Stressfaktor Kindergeburtstag: Hilfe, mein Baby wird 4!

MONTAG, 20.05.2019 Lotte L.

Einladungskarten, Kuchen, Spiele...Wenn ein Kindergeburtstag ansteht, ist Mama schnell gestresst. Unsere Autorin beschreibt ihr Gefühlschaos rund um die Feier und warum am Ende doch alles den Aufwand wert ist. 

Mein Liebling,

kaum zu glauben, aber wahr. Heute bist du vier Jahre alt geworden. Seit Wochen, nein Monaten, hast du mich gefragt, wann denn nun endlich dein Geburtstag ist. Deine Aufregung war ansteckend. Tagelang habe ich lange Listen in meinem Kopf herumgeschleppt, mit Dingen, die vor dem großen Tag noch erledigt werden mussten. Und lag nachts wach und habe mir Gedanken über Einladungen, Dekorationen, Kuchen, das Buffet und mögliche Partyspiele gemacht.

Wie du weißt, muss Mama ziemlich viel arbeiten. Und oft hat dein kleiner Bruder (und dann auch noch dein Geburtstag) mich nachts wachgehalten. Gern hätte ich mehr Ruhe, Kraft und Energie für die Geburtstagsvorbereitungen gehabt, aber ich war häufig furchtbar erschöpft. Bitte glaube mir, mein Kleiner, ich habe mein Bestes gegeben, damit dein Ehrentag etwas Besonderes für dich wird.

Ich weiß nicht genau, wann das anfing - deine letzten Geburtstage waren noch simple, wenig vorbereitungsintensive Zusammenkünfte von Mamas, die Kaffee und manchmal Wein zusammen tranken, während ihre Babys genügsam auf einer Spielmatte herumrollten. Seit du im Kindergarten bist, scheinen plötzlich alle (oder bin das nur ich?) viel größere Erwartungen an dieser Feier zu haben. Und ja, ich habe einen sehr hohen Anspruch mich selbst: ich möchte Dir so gerne eine gute Mama sein.

Mamas Stress vorm Kindergeburtstag

In den letzten Tagen haben wir eine ganze Menge vorbereitet. Wir haben zusammen eine schöne Einladungskarte im Internet ausgesucht und mit unserem persönlichen Text versehen. Dabei hatten wir uns auf die altkannte Faustregel geeinigt, nach der man so viele Freunde einladen darf, wie man alt wird, und du hast 4 Kinder aus dem Kindergarten ausgesucht. Später sind uns dann allerdings zu diesen vieren noch 9 weitere aus Nachbarschaft und Freundeskreis eingefallen, die unbedingt eingeladen werden mussten (z.T. unausweichliche Gegeneinladungen). Also haben wir die Faustregel wieder über Bord geworfen. Und 13 Einladungen im Laden ausdrucken lassen.

Bei einer tollen Bäckerei um die Ecke habe ich Cupcakes für den Kindergarten einen Kuchen in Katzenform für uns bestellt. In der Mittagspause und abends habe ich Girlanden, Partywimpel, Ballons, Pappbecher und –teller, Servierten, Essenszutaten und kleine Präsente für jedes Kind gekauft, immer im Kopf mitzählend (Wie viel brauche ich von was?), stets verschwitzt und im Galopp durch die Supermarktregale. Dann dieses wieder vergessen und von jenem zu wenig gekauft, also noch einmal aus dem Haus. Und nochmal. Wegen möglicher Geburtstagsspiele habe ich Freunde befragt, und mich schließlich für Topfschlagen, Eierlauf und Sackhüpfen entschieden. Und was, wenn ihr euch langweilt?

Dann habe ich mich mit einem Mal wie eine Rabenmutter gefühlt, die es nicht schafft, dir zu deinem Ehrentag einen Kuchen selber zu backen. Also habe ich alles besorgt, um noch am späten Abend einen blauen Monsterkuchen mit Stielaugen anzufertigen (du liebst Monster), und um Mitternacht vor deinem großen Tag war endlich die Dekoration fertig, und das Monster sah aus wie ein schuppiger Zombie auf Drogen.

Mamas Stress beim Kindergeburtstag

Am heutigen Morgen, deinem Ehrentag, bist du noch vor 6 Uhr aufgewacht und gleich zu deinem Geburtstagstisch gestürmt. Ich konnte mich nur mit Mühe aus dem Bett schälen, zerschlagen von den abendlichen Kauf-, Back- und Einpackaktionen der letzten Tage. Du hast laut gejubelt über das ferngesteuerte Auto, dein Herzenswunsch, und mein Mamaherz hat mitgejubelt.

Über Mittag habe ich den Garten aufgeräumt, Stühle aufgestellt, Planschbecken aufgepumpt, Küche und Bad geputzt, Girlanden aufgehängt, Ballons aufgeblasen, Essen vorbereitet und aufgebahrt, Dekorationen befestigt und noch mehr Ballons aufgeblasen, bis mir ganz schwindlig war.

Am frühen Nachmittag kamen dann deine Partygäste eingetrudelt, und ganz wichtig natürlich, mit ihnen haufenweise Geschenken. Du hast ununterbrochen Spielsachen und noch mehr Spielsachen ausgepackt. Alles an dir hat gestrahlt. Deine pure Freude und Glückseligkeit über die vielen Gäste (und natürlich Geschenke) haben mich unerwartet heftig gerührt.

Ihr Kinder habt fröhlich in den Planschbecken gespritzt und getobt. Ihr habt vom Buffet (Pommes, Würstchen, Snacks) gegessen, habt gelacht, zur Musik getanzt und Seifenblasen gejagt. Ich bin wie ein aufgescheuchtes Huhn hin und hergelaufen, um sicherzustellen, dass jeder sich amüsiert und genug zu essen und trinken hat, und um hier und da Anweisungen (meistens an meine Kinder) auszustoßen. Abgesehen von kurzen, heftigen Streitereien um bestimmte Gegenstände (z.B. singende Leuchtbrille), war eure Stimmung fröhlich und ausgelassen. Der Geräuschpegel war sehr hoch, so dass eine Verständigung mit den angereisten Mamas und Papas teilweise nur schwer möglich war. Als wir später die zwei Kuchen mit brennenden Kerzen hineingetragen haben, und alle Kinder und Erwachsene für dich gesungen haben, da glühte dein kleines Gesicht vor Stolz und Verlegenheit. Dieser Anblick war hat mich auch wieder ergriffen. Zugegeben, Mama ist ein emotionales Weichschalentier.

Mamas Stress war ganz umsonst…

Die Zeit ist nur so vorbeigeflogen, an diesem wolkenlosen Sonnentag. Schließlich kamen wir gar nicht dazu, die vorbereiteten Spiele zu spielen, weil keiner von Euch aus den Planschbecken raussteigen wollte. Essen blieb massenweise liegen, und die Getränke werden uns wohl noch für die nächsten Tage reichen. Im Endeffekt war dein Geburtstag laut, chaotisch und toll. Für dein nächstes Wiegenfest habe ich gelernt, dass ich mir viel weniger Stress und Sorgen hätte machen müssen. Nur halb so viele Vorbereitungen wären nötig gewesen. Jetzt weiß ich: weniger ist mehr. Oder wie man so schön sagt: „Things don’t have to be perfect to be wonderful“. Ihr Kinder seid glücklich, wenn ihr einfach nur zusammen herumtollen könnt, und mit etwas Wasser dazu ist das Glück vollkommen. Ihr erwartet gar kein einzigartiges Entertainmentprogramm, keine Animation oder ausgefallene Bewirtung.

…doch es war das alles wert.

Jetzt liegst du da, mein Engel, und schläfst, ganz erschöpft von diesem langen, aufregenden Tag. Wenn ich dich anschaue, sehe ich noch genau den kleinen Säugling in dir, den ich eben noch gestillt habe. Ich wünsche mir, dass du schnell grösser und eigenständiger wirst, zugleich würde ich alles dafür geben, dass du mein kleines Baby bleibst. Ich bin froh, dass dieser Tag vorbei und gelungen ist, und zugleich tut mein Herz ein bisschen weh. Aber deine Freude und dein Glück heute, sie waren den ganzen Stress und Aufwand wert. Auch wenn auch etwas weniger von allem absolut gereicht hätte.

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Dass ein Kindergeburtstag oft mit Aufwand und Anstrengung verbunden ist, zeigt dieser Erfahrungsbericht einer Mama.

MeinSpatz Gezwitscher

Der erste Geburtstag ist ganz besonderes Ereignis, da dein Baby nun zum Kleinkind wird. Hier verraten wir dir hilfreiche Tricks und Tipps zur Planung einer tollen Feier.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.