Stress oder Freude? Drei Mamis im Gespräch über Weihnachten

FREITAG, 29.11.2019 Tina

Wie feiern andere Familien Weihnachten? Ist es überall stressig oder kann man auch als Mami die ruhige Zeit genießen? Bei Kaffee und Plätzchen spreche ich gemeinsam mit Influencerin Jacqueline und Weihnachts-Superfan Martha über Gemeinsamkeiten und Unterschiede unserer Weihnachtstraditionen.

Weihnachten ist und bleibt das Familienfest Nummer 1! Trotz Geschenke-Wahn, Organisations-Stress und Termin-Overkill rückt man in der Weihnachtszeit enger zusammen und besinnt sich auf Dinge, die wirklich wichtig sind: Die Familie. Und wenn man Kinder hat, dann ist auch diese ganz besondere Stimmung zurück, dieses erwartungsvolle magische Prickeln in der Luft, das "Weihnachtswunder". Mit Kindern macht die Vorweihnachtszeit viel mehr Spaß: Gemeinsam Plätzchen backen und dabei vom Teig naschen, den Weihnachtsbaum aussuchen und daheim feststellen, dass sich das riesige Loch an der Seite nicht wirklich überschmücken lässt oder das Kind davon abhalten, dem Weihnachtsmann auf dem Christkindlmarkt 20 Minuten von der Elsa-Puppe zu erzählen, die er doch bitte gefälligst am 24. nicht vergessen darf.

Das ist doch bestimmt in jeder Familie so. Oder nicht? Kauft jeder so viele Geschenke wie ich? Wie ist das mit der Geschichte vom Christkind? Und ist die Weihnachtsgans das übliche Festtagsmahl? Ich habe zwei Mamas für eine gemütliche Weihnachts-Kaffee-Plätzchen-Runde zusammengetrommelt, weil ich genau das wissen wollte: Wie feierst du Weihnachten?

Jacqueline ist 35 Jahre alt, verheiratet und Mutter von drei Kindern (6, 4 und 2 Jahre alt). Auf ihrer Website https://style-pray-love.com/ erzählt sie gemeinsam mit einer Freundin aus ihrem Leben als Mutter, über Familie, Lifestyle und die Liebe zu ihren Kindern. Und auf ihrem Instagram Account Munich.Miracles kann man diese Familie ganz nah erleben und einen Einblick in ihren Alltag, auch an Weihnachten, bekommen.

Die zweite Mami in der Runde ist Martha, 38 Jahre alt, verheiratet und Mutter einer fast vierjährigen Tochter. Als Teilzeit-Mami in Führungsposition muss sie täglich einige Dinge jonglieren, aber die Weihnachtszeit ist für sie kein Stress, sondern pure Freude.

Und dann bin da noch ich: Tina, 40 Jahre alt, verheiratet und eine dreijährige Tochter, über die ich hier schon einiges geschrieben habe. Als selbständige Autorin und Redakteurin verbringe ich zwar viel Zeit zu Hause, das heißt aber nicht, dass ich eher dran bin mit der Weihnachtsdeko oder für jedes Kindergartenfest Kuchen backe.

Drei Mamas, viele Plätzchen und ein Gespräch über Feste feiern, Einkaufs-Stress und ganz besondere Weihnachtstraditionen.

Wie feierst du Weihnachten?

Jacqueline: Also es reden zwar immer alle vom Weihnachtsstress, aber bei uns ist es eigentlich ganz entspannt. Meine Eltern kommen zu uns und es ist ja schon mal viel entspannter für mich, wenn die Großeltern da sind. Dieses Jahr fällt Weihnachten total praktisch, deswegen werden sie schon am Wochenende vorher kommen, was ich toll finde. Mein Haus ist dann eh schon geschmückt und der Weihnachtsbaum steht auch. Als meine Eltern noch das Sagen hatten, haben wir erst gemeinsam an Heiligabend geschmückt. Das ist mir persönlich zu stressig. Ich mag es, dass schon alles fertig ist, wenn die Familie kommt.

Tina: Lustig, das war bei uns genauso. Wir haben auch immer erst an Heiligabend den Baum geschmückt. Ich schmücke jetzt mit meiner Familie den Baum eine Woche vorher, sonst kann man die schönen Lichter im Haus ja gar nicht genießen.

Martha: Wir haben früher mit meinen Eltern immer am 23. geschmückt, also einen Tag vorher. Aber mir ist das auch viel zu spät. Ich bin sowieso ein totaler Weihnachts-Fanatiker. Ich hole den Baum schon Anfang Dezember, würde ihn aber wahrscheinlich schon im Oktober aufstellen, wenn man mich lassen würde.

Tina: Ist das erst so, seit du Mama geworden bist?

Martha: Nein, seit ich von daheim ausgezogen bin. Mein Mann Christoph und ich haben immer diskutiert, als wir noch alleine waren, wann wir diesen Tannenbaum holen und er hat meinen Wunsch nie verstanden. Aber ich habe jahrelang auf ihn eingeredet, bis er irgendwann keine Lust mehr hatte und gesagt hat: Ja, ok, dann holen wir den Baum halt Anfang Dezember. Für mich ist das Tradition! Ich habe auch von jedem Mal Tannenbaum holen Fotos. Gemeinsam mit meinem Mann, wie ich schwanger war, mit Baby und mit meiner jetzt schon großen vierjährigen Isabella.

Tina: Das ist wirklich eine schöne Tradition. Also wir können auf jeden Fall schon Mal feststellen, dass wir alle Weihnachtsfans sind. Das heißt, ihr holt auch alles aus der Vorweihnachtszeit raus, was geht, oder? Plätzchen backen, Weihnachtsmärkte, Adventsfeiern usw. Wie ist das mit dem Adventskalender? Befüllt ihr selber einen?

Adventskalender selber befüllen?

Jacqueline: Also ich habe das letztes Jahr gemacht.

Martha: Bei drei Kindern? Respekt!

Jacqueline: Ja, das ist wirklich aufwändig. Dieses Jahr mache ich es nicht, es kam einfach so viel dazwischen. Ich wollte, hatte auch noch die Tüten vom letzten Jahr, aber dann habe ich im Supermarkt drei perfekte Adventskalender gesehen und dachte mir, ach komm, die nehme ich jetzt. Ich packe jedem noch was Kleines dazu, aber nicht drei Tüten am Tag. Das ist auch von den Kosten her nicht ohne. Ich will keinen billigen Schrott kaufen und unnötig Müll produzieren, nur Süßigkeiten sind auch nicht gut, es muss jedem Kind gerecht werden und es darf nicht zu teuer sein. Schwierig.

Tina: Und ich finde, das ist Stress, den man sich unnötig aufhalst. Ich glaube nicht, dass das was ist, das dem Kind so viel mehr gefällt als ein gekaufter Kalender.

Jacqueline: Ja, das stimmt. Ich habe auch das Gefühl, dass meine Kinder dieses Jahr viel aufgeregter sind. Letztes Jahr haben sie nur die Tütchen gesehen, aber dieses Mal sehen sie den Kalender und die Augen strahlen "Wow, die Eiskönigin". Sie haben sich viel mehr gefreut.

Tina: Ich werfe jetzt mal ein polarisierendes Argument in den Raum: Einen selbst befüllten Adventskalender für kleine Kinder macht man eher für sich. Um sich gut zu fühlen und jedem erzählen zu können, dass man die Supermutter ist.

Jacqueline: Das kann natürlich sein, trotzdem will ich nicht ausschließen, dass ich es nächstes Jahr wieder mache, einfach weil ich es schön finde. Es hängt vielleicht auch davon ab, ob es die eigene Mutter gemacht hat. Meine war eine der wenigen berufstätigen Mütter auf dem Dorf, die hatte einfach keine Zeit für so was und ich habe das immer bei Freundinnen gesehen und fand es toll. Das heißt nicht, dass ich es vermisst habe, meine Mutter hat immer ein tolles Weihnachtsfest für uns gestaltet.

Martha: Also ich habe von meiner Mutter immer einen Rubbellotto-Adventskalender bekommen.

Tina: Sehr lustig, den habe ich auch immer bekommen als ich älter war.

Martha: Ich weiß, total materiell und nicht weihnachtlich, aber irgendwie immer spannend. Ich befülle tatsächlich einen eigenen Adventskalender für Isabella, aber nur mit Süßigkeiten, das ist nicht aufwändig. Mein Schwiegervater hat einen Holz Adventskalender selbst geschreinert, den haben schon mein Mann und seine Schwester benutzt. Der wurde an uns weitergereicht, als Isabella auf die Welt kam. Das ist also eine alte Familientradition, deswegen möchte ich das fortführen. Und den Paw Patrol Kalender mit Spielzeug bekommt sie halt dazu, weil ich weiß, dass sie einfach beides mag. Sie hätte gerne eine Süßigkeit am Morgen, was ich in der Vorweihnachtszeit auch voll ok finde, und dann halt noch ein kleines Spielzeug.

Tina: Meine Tochter Matilda bekommt einen gekauften Kalender, wahrscheinlich auch Schoki und Spielzeug, höchstwahrscheinlich "Die Eiskönigin", weil momentan nichts anders ins Kinderzimmer darf. Seit meine Tochter auf der Welt ist, bekomme ich leider keinen Adventskalender mehr von meiner Mutter. Den bekommt jetzt Matilda. Genauso wie die Geschenke an Weihnachten.

Gibt es Regeln bei den Geschenken? 

Jacqueline: Wir Erwachsenen schenken uns auch nichts mehr. Bei den Kindern haben wir ein klares Budget, maximal 50 Euro pro Kind. Mir ist es wichtig, dass die Kinder nicht so abgehärtet gegenüber Geschenken werden, einfach weil es zu viel ist. Sie bekommen ja auch von der kompletten Verwandtschaft Päckchen. Ich habe festgestellt, nach dem Auspacken von drei bis vier Geschenken kommt langsam die Überforderung und die Freude sinkt.

Martha: Ich habe kein Budget, aber ich mache eine Liste. Eine freie Liste, wo ich mir überlege, was Isabella momentan gefällt. Sie hat auch kurz vor Heiligabend Geburtstag, deswegen muss ich hier ein wenig koordinieren. Ich schränke quasi nicht auf Geld ein, sondern auf Anzahl. Damit kommt die Familie ganz gut klar.

Tina: Ich habe festgestellt, bei mir ist es egal, ob ich eine Liste mache und jedem ein Geschenk zuteile oder ob ich allen freien Lauf lasse - die Familie läuft immer Amok, was die Geschenke betrifft. Ich nehme an Heiligabend dann immer heimlich ein paar Geschenk weg, verstecke sie und verteile in den nächsten Wochen einzeln an Matilda.

Jacqueline: Das mache ich auch. Ist auch eine schöne Kindheitserinnerung von mir, weil meine Mutter die Geschenke immer so gut versteckt hat, dass sie nicht mehr alle gefunden hat. Deswegen haben wir dann immer zwei Wochen später aus heiterem Himmel noch ein Geschenk bekommen, was natürlich immer das mega Highlight war.

Tina: Ich verstehe auch nicht, dass es für die Verwandtschaft wichtig ist, wer was schenkt. Es ist ja nicht so, dass Matilda zu jedem hingeht und sich bedankt, denn die Geschenke bringen der Weihnachtsmann und das Christkind.

Kommt der Weihnachtsmann oder das Christkind?

Jacqueline: Tja, das ist bei uns anders. Unsere Einstellung ist vielleicht etwas verpönt da draußen. Ich habe gemerkt, dass meine Kinder sehr wahrheitsgesteuert sind. Ihnen ist die Wahrheit wichtig und das will ich respektieren. Das heißt, sie wissen, dass es den Weihnachtsmann und das Christkind nicht gibt. Aber wir sind gläubige Christen, wir gehen auch sonntags in die Kirche und engagieren uns und wir sagen: Hey, Heiligabend ist Jesus Geburtstagsparty und der ist so cool, dass du die Geschenke bekommst. Und ja, es gibt auch die Geschichte vom Weihnachtsmann und vom Christkind und alle deine Freunde im Kindergarten glauben daran, deswegen verrate es nicht, damit sie nicht enttäuscht sind. Aber du weiß, dass es die beiden eigentlich nicht gibt. Das finden meine Kinder cool. Manchmal haben wir das Thema Wahrheit unter dem Jahr und die Kinder werfen mir vor, das ist doch gelogen, das stimmt nicht. Und dann sage ich: "Habe ich dich schon einmal angelogen? Ich habe dir bis jetzt immer die Wahrheit gesagt". Das respektieren sie. Ich glaube, dieser Umgang mit Weihnachten ist eher unüblich in einer Familie. 

Tina: Mit Sicherheit. Aber auch sehr interessant. Du hast das Konzept "Ich sage meinen Kindern immer die Wahrheit" und das ziehst du durch. Das erfordert schon Mut, finde ich, gerade wenn es um Weihnachten geht.

Martha: Das finde ich auch. Eine meiner schönsten Kindheitserinnerungen ist, gemeinsam mit meinen Cousins am Fenster zu stehen und auf das Christkind zu warten. Und auf die Frage vom Onkel "Siehst du es?" mit "Jaaaaa" zu antworten. Dann klingelt das Glöckchen, irgendwas rumpelt und man findet im anderen Zimmer die Geschenke. So mache ich das jetzt mit Isabella auch. Aber ich finde es ganz gut, was du gesagt hast Jacqueline. So lange man das Gefühlt hat, dass es zu dem Kind passt und dass es damit umgehen kann, soll man das so machen. Und wenn man irgendwann merkt, da wird hinterfragt, dann muss man es glaube ich auch nicht auf Zwang durchziehen. Dann kann man dann auch eine andere Erklärung liefern.

Tina: Interessant ist doch, dass man immer gedacht hat, Weihnachten muss nach einem bestimmten Muster ablaufen, weil man so aufgewachsen ist. Wenn man Kinder hat, fängt man an nachzudenken, was will ich überhaupt? Ist das eine Tradition, die ich fortführen möchte oder will ich was anders machen? Viele Sachen behält man bei, weil es irgendwie dazugehört. Ich gehe zum Beispiel an Heiligabend immer in die Kirche und sehe mir das Krippenspiel an. Obwohl ich das ganze Jahr über gar nicht religiös bin. Jetzt nehme ich Matilda mit. Und bei uns gab es früher an Heiligabend immer Leberkäs und Kartoffelsalat. Das habe ich übernommen und mache es heute mit meiner Familie auch so. Und am ersten Weihnachtsfeiertag macht der Opa Gans.

Jacqueline: Ich mache an Heiligabend Gans. Ist zwar aufwändig, aber ich finde, man kann das total gut vorbereiten. Die Gans ist ja im Ofen, die macht sich selber. Beilagen kannst du vorher machen, einfrieren und wieder auftauen. Außerdem gibt’s mittlerweile wirklich gute Sachen zum Kaufen. Früher als junge Mutter wollte ich immer noch alles selber mache. Auch um meinen Eltern zu beweisen, dass ich das kann, weil ich früher nie in der Küche geholfen habe. Aber jetzt bin ich da lockerer.

Wie lässt sich Stress vermeiden?

Tina: Jetzt starten wir bald in die Vorweihnachtszeit und auch wenn wir uns alle darauf freuen, für viele Mamas und Familien ist das einfach eine anstrengende Zeit. Haben wir ein paar Tipps, wie man Stress vermeiden kann?

Jacqueline: Eigene Traditionen prägen und Sachen, die früher stressig waren und von denen man denkt, man muss sie machen weil es einfach immer so war, ohne schlechtes Gewissen weglassen.

Martha: Planen und früh anfangen. Wieso nicht schon Ende November die Wohnung schmücken? Dann ist das Thema durch und man kann die Lichter lange genießen.

Jacqueline: Wenn man mit der Familie feiert, Aufgaben verteilen. Wer kauft was ein und bereitet was zu. Das nimmt den Stress raus und es liegt nicht die ganze Last auf deinen Schultern. Und

Tina: Online Geschenke einkaufen und nicht am Adventssamstag in die Stadt fahren. Und mit der Familie wichteln. Das macht Spaß und man muss nur ein Geschenk für die Erwachsenen besorgen.

Jacqueline: Mit dem richtigen Mindset die Feiertage antreten. Ich bin leider wirklich ein perfektionistischer Mensch, aber seit ich Mutter bin, bin ich viel entspannter. Wenn etwas nicht nach Plan läuft, nicht ausflippen, dann gibt’s das Essen halt 30 Minuten später. An Weihnachten geht es um die Familie, um Dankbarkeit, dass es allen gut geht. Ich finde, das sollte man seinen Kindern vermitteln.

An alle Mamis da draußen, die gerade panisch Weihnachts-To-Do-Listen schreiben: Tief durchatmen, Glühwein trinken und auch einfach mal genießen. Fröhliche Weihnachten!

Gezwitscher

Noch so ein Fest, das in die Vorweihnachtszeit fällt und eigentlich erst richtig relevant geworden ist, seit man Mutter ist: Nikolaus. Laut einer Umfrage von 2017 spielt der Nikolaus in nahezu jeder Familie in Deutschland eine Rolle, meistens wird ein Schuh gefüllt. Auf die Frage, ob Knecht Ruprecht, der bekanntlich unartige Kinder bestraft, auch zu ihrer Tradition gehört, sagen über 50% Ja.

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.