So isst dein Kind mehr Obst und Gemüse

MONTAG, 02.04.2018

Das Kind will lieber Fruchtzwerg als echtes Obst? Und wozu Brokkoli, wenn es doch Spaghetti gibt? Was hilft? Ein paar kleine Tricks und mehr Gelassenheit. 

Kinder können sehr wählerisch sein, was ihr Essen angeht. Da wird lieber 30 Minuten lang jede Faser, die nur ansatzweise nach Paprika aussieht, aus dem Reis gepickt, bevor sie Gefahr laufen, aus Versehen eine herunterzuschlucken. Der Obstsalat an sich ist ja eine feine Sache, wäre da nur nicht die Kiwi, die zu bitter schmeckt, oder die Banane, die so matschig ist und komische braune Stellen hat. Und auch wenn das Leberwurstbrot in der Kita-Brotzeit bis auf den letzten Krümel aufgefuttert wurde, bleibt der Rohkost-Mix aus Karotten und Gurken quasi unberührt liegen. 

Obst und Gemüse muss nicht immer ganz offensichtlich daherkommen

Viele Eltern sind besorgt und fragen sich, ob ihr Kind genug Vitamine und Nährstoffe bekommt. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt auch für Kinder täglich fünf Portionen Obst und Gemüse. Wobei sich keiner daran festbeißen sollte. Kinder entwickeln ihren Geschmack erst noch, und bestimmte Nahrungsmittel abzulehnen, ist völlig normal. Was viele Mamas und Papas vergessen: Obst und Gemüse müssen nicht immer in Reinform auf den Tisch kommen. So finden manche Kinder reife Bananen etwa matschig und eklig braun. In einem frischen Shake mit guter Milch schmecken sie aber herrlich lecker. Auch ungesüßtes Obstmus aus Äpfeln, Mangos oder Birnen ist ein echter Genuss auf einer Scheibe Brot mit Frischkäse. Sogar ein ungezuckerter Obstsaft liefert wertvolle Vitamine und ist ab und zu eine Alternative zur Rohkost. Gemüse zum Abendessen? Bäh? Nicht unbedingt, wenn es auf der Pizza liegt, aber unter der Salami versteckt wird. Der Geheimtipp für Nudelsauce: Einfach das Tomatensugo mit Zucchini, Karotten und Auberginen verfeinern. Danach alles im Mixer fein pürieren und die rote Sauce über die Nudeln geben. Kein Gemüse zu sehen. Keine Beschwerde auf Kinderseite. Ja, Mamas und Papas dürfen auch mal tricksen.

Der Trick mit dem Ketchup

Als fürsorgliche Mami willst du Ketchup so sparsam wie möglich einsetzen. Immerhin sind da ungeheure Mengen an Zucker drin? Dabei kann genau diese rote Sauce deine Zwerge dazu bringen ihr Gemüse zu essen. Ernährungspsychologe Thomas Ellrott erklärt in einem Interview mit faz.net: „Zur Trickkiste gehört auch, mal Ketchup zum Gemüse zu reichen, auch wenn viele Eltern meinen, da stecke zu viel Zucker drin. Das stimmt, allerdings isst das Kind ja nur wenig davon. Wenn ein Klecks Ketchup dazu führt, dass die Eltern Gemüse in das Kind hineinbekommen, ist das doch zweckmäßig. Denn desto eher essen die Kinder das Gemüse später auch ohne Ketchup. Das nennt man ‚Flavour-Flavour-Learning‘: Man lernt einen neuen Geschmack durch Koppelung an einen bereits geschätzten bekannten.“ Klingt logisch, oder? Ganz nebenbei verschwindet der Widerstand, neues Gemüse einfach mal auszuprobieren. Ein Klecks Ketchup drauf und rein in den Mund.

Kinder ab in die Küche

Oft wollen Kinder in der Küche helfen. Mit Kindermessern und einem Schneidbrett ausgerüstet, würfeln und schneiden sie, was das Zeug hält. Da jeder Zwerg auch eine kleine Naschkatze ist, landet bereits beim Schnippeln das eine oder andere Stück im Mund. Noch dazu finden Kinder Speisen, die sie selbst zubereitet haben, einfach spitze. Das bestätigt auch Thomas Ellrott: „Das Essen wird dann ein Teil von ihnen selbst. Ganz egal, was dabei herauskommt, selbst wenn es ganz fürchterlich schmeckt, finden sie es einfach toll. Ein Beispiel: Wenn man Kindern Kresse vorsetzt, spucken sie sie aus, weil sie bitter und scharf schmeckt. Wenn sie die Kresse aber selbst gezogen haben, lieben sie sie. Selbermachen führt zu einer extrem hohen emotionalen Bindung und Wertschätzung.“ Auch ein Highlight: Gemeinsam Obst und Gemüse für einen Smoothie schnippeln, die Stückchen selbst in den Mixer geben und anschalten. Zu sehen, wie die Stückchen langsam ihre Konsistenz verändern und miteinander verschmelzen, macht neugierig auf den Geschmack.

Gelassen bleiben

Dein Kind muss nicht alle Obst- und Gemüsesorten lecker finden. Es genügt, wenn es ein paar richtig gerne mag. Auch naturbelassene und getrocknete Mango-Stückchen oder krosse Apfelchips dürfen sein. Und vor allem: Übe keinen Zwang aus. Lass dein Kind sein Essen entdecken. Kombiniere Rohkost mit leckeren Joghurt-Dips. Rühre frische Früchte in süßen Grießbrei. Streue warme Himbeeren auf sahnigen Vanillepudding. Es heißt nicht „entweder-oder“, sondern alles zusammen und zwar mit Genuss. „Essen und gemeinsame Mahlzeiten sind etwas Schönes, das sollte man nicht vergessen. Sonst werden am Ende noch Eltern und Kinder neurotisch.“ Irgendwann wird es das Kind toll finden, das Gleiche zu essen wie seine Eltern“ erklärt Mathilde Kersting, Professorin am Forschungsinstitut für Kinderernährung in Dortmund in einem Interview mit welt.de. Dem können wir nur zustimmen.

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Gesunde Ernährung hört sich toll an. Das mit einem Kleinkind auch durchzuziehen, ist nicht immer einfach. Ein paar Tipps, wie es besser funktioniert, findest du in unserem Artikel.

MeinSpatz Gezwitscher

Die Franzosen haben einen Trick, dass Kinder gesünder essen. Sie servieren das Gemüse als Vorspeise. Dann haben die Kleinen noch richtig Kohldampf und probieren auch mal etwas mehr von dem komischen Grünzeug. Erst zur Hauptspeise gibt es dann Nudeln, Fleisch, Kartoffeln und Co.