Wenn Kinder trauern: So erklärst du deinem Kind den Tod

MONTAG, 02.09.2019 Julia M.

Der Tod eines nahestehenden Menschen kann auch die Kleinsten aus der Bahn werfen. Hier liest du, wie du mit dem Thema umgehen kannst.

Wie erklärt man einem etwa dreijährigen Kind den Tod? Viele Eltern und Verwandte wissen oft nicht, wie sie mit diesem schwierigen Thema umgehen können. Oft sagt man dann Dinge wie „Oma ist eingeschlafen“ oder „Papa ist auf eine ewige Reise gegangen und kommt nicht wieder“. Doch gerade solche Aussagen können in Kindern Ängste auslösen.

Trauer bei Kindern begleiten

Experten empfehlen auf solche Floskeln zu verzichten und lieber offen und ehrlich zu sein. Denn auch Kleinkinder denken bereits über den Tod nach, wenn Pflanzen verwelken, Tiere oder eben auch Menschen sterben. Unter fünf Jahren glauben sie aber oft, dass ein geliebter Mensch oder das geliebte Haustier nur vorübergehend woanders ist und bestimmt wieder kommt. Wenn dein Kind also fragt, wieso etwas tot oder kaputt gehen kann, solltest du versuchen ihm den Tod ohne Umschreibungen zu erklären. Besser als ein „Oma ist für immer eingeschlafen“ ist zum Beispiel diese klare Erklärung: „Oma ist gestorben. Tot sein sieht zwar vielleicht aus wie Schlafen, ist aber etwas ganz anderes. Wer tot ist, der atmet nicht mehr. Das Herz hört auf zu schlagen und der Körper wird dann ganz kalt und starr. Jeder Mensch muss einmal sterben. Meistens sind es alte Menschen, die bereits lange und glücklich gelebt haben.“ 

Traue deinem Kind das Thema Tod und Trauer ruhig zu und versuche es nicht durch Floskeln zu schützen, da dein Kind sonst unter Umständen noch größere Ängste entwickeln kann. Sagst du etwa „Oma ist auf eine lange Reise gegangen“ dann glaubt dein Spatz vielleicht bei der nächsten Urlaubsreise einer nahestehenden Person, dass auch derjenige nie mehr wieder kommt. Besser ist es Kindern klar zu machen, dass der Tod etwas endgültiges ist und zum Leben dazugehört.

Trauer bei Kindern: Symptome

Trauer äußert sich bei Kindern unter anderem durch die Fragen, die sie stellen. Damit wollen sie verstehen, wieso der geliebte Mensch gegangen ist. Dieses Verstehen können ist für die kindliche Verarbeitung sehr wichtig.

Auch auf die Trauer der Erwachsenen reagieren bereits die Kleinsten. Sie spüren, wenn Mama und/oder Papa sehr traurig ist und manche versuchen dann so stark wie möglich zu sein und ihre eigene Traurigkeit nicht zu zeigen. Solltest du dieses Verhalten bei deinem Kind beobachten, dann achte ganz genau darauf und versuche mit ihm noch einmal über den Tod zu sprechen. So kannst du verhindern, dass dein Kind die Trauer unterdrückt und dauerhaft belastet wird. 

Sprich dann lieber offen mit deinem Spatz, indem du zum Beispiel ehrlich sagst: „Ich bin traurig, weil ich deine Oma so sehr vermisse. Aber ich bin sicher, dass es ihr jetzt besser geht und sie keine Schmerzen mehr hat.“ Dein Kind fühlt bereits vom ersten Moment an sehr viel und reagiert auf sein Umfeld. Deswegen traue dich ehrlich mit ihm zu sprechen. Wenn du merkst, dass dein Kind Schuldgefühle hat, solltest du diese unbedingt ernst nehmen - auch wenn sie natürlich unbegründet sind. Versuche mit ihm darüber zu sprechen oder suche Hilfe von außen. 

Das hilft trauernden Kindern

Kinder trauern allgemein anders als Erwachsene. Ihre Stimmung ist sehr wechselhaft und nur weil dein Kind vergnügt spielt, heißt das nicht, dass es nicht trauert oder die Situation nicht ernst nimmt. Das Spielen und Lachen kann für dein Kind ein Weg der Verarbeitung sein. Beobachte dein Kind und frage immer wieder nach seinen Bedürfnissen. 

Trotz aller Trauer ist es weiterhin wichtig, familiäre Rituale auch weiterhin beizubehalten. Morgen- und Zubettgehrituale oder regelmäßige gemeinsame Mahlzeiten sind wichtig, da sie deinem Kind Orientierung geben - gerade in schwierigen Situationen. Es gibt übrigens auch viele Bücher zum Thema Trauer bei Kindern, die das Thema kindgerecht aufbereiten und erklären. Gerade wenn es dir vielleicht schwer fällt auf die detaillierten Fragen deines Kindes Antworten zu finden, können dir solche Bücher dabei helfen, die richtigen Worte zu finden.

Wenn der Tag der Beerdigung gekommen ist, fragen sich viele Eltern ob sie ihre Kleinen mitnehmen oder lieber Zuhaue lassen sollen. Wie für uns Erwachsene können aber auch Beerdigungen eine gute Gelegenheit sein, damit dein Kind Abschied nehmen kann. Auch ein zwei- oder dreijähriges Kind solltest du also durchaus mitnehmen, vor allem wenn es sich um einen sehr nahestehenden Menschen handelt. Wenn du selbst tief von der Trauer betroffen bist, sollte es noch jemanden geben, der auf dein Kleines schauen kann. Das kann ein naher Verwandter oder guter Freund sein, zudem dein Kind ein gutes Verhältnis hat. Denn auch während der Beerdigung wird dein Kind manchmal Fragen haben, die beantwortet werden sollten.

Wie du siehst ist es also wichtig, dass du deinem Kind den Tod und die Trauer erklärst, weil diese Dinge nun mal auch zum Leben dazugehören. Wenn dein Kind Ängste hat und dich fragt, ob denn alle Menschen sterben müssen, dann sei ruhig ehrlich. Erkläre ihm zum Beispiel: „Ja, alles auf der Welt muss einmal sterben. Die Pflanzen, die Tiere und auch wir Menschen. Das gehört zum Kreislauf des Lebens dazu. Aber bis das passiert, müssen wir in vollen Zügen leben und dabei ganz viel Spaß haben.“

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„Die Oma ist eingeschlafen.“ Warum Eltern nicht zu dieser Floskel greifen sollten, erfährst du in unserem Artikel.

MeinSpatz Gezwitscher

Trauer lähmt und manchmal schafft man es alleine auch einfach nicht mehr, mit ihr umzugehen. Eine professionelle Trauerhilfe kann dir und deinem Kind dann helfen. Für Kinder gibt es sicher auch in deiner Stadt spezielle Angebote, wie etwa von den Johannitern. Hier kann dir und deinem Kind geholfen werden, Ängste und mögliche Schuldgefühle abzubauen und mit seiner Trauer umgehen zu lernen.

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.