Warum Einkaufen mit Kind der blanke Horror ist

Gehen die Vorräte zur Neige, ist es wieder so weit. Meine Jungs und ich marschieren in den Supermarkt. Oder wie ich ihn nenne: meinen persönlichen Horrorladen.

Dazu muss ich vielleicht erstmal erklären, dass wir in einem beschaulichen Ort mit klassischer Dorf-Struktur wohnen. Herrlich für Kinder und erholsam für uns. Allerdings auch alles andere als anonym. Der örtliche Bäcker weiß wer wir sind und auch im Supermarkt kennt man uns. Das liegt vor allem an meinen Kindern. Nicht, weil die beiden besonders goldig wären, sondern weil sie bereits mehrere Male ihre Ankunft im Laden lautstark kundgetan haben.

Erster Akt: Streit um den Auto-Wagen

Meist beginnt der Streit schon am Eingang: Sicher kennt jeder die niedlichen Einkaufs-Autos, die kleinen Kindern ein Strahlen ins Gesicht zaubern. Zugegeben, sie sind etwas sperrig in der Lenkung, aber Kindersitz, Lenkrad, die Optik eines Flitzers – klar macht Einkaufen damit Spaß. Wenn man nur EIN Kind dabeihat. Bei zwei Jungs sieht das anders aus. Bereits während der Fahrt zum Supermarkt wird ausgekaspert, wer zuerst unten sitzen und damit Fahrer sein darf. Jegliche Klärung inklusive lustiger Abzählreime ist beim Anblick der Shopping-Karre allerdings vergessen. ICH, nein ICH, nein ICH … Tränen, Stampfen, die ersten Schreie und mein erster Schweißausbruch. Und das alles noch direkt vor der Schiebetür, die währenddessen unermüdlich auf und zu geht - „Sie stehen in der Lichtschranke!“ - zum Glück ist es auch der Verkäuferin nicht entgangen. Na toll.

Zweiter Akt: Der Lauf durch die Gänge

Irgendwann haben wir das Problem geklärt: „Du sitzt vorne bis zur Fleischtheke, danach wechselt ihr. Und wenn das nicht klappt, setze ich euch sofort ins Auto und ihr wartet da!“ Nicht gerade pädagogisch wertvoll. Anschließend schnappt sich der „Läufer“ einen Kinder-Einkaufswagen. Natürlich nickt er absolut vertrauenserweckend, als ich ihn eindringlich bitte, damit nur ganz langsam zu gehen. Nur um nach zehn Metern plötzlich mit quietschenden Rädern loszuflitzen. Dabei verläuft der Run natürlich nicht einfach geradeaus. Erstmal stößt er gegen das Regal mit den teuren Weinflaschen. Mein zweiter Schweißausbruch, aber alles gut gegangen. Danach wird der Pappaufsteller mit den Superhelden-Keksen gestreift. Immerhin ist er von den Bildern so beeindruckt, dass er kurz innehält und ich ihn einholen kann. Klar will dann Nummer zwei auch aus dem Wagen steigen: „Da ist Suuuuupermaaaan Mama, schauuuuuu!“ Die Lautstärke entspricht dabei nicht der Tatsache, dass ich direkt hinter ihm stehe. Noch lächelt die ältere Dame vorne beim Kühlregal sanft zu uns herüber. Das ändert sich aber schlagartig, als Nummer eins ihr vor lauter Überschwang mit dem Kinder-Einkaufswagen in die grau bestrumpften Hacken fährt. Auch das „Entschuldigung“, das ihr der Kleine schuldbewusst entgegen flüstert, besänftigt sie nicht.

Dritter Akt: Das Wurst-Fiasko

Die Fleischtheke ist im Moment das Highlight für meine Jungs. So viele leckere Sachen und es gibt immer eine Scheibe Wurst auf die Hand. Das Problem ist: Es gibt die Wurst erst nachdem meine Bestellung abgeschlossen ist. Das veranlasst die beiden dazu, unermüdlich zu rufen: „Mamaaa, wann kriegen wir eine Wuuuuhuuurst?“ Ist es dann endlich soweit, verhalten sich die zwei aber wirklich vorbildlich: Sie strahlen die Verkäuferin an, rufen ihr ein überschwängliches „Hallooo!“ entgegen und bedanken sich herzlich wenn sie den leckeren Snack in der Hand halten. Freundlich und höflich sind die beiden, da macht ihnen keiner was vor! Allerdings stehen sie mit ihren Nasen, Mündern und patschigen Händchen so nah am immer glänzend geputzten Glas, dass ich sie permanent ermahnen muss! „Jungs, nicht die Scheibe abschlecken! Weg mit den Händen. Nur schauen, nicht anfassen ...“. Vor lauter Ermahnung, vergesse ich, was ich eigentlich kaufen wollte. Die ältere Dame steht mittlerweile auch an. „Bei uns damals hat es das nicht gegeben...“, höre ich sie grummeln.

Vierter Akt: Die Kasse

Die Wurst ist verspeist, Plätze im Karren sind getauscht, wir haben alles was wir brauchen, also geht es ab zur Kasse: Die Schlange ist meistens nicht lang, das Regal mit den Süßigkeiten dafür aber schon! Nicht zu vergessen die leuchtend bunten Zeitschriften, die mit ihren Lieblingshelden Benjamin Blümchen, Bob der Baumeister und Feuerwehrmann Sam auf dem Cover und jeder Menge billigem Plastik-Spielzeug locken. Natürlich in Griffhöhe der Kinder. Und ja, natürlich verstehe ich, dass die Laune der beiden sinkt, wenn sie nichts davon haben dürfen. Das ist allerdings gar nicht das Problem, denn da schlagen sie sich wirklich tapfer. „Okay, Mami ...“ Die Köpfchen hängen zwar, aber Geschrei gibt es keins. Schweißausbruch Nummer drei kommt an der Kasse, wenn die Kassiererin des Grauens wieder Schicht hat.

Wie gesagt: Unser Ort ist recht klein und wir sind bereits bekannt. Die Lautstärke und das Verhalten meiner Kinder sind meist weniger angepasst und während der Dauer unseres Einkaufes wissen die Miteinkäufer und Beschäftigten, dass wir da sind. Dementsprechend unfreundlich werden wir bereits an der Kasse erwartet. Offensichtlich hatte diese Dame nie Kinder. Oder ihre Kinder sind Muster-Exemplare. Oder sie mag einfach meine Kinder nicht. Es ist nicht unbedingt so, dass sie etwas Böses sagt. Eher straft sie uns mit Schweigen, Augenrollen und Mundwinkeln, die bis zum Kinn herabgezogen werden. Das „Die mit ihren schrecklichen Kindern schon wieder“-Gesicht eben. Natürlich bekommen die Jungs von ihr auch keine Gummibärchen, von den Kolleginnen schon. Und natürlich führt das eher zu Unmut, den sie auch äußern. Der Teufelskreis beginnt.

Schlussszene: Der rettende Engel

Vor einigen Wochen stand eine Dame hinter mir in der Schlange. Mittleres Alter, freundliche Ausstrahlung und meine Heldin! Nicht nur, dass sie wirklich von Herzen freundlich lächelte, sie rettete mir den Tag. Als ich schweißgebadet, gestresst, müde und genervt dieser einen besonderen Kassiererin gegenüberstand, die Jungs beide wütend, ihrem tadelnden Blick ausgesetzt, sagte meine Heldin: „Machen Sie sich keine Gedanken. Meine Kinder waren genauso und sie sind heute ganz ruhig beim Einkaufen. Ihr Verhalten ist ganz normal. Kinder sind einfach unterschiedlich. Lassen sie sich nicht ärgern. Das geht alles vorbei.“ Und zu meinen Kindern sagte sie: „Ich habe gehört, wie freundlich ihr beim Metzger drüben wart. So höflich, da können andere sich eine Scheibe abschneiden.“ Sie sagte das so laut, dass die Kassiererin es gehört haben muss. Mehr brauchte es nicht. Ich werde dieser Frau ewig dankbar sein. Das Einkaufen mit meinen Jungs ist immer noch anstrengend. Aber die Kassiererin des Grauens ringt sich nun manchmal ein Lächeln ab. Zerknirscht, aber immerhin! Auch ein kleiner Sieg zählt.

Warum Einkaufen mit Kind der blanke Horror ist

Das Einkaufen mit einem Kleinkind hat so seine Tücken. Welche genau, erklärt uns unsere Autorin in ihrem humorvollen Erfahrungsbericht.

MeinSpatz Gezwitscher

Auch eine andere Mama aus der Redaktion kennt das Supermarkt-Problem. Allerdings etwas anders. Ihre Tochter ist ein kleiner Gourmet. Sie isst gerne und viel. "Schon seit sie im Einkaufswagen sitzen kann, kommen wir nicht durch den Supermarkt, ohne dass sie etwas essen darf." Es ist aber auch gemein, was hier alles für Leckereien rumstehen. Ist doch klar, dass einem da das Wasser im Munde zusammenläuft. Am besten funktioniert es, wenn unsere Kollegin vorher beim Bäcker eine Brezel mitnimmt. Mit dem Gebäck in der Hand, kann die Kleine problemlos dem anderen Überangebot von Nahrung trotzen. Aber nicht alle Supermärkte haben einen Bäcker. "Zur Not habe ich ihr auch schon ungewaschene Trauben aus der Obst-und Gemüseabteilung gegeben. Das ist natürlich nicht das Beste. Aber einen Einkauf ohne Verpflegung, kann man mit ihr wirklich vergessen."