche deinem Kind eine gemäßigte Einstellung zu Zucker zu vermitteln. Generell sollten Eltern ihrem Nachwuchs beibringen, wie er sich gesund ernährt und dass vollwertige Nahrungsmittel lecker sind. Süßes darf ab und an genossen werden, sollte aber nicht regelmäßig auf dem Speiseplan stehen. Wenn du Kuchen, Plätzchen und Marmelade selber herstellst, hast du den Überblick über Zutaten und Zuckermenge – und nebenbei noch jede Menge Spaß mit deinem Zwerg beim Backen.

Backen mit wenig Zucker

Weihnachten ist für viele auch Backzeit: Plätzchen, Zimtsterne, Lebkuchen, Baumkuchen – es gibt zahlreiche Leckereien, die es nur um die Feiertage gibt. Darauf musst du auch mit Kleinkind nicht verzichten:

  1. Vieles lässt sich durch gesündere Alternativen ersetzen. Ein Beispiel wäre Vollkornmehl statt Weizenmehl zu verwenden.
  2. Weniger Zucker benutzen. Oft reicht es, wenn wir 30 Prozent weniger Zucker in den Teig geben, als im Rezept angegeben wird.
  3. Zuckerreduzierte Rezepte verwenden. Im Internet gibt es viele Rezepte, die dabei helfen, Plätzchen und Kuchen mit weniger Zucker zu backen, die jedoch trotzdem gut schmecken.

Rezept für zuckerfreie Weihnachtsplätzchen: 

Zutaten:

  • 240 g Datteln
  • 100 g Kokosöl
  • 200 ml Wasser
  • 300 g Mehl, zum Beispiel aus Dinkel oder Roggen
  • 100 g gemahlene Haselnüsse
  • 5 EL Kakaopulver
  • 1 TL Natron
  • 3 TL Gewürz, zum Beispiel Lebkuchengewürz

Backen:

  1. Erhitze das Wasser und weiche die Datteln ein.
  2. Schmelze in einem Topf das Kokosöl und lasse es auskühlen.
  3. Nach einer Stunde die Datteln im Wasser pürieren.
  4. Nach einander Mehl, Haselnüsse, Kakaopulver, Natron und Gewürz hinzugeben.
  5. Mische auch das geschmolzene Öl hinzu.
  6. Anschließend gründlich Kneten.
  7. Knete den Teig aus, achte aber darauf, dass er nicht zu dick ist.
  8. Steche die Plätzchen aus.
  9. Nun in den Backofen geben: Bei 170 °C (Ober-/Unterhitze).
  10. Nach 15 – 20 Minuten aus dem Ofen holen und gut abkühlen lassen.
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Zucker kann süchtig machen. Deshalb lieber nicht zu viel und auch nicht jeden Tag. Die Menge macht´s!

MeinSpatz Gezwitscher

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Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.