Trendobjekt Lastenrad – Wie sinnvoll ist die Anschaffung?

DONNERSTAG, 14.03.2019

Sie sind aus den Großstädten kaum mehr wegzudenken: Eltern, die ihre Kinder in einem Lastenrad durch die Gegend fahren. Aber sind sie auch wirklich alltagstauglich? Ein Erfahrungsbericht.

Auf den ersten Blick sind sie ziemlich cool. Man kann ein Dach drüber machen, man hat die Kinder immer im Blick. Und mit etwas Geschick transportiert man sogar mehr als zwei Kinder. Aktuell wohnen wir in München, im Norden von München. Unser Haus liegt sehr zentral und für den Alltag bräuchten wir kein Auto. Supermarkt, Apotheke, Bäcker und Metzger sind zu Fuß erreichbar. Die Tagesmutter und der Kinderarzt sind nur wenige Kilometer entfernt, sodass man das Fahrrad benutzen kann. Es lag also nahe, dass wir uns überlegten, wie wir unseren Sohn am besten mit dem Rad transportieren könnten.

Im September besuchten wir Freunde in Kopenhagen. Ich war noch nie in einer Stadt, die so fahrradfreundlich ist. Breite Radwege, friedliche Koexistenz zwischen Radfahrern und Autofahrern und unglaublich viele Stellplätze für Räder. Unsere Freunde dort besitzen ein Lastenrad mit Elektroantrieb. Perfekt um die Stadt zu erkunden.

So viel Platz

Mein Mann schwang sich also auf das E-Bike, unser Sohn, der Kinderwagen, die Wickeltasche und ich nahmen vorne im Lastenrad platz. Das Wetter war gut und wir brauchten keine Regenhaube. Nach kurzer Zeit hatte mein Mann den Dreh raus, wie man das Lastenrad am besten lenkt. Da die beiden Vorderräder mit dem Lenker verbunden sind, ist das nämlich gar nicht so einfach. Wir fuhren stundenlang durch die Stadt und es war herrlich. Abgesehen von der unbequemen Sitzbank (die man mit einem Polster ausstatten kann), war es da vorne echt gemütlich. Unser Sohn – damals neun Monate alt – genoss die Fahrt sichtlich. Er konnte alles sehen und die frische Luft sorgte dafür, dass er mehrmals einfach eingeschlafen ist. Wieder zu Hause angekommen überlegten wir, ob wir uns auch ein Lastenrad anschaffen sollten. Wir begannen, Vorteile und Nachteile abzuwägen.

So ein Lastenrad – auch Cargobike genannt  bietet unglaublich viel Platz. Vorne passen zwei Kinder und ein Wochenendeinkauf locker rein. Mit etwas Geschick finden auch eine Babyschale und ein Kleinkind ausreichend Platz. Wenn es mal regnet, kann man einfach eine Haube drüber legen, so bleiben Kinder und Einkauf trocken. Auch bei starker Sonne lässt sich ein Sonnenschutz anbringen. Das Fahren auf dem Lastenrad ist unglaublich gemütlich. Im Gegensatz zum normalen Fahrrad, muss man nämlich seine Füße beim Stehen nicht abstellen. Da die Kinder vorne platziert werden, hat man sie immer im Blick, was bei Babys sicher auch für die Eltern besser ist (man will ja immer wissen, was der Zwerg macht). Auch streitende Geschwister hat man so besser unter Kontrolle.

Eine Preisfrage

Der größte Vorteil des Lastenrad – nämlich dass man so viel Platz hat – ist auch gleichzeitig der größte Nachteil: man braucht Platz. Platz zum Abstellen. Egal ob daheim oder vor dem Supermarkt: Ein Lastenrad benötigt in etwa soviel Platz wie zwei normal Räder. Wer das Cargobike nicht direkt vor der Haustür abstellen kann, der wird an dem Gewicht scheitern. Im Gegensatz zu einem Standard-Fahrrad trägt man das Lastenrad nicht einfach mal so in den Keller. Je nach Modell wiegt das Cargobike zwischen 35 und 60 Kilo. Auch die Anschaffungskosten sind deutlich höher, denn neu kostet ein Cargobike (ohne Elektroantrieb) rund 2.000 Euro. Als E-Bike liegen die Anschaffungskosten bei rund 3.000 Euro. Gebrauchte Modelle bekommt man zwischen 800 und 1.500 Euro.

Fahrradanhänger als kostengünstige Alternative

Ich bin immer noch schwer verliebt in das elektrische Lastenfahrrad, aber ich habe auch eingesehen, dass die Anschaffungskosten einfach sehr hoch sind. Und wir haben – trotz Haus mit Garten – nicht genügend Platz zum Unterstellen. Daher haben wir uns für einen Fahrradanhänger entschieden. Der ist nicht nur deutlich billiger, man kann ihn auch zusammenklappen und im Auto transportieren. Er bietet Platz für zwei Kinder und hat einen kleinen "Kofferraum"; hier transportiere ich auch kleinere Einkäufe. An sich ist ein Fahrradanhänger eine kostengünstige Alternative, was ich aber nicht so mag, ist die Tatsache, dass ich unseren Sohn nicht sehen kann. Er ist zwar mittlerweile 14 Monate alt und kommt ganz gut ohne mich klar, aber mein Mamaherz möchte ihn immer noch gern im Blick haben.

In zwei Wochen ziehen wir aufs Land und haben künftig längere Strecken mit dem Rad zu bewältigen. Vielleicht werde ich bei meinem Mann das Thema Lastenrad mit Elektroantrieb noch einmal anbringen. Denn wenn es nach mir gegangen wäre, hätten wir ein Cargobike gekauft. Ich finde es einfach super und total praktisch.

Trendobjekt Lastenrad – Wie sinnvoll ist die Anschaffung? pin

Praktisch sind sie ja, diese Cargobikes. Aber ein paar Nachteile gibt es auch, findet unsere Autorin.

MeinSpatz Gezwitscher

Ihr überlegt euch ein Lastenrad zu kaufen? Autobild hat ein paar der gängigsten Modelle unter die Lupe genommen. Hier geht's zum Praxistest.