Entspannt Silvester feiern mit Kindern? Das geht!

FREITAG, 20.12.2019 Tina

Silvester mit Kindern ist anders als früher. Aber nicht unbedingt schlechter. Mit ein paar Tipps und der richtigen Einstellung wird der Jahreswechsel als Familie ganz entspannt.

Silvester gehört klar zu den Erwachsenen-Festen. Das liegt alleine schon daran, dass der Höhepunkt um Mitternacht ist. Nicht unbedingt eine kinderfreundliche Zeit. Und wenn man sich an die Silvesterabende vergangener Zeiten erinnert, dann spielt höchstwahrscheinlich Alkohol und eine gewisse Unbekümmertheit eine größere Rolle in der Abendgestaltung, was mit Kindern auch nicht die optimale Variante ist. Deshalb habe ich bei der Geburt meiner Tochter gedacht, so, das wars jetzt mit wilden Jahreswechselfeiern und ausufernden Partys. Jetzt beginnt die Zeit der langweiligen Spieleabende mit Feuerwerk am Fenster und einer Tasse Kaffee in der Hand. Und wie bei fast allen Annahmen, die ich bei der Geburt über mein zukünftiges Leben getroffen habe, ist das zum Teil richtig, aber auch wieder nicht.

Richtig ist, dass sich Silvester verändert, wenn man Kinder hat. Aber es wird nicht unbedingt schlechter. Was man immer vergisst, wenn man sich darüber beschwert, dass man nicht mehr die Nächte durchtanzen kann: Man hat auch immer weniger Lust drauf. Zumindest, wenn man nicht mehr in den Zwanzigern ist, so wie ich. Und habe ich anfangs noch gedacht, kein Problem, dann lasse ich das Kind halt die eine Nacht bei den Großeltern und gehe feiern, ist mir schnell klar geworden, dass ich das auch nicht möchte. Den Jahreswechsel will man nämlich gerne mit seinen Liebsten verbringen, und da gehört der eigene Nachwuchs dazu. Bei unserem ersten Silvester nach der Geburt war Matilda fast fünf Monate alt. Hier hat sich die Frage, wohin mit dem Kind an Silvester noch nicht gestellt. Sie musste nämlich bei mir sein, alleine aus nahrungstechnischen Gründen. Und das hat auch verhindert, dass ich eh nicht mehr als das obligatorische Glas Sekt um Mitternacht trinken konnte. Wir waren trotzdem nicht alleine daheim, sondern haben bei Freunden gefeiert.

Aber ab dem nächsten Jahr ist wieder etwas mehr Normalität ins Leben eingekehrt und wir haben uns wie immer Anfang Dezember gefragt, wie wir den Jahreswechsel verbringen wollen. Neujahrskonzert geht nicht, Silvesterball fällt auch aus und auf eine Hausparty mit rein kinderlosen Paaren traue ich mich nicht. Schnell war klar: Wie feiern mit unseren besten Freunden, entspannt daheim bei Tapas und Raclette. Und das machen wir seitdem immer so.

Viele Kinder entspannen

Der beste Tipp für ein entspanntes Silvester mit Kindern ist: Mehr Kinder einladen. Klingt paradox, funktioniert aber. Weil dann sind die Zwerge den Großteil des Abends miteinander beschäftigt und wollen nicht von den Erwachsenen bespaßt werden. Das funktioniert natürlich erst ab einem bestimmten Alter, aber bei uns ging das schon mit knapp 1,5 Jahren ganz gut. Natürlich muss man zwischendrin trotzdem von der in der Puppenküche aufwändig zubereiteten unsichtbaren Torte kosten, aber das klappt auch mit zwei Gläsern Rotwein ganz gut. Die Kinder essen unabhängig von den Eltern und dürfen sich dann im Pyjama im Bett einen Film ansehen. Das führt zum nächsten Tipp:

Auch die Kinder dürfen einen besonderen Abend haben

Silvester ist ein spezieller Abend. Das merken auch die Kinder. Deswegen ist der Jahreswechsel bei uns ein Abend der Ausnahmen. Was alles viel entspannter macht. Ein Stück Kuchen vor den Pommes? Heute erlaubt. Einen ganzen Kinderfilm schauen, mit Popcornschüssel in der Hand? An Silvester kein Problem. Ins Bett wird erst gegangen, wenn man richtig müde ist. Und wenn die Kleinen um Mitternacht von den Böllern geweckt werden, dann einfach im Pyjama warm einpacken und gemeinsam das Feuerwerk schauen. Irgendwann gehen sie schon wieder ins Bett.

Anders heißt nicht schlechter

Natürlich ist es auch anstrengend. Kinder machen selten das, was man von ihnen erwartet. Man kann also noch so entspannt sein, der Trotzanfall kann einem trotzdem in die Quere kommen. Oder sie wollen unbedingt heute, dass man zum Einschlafen eine Stunde neben ihnen sitzt, dabei steht das Erwachsenen-Essen schon auf dem Tisch. Ich möchte nicht behaupten, dass Silvester mit Kindern besser ist als früher, denn das ist es nicht. Aber wie bei vielen anderen Dingen, zum Beispiel auch beim Thema Urlaub, muss man lernen, sich mit der neuen Situation auseinanderzusetzen, ohne ständig Vergleiche mit früher zu ziehen. Und es gibt so viel Schönes: Als Familie gemeinsam das Jahr ausklingen lassen, nicht anonym in der Menge zu tanzen, sondern den Abend mit den besten Freunden zu verbringen oder die leuchtenden Augen des Nachwuchses, wenn nach dem ersten Schreck die Schönheit des Feuerwerks erkannt wird. Nur bei einer Sache sind Kinder wirklich nervig: Wenn sie am nächsten Morgen um sechs Uhr neben deinem Bett stehen und frühstücken wollen.

pin

Jahrelang haben wir uns die Frage gestellt: Was machen wir dieses Jahr an Silvester? Mit Kindern wird diese Antwort einfacher, denn es gibt nicht viele Alternativen. Mein ultimativer Tipp: Mit Freunden, vielen Kindern und Erziehungs-Ausnahmen.

Gezwitscher

Beim Thema Feuerwerk habe ich gemischte Gefühle. Ich liebe die bunten Lichter am Himmel und ich möchte, dass Matilda das auch erleben kann. Aber mit Kleinkind selber böllern will ich nicht, viel zu gefährlich. Außerdem bekomme ich Bauchschmerzen von dem vielen sinnlos ausgegebenen Geld: In Deutschland waren es 2018 137 Millionen Euro, die für das Silvesterfeuerwerk draufgegangen sind. Geld, was man sicher besser investieren könnte. Und die Feinstaubbelastung ist mit 4.500 Tonnen auch ein Gegenargument. Aber schön ist es schon.  

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.