Töpfchentraining – ist das noch zeitgemäß?

DONNERSTAG, 23.11.2017

Wie sinnvoll ist Töpfchentraining? Und wie wird mein Kind mit modernen Methoden sauber?

Also früher haben die Kinder mit anderthalb Jahren ja keine Windel mehr getragen!“ Wie oft musstest du dir das schon von deiner Mama oder Oma anhören, nur weil dein 2 ½-Jähriger einfach nicht aufs Klo gehen will oder deine 3-Jährige lieber in die Windel pullert als ins Töpfchen? Aber warum waren früher die Kinder bereits mit 1 ½ Jahren trocken?

Total überholt?

Der Schweizer Kinderarzt und Autor Remo Largo hat in einer Langzeitstudie herausgefunden, dass Kinder, die von ihren Eltern mehrmals am Tag aufs Töpfchen gesetzt werden, einfach gar keine Gelegenheit haben, in die Windel zu machen. Allerdings gehen Mediziner davon aus, dass es keinen Sinn macht, bereits mit einem oder eineinhalb Jahren mit dem Töpfchentraining zu beginnen. Der Grund: Erst mit zwei oder drei Jahren ist ein Kind überhaupt in der Lage, seine Blasen- und Darmfunktion zu kontrollieren. Erst im Laufe des vierten Lebensjahr werden die meisten Kinder auch nachts trocken.

Einfach machen lassen?

Das heißt nicht, dass es komplett verboten ist, seinem Kind zu zeigen, dass es gut ist, aufs Klo zu gehen. Aber zum einen braucht es nicht immer das Töpfchen zu sein (viele Kinder wollen direkt auf die Toilette, mit oder ohne Aufsatz). Und zum anderen sollte man sein Kind nicht zum Trockenwerden zwingen oder es gar bestrafen, wenn mal ein kleines Missgeschick passiert. Im schlimmsten Fall kann das sogar zu einer Trotzreaktion führen, die sich beispielsweise in Form einer Verstopfung zeigen kann.

Vorbild geben

Kinder brauchen Vorbilder. Auch beim Sauberwerden. Nimm dein Kleines einfach mit zur Toilette. Du wirst sehen, es entwickelt von ganz allein Interesse daran. Lass dein Kind entscheiden, ob es sich lieber aufs Töpfchen, auf den Toilettensitz oder direkt auf die Toilette setzen will. Viele Kinder eifern beim Trockenwerden auch Geschwistern oder Freunden nach, die schon trocken sind.

Oft ist es einfacher mit dem großen Geschäft zu beginnen. Kinder können das häufig schneller kontrollieren. Wenn dein Spatz in die Windel gemacht hat, könnt ihr (je nach Konsistenz) das „Häufchen“ gemeinsam in der Toilette entsorgen. So lernt dein Nachwuchs zu verstehen, wofür die Toilette gedacht ist. Lass deinen Schatz selbst die Spülung drücken, für Kinder ist das eine hoch interessante Sache. Auch darüber reden hilft: „In meinem Bauch grummelt es ein bisschen, ich muss jetzt aufs Klo.“ verdeutlicht den Kleinen den körperlichen Vorgang. So verstehen sie die Zusammenhänge besser. Das ist nicht immer angenehm für dich, aber Offenheit in diesem Punkt ist sehr hilfreich.

Tipps zum Trocken werden

Dein Kind interessiert sich trotzdem überhaupt nicht für alle deine Bemühungen? Bücher können helfen das Thema interessant zu machen. Viel Humor beweist zum Beispiel das Bilderbuch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwart. Es wird von vielen Experten zum Thema Sauberkeitserziehung empfohlen.

Motivation ist das A und O. Du solltest deinem Sprössling zu verstehen geben, dass du darauf vertraust, dass er es bald lernt. Und dass du auch darauf vertraust, dass er schon selber weiß, wann der richtige Zeitpunkt ohne Windel gekommen ist. Du kannst trotzdem immer mal wieder nachfragen: „Was meinst du, bist du schon soweit? Sollen wir die Windel jetzt mal weglassen?“ Nach mehreren Neins, wird dein Kind dann vielleicht an einem Tag ganz spontan von selbst sagen, dass es heute keine Windel anziehen möchte. Die Empfehlung lautet: Habt ihr einmal damit angefangen, solltest du es 6 Wochen (tagsüber) durchziehen. Klappt es danach immer noch nicht, lieber noch mal eine Pause machen und wieder Windeln anziehen. Auf keinen Fall Zwang ausüben oder schimpfen. Immer positiv bleiben: „Das nächste Mal klappt es bestimmt besser.“

Auch nicht zu vernachlässig: Die Jahreszeit. Im Winter ist das Sauberwerden etwas schwieriger. Bis die ganzen Kleidungsschichten ab sind, ist das Malheur oft schon passiert. In der Anfangsphase ist es ja immer besonders dringen.   

Töpfchentraining ade?

Das klassische Töpfchentraining ist heutzutage nicht mehr zu empfehlen. Einerseits weil ein Kleinkind mit einem Jahr noch viel zu jung ist, um zu verstehen, was da passiert. Und andererseits, weil man ein Kind nicht darauf trainieren sollte, zu einer bestimmten Zeit auf die Toilette zu gehen, sondern dann, wenn es wirklich muss. Ansonsten kann das körperliche und psychische Auswirkungen haben.

Unser Fazit: Lass deinem Kind einfach Zeit! Windelfrei wird man nicht an einem Tag. Dein Spatz zeigt dir selbst, wann er seine Windel loswerden möchte.

 

Heute noch ins Töpfchen? pin

Hilft das Töpfchen wirklich beim Sauberwerden? Oder ist das Ding ein Fall fürs Museum?

MeinSpatz Gezwitscher

Das Töpfchen ist heutzutage out. Wer will schon dauernd das Plastikteil saubermachen? Vor allem, wenn es viel bessere Alternativen gibt. Einen super Tipp  –  von der Leiterin einer Kita  –  möchten wir hier gerne weitergeben: Es gibt Toilettensitze, in denen ein Kindersitz schon integriert ist. Das spart Platz im Bad (Töpfchen oder Aufsatz müssen ja irgendwo in greifbarer Nähe deponiert werden), sieht optisch gut aus und freut den Nachwuchs: Denn er kann wie die Großen auch schon auf die richtige Toilette gehen und den Aufsatz ganz einfach selbst herunterklappen! In Kombination mit einem Tritt, auf dem das Kind auch im Sitzen sicher die Füße abstellen kann, eine saubere Lösung ;-).