Sprachentwicklung fördern: Vom Baby bis zum Kleinkind

DONNERSTAG, 20.09.2018

Mama und Papa haben großen Einfluss darauf, wie und wie schnell ihr Kind sprechen lernt und sich später ausdrücken wird. Darauf solltest du achten ...

1. Rede viel mit deinem Baby

Rede schon in den ersten Lebensmonaten viel mit deinem Kind, erkläre ihm die Welt um euch herum und lies ihm beim Kuscheln auf der Couch erste Bücher vor. Ab dem Zeitpunkt seiner Geburt hört dein Spatz am liebsten die Stimmen von Mama und Papa. Um seine Sprachentwicklung von Beginn an zu unterstützen, solltest du viel mit deinem Baby sprechen und ihm alles erzählen, was du gerade tust. Damit dein Kind nämlich ein Wort in seinen Wortschatz aufnehmen und begreifen kann, muss es das Wort, laut Sprachwissenschaftlern, etwa 40-mal hören. Wenn du also bereits mit deinem Baby sprichst, ist es nicht nur eine Form der Zuwendung. Du sorgst auch dafür, dass dein Kind ein Gefühl für seine Muttersprache bekommt. Außerdem lernt es dadurch Sprachmelodien kennen und verschiedene Stimmen zu unterscheiden. 

2. Singe für dein Kind

Bereits im Säuglingsalter lieben Babys Musik. Sie lauschen gespannt dem Klang der Stimme und reagieren darauf, indem sie lächeln und sich dazu bewegen. Wie beim Erzählen vermittelst du deinem Kind auch beim Singen den Sprachrhythmus und die Sprachmelodie seiner Muttersprache. Nichtsdestotrotz steht beim Vorsingen vor allem der Spaß an der Sprache im Vordergrund und das ist eine wichtige Voraussetzung für die Sprachentwicklung.

3. Lies deinem Kind vor

Zu den effektivsten Methoden die Sprachentwicklung eines Kindes zu fördern, gehört das Vorlesen. Kinder lieben es, wenn sie von ihren Eltern, den Großeltern oder der Lieblingstante etwas vorgelesen bekommen – übrigens auch dann noch, wenn sie bereits selbst lesen können. Neben der Ausbildung der Sprache fördert das Vorlesen die Konzentration sowie die Fantasie und die Kreativität. Außerdem weckst du damit das Interesse an Büchern. Nimm dir täglich Zeit für das Vorlesen und lass dein Kind das Buch selbst auswählen. Die besten Bücher für Babys und Kleinkinder findest du in unseren Artikeln "Babys Entwicklung fördern – Mit Büchern und Spielzeug" und "Entwicklung fördern – Buchtipps für Kleinkinder". 

Ab etwa einem halben Jahr kannst du mit deinem Baby einfache Bilderbücher anschauen. Besonders beliebt sind zum Beispiel Fühlbücher zum Anfassen. Zu Beginn eignen sich vor allem Bilderbücher mit einem Bild pro Seite. Diese helfen deinem Kind die Symbolebene, die eine wichtige Voraussetzung für das spätere Lesenlernen ist, zu verstehen. Symbolebene bedeutet, dass ein zweidimensionaler Ball in einem Buch von deinem Spatz mit dem Gegenstück aus der Realität in Verbindung gebracht und wiedererkannt wird. 

Später, wenn dein Kind etwa 1,5 Jahre alt ist, unterstützen zum Beispiel Wimmelbücher die Sprachentwicklung optimal. Auf den großflächigen Bildern gibt es so viel zu entdecken und zu benennen. Dadurch erweitert und festigt sich der Wortschatz deines Kindes spielerisch. Auch für die spätere Schullaufbahn der Kleinen ist Lesen hilfreich. Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wurde, finden sich in der Schule besser zurecht und sind oft um ein Drittel besser im Lesen als der Durchschnitt. 

4. Erkläre deinem Spatz viel

Erkläre deinem Kind vor allem in den ersten vier Monaten alles, was du gerade machst: Egal ob beim Kochen, Anziehen oder Wickeln. Sprich über das, was auf euren Spaziergängen zu sehen ist: "Schau mein Schatz, da steht aber ein großer Baum".  Zeige deinem Baby immer, wie sehr du dich darüber freust, wenn es Laute von sich gibt und versucht mit dir zu sprechen. 

5. Höre deinem Kind zu und korrigiere es nicht

Wenn dein Kind sprechen lernt, macht es anfangs natürlich Fehler. Die richtige Aussprache oder die grammatikalisch korrekte Bildung von Sätzen und Wörtern muss selbstverständlich erst geübt werden. Lass dein Kind trotzdem immer ausreden, auch wenn das am Anfang etwas länger dauern wird. Um deinen Spatz nicht zu verunsichern, solltest du die Fehler nicht korrigieren sondern stattdessen einfach die sprachlich richtige Formulierung wiederholen.

6. Fördere dein Kind mit Fingerspielen, Kniereitern und Reimen

Viele Eltern kennen Fingerspiele wie "Das ist der Daumen, der schüttelt die Pflaumen, …" noch aus ihrer eigenen Kindheit. Mit solchen Fingerspielen, Kniereitern oder Reimen förderten bereits Generationen von Eltern unbewusst die Sprachentwicklung ihrer Kinder: Durch die spielerische Wiederholung bei solchen Spielen gewöhnen sich die Zwerge an den Rhythmus und die Laute der Sprache. Noch heute sind diese zum Teil sehr alten Sprachspiele sowohl bei Babys als auch bei Kleinkindern unglaublich beliebt und stärken noch dazu die emotionale Bindung zwischen Eltern und Kind.

7. Übernimm nicht die Babysprache

Viele Eltern benutzen vor allem in den ersten zwei Lebensjahren gerne lautmalerische Bezeichnungen von Gegenständen und Handlungen, wie etwa "Wauwau" für Hund oder "Muh" für Kuh. Das ist sicher nicht verwerflich. Oft haben es eben die eigenen Eltern und Großeltern auch schon so gemacht. Eine solche Vereinfachung ist für die Sprachentwicklung deines Kindes allerdings nicht wirklich hilfreich. Versuche einfach die Gegenstände, Personen oder Handlungen von Anfang an beim richtigen Namen zu nennen.

8. Setze in keinem Fall nur auf Hörspiele 

Schenke deinem Kind Aufmerksamkeit. Denn nur durch Kommunikation kann Sprache entstehen. Sprachförderung nur durch Hörspiele, Lieder-CDs und den Fernseher funktioniert nicht. Sie sind für Kleinkinder eine prima Ergänzung. Aber auf keinen Fall ein Ersatz für die gelebte Sprache und den Austausch mit den Eltern. In unserem Artikel "Schadet Fernsehen und Video schauen Kleinkindern?" erfährst du mehr über die Mediennutzung, die deinem Spatz gut tut.

So förderst du die Sprachentwicklung deines Kindes pin

Reden und Zuhören ist für Kleinkinder wichtig – von beiden Seiten. Auch Eltern sollten also ihren Kindern gut zuhören und sie aussprechen lassen.

MeinSpatz Gezwitscher

Ist dein Kind vielleicht auch ein "Late Talker"? Dann geht es dir wie einer Mami aus unserer Redaktion. Ihr Sohn begann erst mit 2,5 Jahren richtig zu sprechen. Natürlich machte sie sich Sorgen. Immerhin gaben seine Spielfreunde bereits Zweiwortsätze von sich. Dann – ganz plötzlich –platzte der Knoten. Sein erstes Wort war: "Sandspielplatz". Seitdem hörte er nicht mehr auf zu reden. Mittlerweile hat er im Kindergarten alle Altersgenossen in Sachen Sprachentwicklung weit hinter sich gelassen. Also keine Sorge, wenn dein Spatz ein wenig länger braucht. Irgendwann sprechen sie alle.