Von Kinderkrankheiten und Winterschlaf

FREITAG, 02.02.2018

In unserer neuen Kolumne "Mama übt noch" geht es um die ersten Schritte im Eltern-Universum. Das erste Thema: Der Winter ist die Jahreszeit des Grauens für unsere Kolumnistin Patricia Renoth. Denn entweder ist ihr Kind krank, ihr Mann, sie selbst oder alle zusammen. 

Wir stecken mal wieder mitten in der winterlichen Krankheitssaison. Die Nase meiner Tochter läuft und läuft und läuft. Zwischendrin ist kurz eine Woche Pause, bevor es wieder losgeht. Und dann kommen da immer noch mal als kleine Abwechslung Magen-Darm, Mittelohr- oder Bindehautentzündung dazu. Der Kita sei Dank, arbeitet mein Kind fleißig daran seine Abwehrkräfte aufzubauen. Also, ihr Immunsystem arbeitet daran. Und wie dankbar ich dafür bin! So dankbar, dass ich letztens kurz darüber nachgedacht habe, ob nicht ein kollektiver Familienwinterschlaf eine gute Sache wäre.

Als ich darüber nachdachte, war ich wirklich der Verzweiflung nahe

Die kalte Jahreszeit einfach verpennen. Keine aufgeheizten Räume, in denen Krankheitserreger fette Partys feiern. Kein Vitamin D Mangel durch die exzessive Abwesenheit der Sonne. Kein eigenes Immunsystem, das einem fies in den Rücken fällt und schon wieder eine Erkältung durchlässt. Aber Weihnachten verschlafen, meinen Geburtstag, lustige Rodelpartien… Naja, als ich darüber nachdachte, war ich wirklich der Verzweiflung nahe. Eigentlich läuft es so: Der kleine Spatz holt sich den Infekt in der Kita und gibt ihn fröhlich an die Mama weiter. Ist ja auch klar, denn wer bringt es schon übers Herz, sein Kind nicht zu knuddeln und zu küssen, wenn es krank ist. Ich jedenfalls nicht. Wenn wir beide wieder einigermaßen auf dem Damm sind, liegt Papa darnieder. Und dann alles von vorne. Richtig schön wird es aber erst, wenn es uns alle drei gleichzeitig erwischt. Und so geht es den ganzen deutschen Winter lang – und der ist wirklich verdammt lang. Für alle Eltern mit Kleinkindern sogar gefühlt noch viel länger. Die Verschnaufpausen sind einfach zu kurz, um sich richtig erholen zu können.

Durchfall? Puh, das ist in der anderen Gruppe

Den Blick auf die Krankheitsankündigungen in der Kita versuche ich immer ganz schnell hinter mich zu bringen. Wie Pflaster abreißen. Ein kurzer Ruck – und Zack, ich weiß Bescheid. Über Streptokokken, Dreitagefieber und Hand-Mund-Fuß. Schon wieder Durchfall? Puh, das ist in der anderen Gruppe. Vielleicht werden wir dieses Mal verschont. In der kalten Jahreszeit kommt es so gut wie nie vor, dass der Zettel mal leer ist. Falls doch, herrscht Staunen bei den Eltern. Verwunderte Blicke werden ausgetauscht – man traut dem Frieden nicht so recht. Aber dann auf dem Weg in die Arbeit, durchströmt einen dieses warme Glücksgefühl. Man hat eine kleine Oase erreicht, bevor es wieder raus geht in die kräftezehrende Krankheits-Winter-Wüste.

Aber eine echte Pause, einmal Ausschlafen, das wäre schon schön. Mama darf ja wohl noch träumen! Die Idee: Wir Eltern erholen uns bei einem kinderfreien Wochenende, während der Sprössling gut bei Oma und Opa aufgehoben ist. Leider schlug das Vorhaben gnadenlos fehl. Du weißt was jetzt kommt. Genau. Wir waren krank. Während unsere Tochter den Magen-Darm-Virus innerhalb einer Nacht hinter sich gebracht hat, hatten wir noch weitere 5 Tage etwas davon.

War die Kinderkrippe die richtige Entscheidung?

Bis zu 12 Infekte im Jahr seien normal, sagt der Kinderarzt. Na, wenn es weiter nichts ist, das schaffen wir doch mit links! Kurz melden sich Zweifel, ob die Kinderkrippe die richtige Entscheidung war. Die werden aber gleich wieder von einer Freundin zerstreut. Sie hat gelesen, dass eine Studie genau das Gegenteil behauptet: Das Immunsystem eines Kindes profitiert davon, wenn es möglichst früh mit vielen Erregern trainiert. Und auch die Leiterin der Kita versucht mich zu motivieren: „Sobald sie in der Schule sind, ist der Spuk zum größten Teil vorbei.“ Ein Lacher kommt mir gequält über die Lippen. Das wären dann ja nur noch 4 Jahre. Wie war das noch mal mit dem Winterschlaf?

Von Kinderkrankheiten und Winterschlaf

Den Winter mit einem Kleinkind zu überstehen ist nicht einfach: Ständig ist irgendjemand aus der Familie krank. Unsere Kolumnistin kann ein Lied davon singen.

MeinSpatz Gezwitscher

Licht am Ende des Tunnels: Das kindliche Immunsystem braucht etwa 5 Jahre um sich einzugrooven. Aber schon nach dem dritten Geburtstag geht es aufwärts und die Krankheitstage werden weniger.

Mehr zum Thema

Kolumne - Mama übt noch: Der Fleck muss weg

Mama übt noch: Der Fleck muss weg

Unserer Kolumnistin Patricia Renoth reicht´s: Was tun, wenn Flecken einfach nicht verschwinden wollen? Und warum produziert mein Kind mehr Wäsche als eine ganze Fußballmannschaft?