Vater und Tochter: Erzieht ein Mädchen-Papa anders?

MONTAG, 07.05.2018

Stimmt das Klischee, dass Väter von Mädchen anders erziehen als Jungs-Papas? Unser Autor, Vater einer Tochter, erzählt aus seiner Sicht.

Früher wollte ich immer einen Sohn haben. Früher, also lange bevor das Vatersein überhaupt zur Realität werden sollte. Heute bin ich Papa einer einjährigen Tochter und ich könnte nicht glücklicher sein. Meine Kleine ist mein Ein und Alles, und ich behandle sie wie eine Prinzessin. Ich versuche, sie auf Händen zu tragen, ihr Steine aus dem Weg zu räumen, sie vor Gefahren zu beschützen. Da muss wohl was an der Aussage dran sein, dass Väter ihre Töchter anders erziehen als Buben. Und ich stelle fest, ich bin ein richtiger „Mädchen-Papa“. Ich frage mich manchmal selbst, woher diese Haltung wohl kommt.

Angst und Sorgen beim Mädchen-Papa

Je länger ich darüber nachdenke, desto klarer wird mir, dass Ängste bei der Erziehung meiner Tochter offenbar eine entscheidende Rolle spielen. Vor allem die Angst, sie nicht immer hinreichend beschützen zu können. Unsere heutige Welt ist gefühlt viel unsicherer geworden, man hört und liest dauernd Negatives und das stimmt mich nicht gerade wohl. Und so geht es bestimmt noch vielen anderen Vätern da draußen. Und schon fange ich an, am Thema Sicherheit meiner Tochter zu basteln – lange bevor ihr selbst das Problem überhaupt bewusst wird. Da habe ich schon die erste Karateschule in der Nähe gefunden. Ein bisschen sicherer fühlt sich der beschützende „Mädchen-Papa“ dann schon.

Ein Mädchen-Papa ist eifersüchtig

Der Beschützerinstinkt läuft auf Hochtouren. Und schon taucht das nächste Problem am Horizont auf: das Älterwerden. Irgendwann wird auch meine Tochter sich für das andere Geschlecht interessieren. Und ich hoffe aus tiefstem Herzen, dass das noch ganz lange dauern wird. Denn: Wir Väter kennen das aus einer ganz anderen Perspektive und wir wissen, wie und mit welchen Absichten wir uns vor längerer Zeit Frauen genähert haben. Ist das die Eifersucht, die aus mir spricht oder einfach der Wunsch, meine Tochter vor „bösen“ Jungs zu beschützen? Wahrscheinlich beides.

Ein Mädchen-Papa ist toleranter als es angebracht wäre

Vielleicht sind es sogar ebendiese Ängste und die Eifersucht, die den Papa dann über alle Maße großzügig und tolerant sein lassen – toleranter als es vielleicht gesund und angebracht wäre. Jedenfalls merke ich jetzt schon bei meiner Tochter, dass sie mit bestimmten Wünschen gleich zu mir kommt, wohlwissend, dass sie bei der Mama abblitzen würde. Papa erlaubt es da schon mal, die Teletubbie-Folge zum zweiten Mal an einem Tag anzuschauen, den gleichen Wunsch hätte er einem Sohn wahrscheinlich ausgeschlagen. Oder vielleicht sehe ich es auch bloß nicht als meine väterliche Pflicht, mich noch intensiver um die Erziehung des Kindes zu bemühen, so auf die Art, die Mama ist ja schließlich auch noch da. Ich denke, etwas Selbstkritik ist an der Stelle schon o. K.  

Doch ganz ohne Hintergedanken und Methode handelt der Papa dann auch nicht. Denn mir ist sehr viel daran gelegen, dass mein kleines Mädchen ein gesundes Selbstbewusstsein entwickelt. Und so messen sich Vater und Tochter in Sturheit, wobei sie regelmäßig gewinnt. Seltener bleibt der Papa sturer und das hört sich dann schnell nach einem heftigen Streit an. Aber lange halte ich das sowieso nicht durch …

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Haben Väter von Töchtern mehr Angst um ihren Nachwuchs? Und welche Auswirkungen hat das auf die Erziehung? Ein Mädchen-Papa berichtet.

MeinSpatz Gezwitscher

Väter und Töchter – eine ganz besondere Beziehung: Laut einer Studie der Rutgers University in New Jersey haben Papas einen viel größeren Einfluss auf ihre Töchter als Mamas. Eine gute Vater-Tochter-Beziehung beeinflusst die Fähigkeit, über Gefühle zu reden und mit Stress umzugehen positiv. Sogar in Sachen Liebe haben Frauen mit einem guten Verhältnis zu ihrem Papa bessere Chancen auf eine langfristige Partnerschaft. Da wird Mama ja gleich ein bisschen blass vor Neid... Und sie denkt an ihren Vater und muss doch ein bisschen zustimmen.