Warum ich mit meinen Kindern Halloween feiere

MONTAG, 29.10.2018

Es ist dunkel und kalt, in den Straßen unseres kleinen Örtchens geht der Punk ab. Verkleidete Halloween-Knirpse klingeln an Türen und rufen: "Süßes sonst gibt’s Saures!"

Ja, ich kenne all die Argumente: Halloween ist nur Kommerz. Das Fest kommt doch aus den USA und hat gar nichts mit unserer Kultur zu tun. Wobei das nicht so ganz stimmt, denn die Wurzeln der Gruselfeier liegen tatsächlich in Europa, besser gesagt: bei den Kelten. Sie feierten bereits vor 2.000 Jahren "Samhain", das Ende des Sommers. Nach heidnischem Glauben war zu dieser Zeit eine Art Kontakt zwischen der Geisterwelt und den Sterblichen möglich. Erst viel später "christianisierte" Papst Gregor IV den Brauch. In England und Irland überlebte die Tradition allerdings und gelangte erst von dort aus schließlich nach Amerika. Und zum Thema Kommerz möchte ich sagen: Wenn wir mal ganz ehrlich sind, ist das doch mittlerweile bei jedem Fest so. Nehmen wir mal Nikolaus: Früher bekamen die Kinder Nüsse, Äpfel und Orangen geschenkt. Heute übertreffen sich nicht nur die Schoko-Nikoläuse in ihrer Größe, sondern auch die Geschenke – und das kurz vor Weihnachten. Und was mittlerweile an Ostern in den Nestern liegt, hat auch nichts mehr mit reinem Brauchtum zu tun. Also ja, die Geschäfte wollen Geld machen. Aber das ist auch nicht neu. Als Mama und Papa können wir zum Glück selbst entscheiden, inwieweit wir darauf einsteigen oder unseren Kindern einfach nur die Tradition und das Fest an sich näherbringen. 

Draußen sein, wenn es stockdunkel ist

Davon mal abgesehen – wer sagt denn, dass eine Sache schlecht ist, nur weil sie neu ist? Jede Tradition hat irgendwo, irgendwann ihren Ursprung. Ich muss zugeben, dass auch ich skeptisch war, was Halloween in unserem kleinen Vorort angeht. Es war mir sogar ein wenig peinlich, als eine Freundin mich fragte: "Wollen wir an Halloween gemeinsam mit den Kids um die Häuser ziehen?" Ich dachte, die Nachbarn würden uns schräg ansehen. Aber die Jungs freuten sich, also los! Sie entschieden sich für Superhelden-Kostüme: Superman und Iron Man. Mein Mann schminkte sich blutige Schrammen ins Gesicht, ich ging als Katze. Wir ließen die Kids beim Schminken zusehen, so verstanden sie, dass es nur Kunstblut und Schminke auf Papas Gesicht war. Das fanden sie sogar ziemlich cool. Gegen fünf Uhr abends trafen wir uns bei Freunden im Garten. Die Erwachsenen versammelten sich abseits um eine große Feuerschale, sieben Kinder im Alter von eins bis fünf sprangen verkleidet im Garten herum. Es gab ein großes Buffet, leckere Getränke, und als es stockdunkel war brachen wir auf.

Lichter, Kerzen und leuchtende Kinderaugen

Wir rüsteten die Kleinen mit Taschen- und Stirnlampen aus. Allein die Tatsache, dass sie im Dunkeln, verkleidet, mit Licht und ihren Freunden auf der Straße sein durften war ein Highlight für die Zwerge. Mein Kleiner war fast drei und blieb immer an meiner Hand. Er hatte bereits ein paar verkleidete Geister gesehen und fühlte sich bei mir sicherer. Das tat seiner Freude aber keinen Abbruch: Er lachte und hüpfte fröhlich an meiner Seite wie ein Gummiball auf und ab. Bereits die erste Tür, an der wir klingelten, öffnete sich: dahinter ein junges Paar mit einer riesigen Schüssel voller Süßigkeiten. Selten habe ich die Augen meiner Kinder so strahlen sehen. Wir bogen um die Ecke und waren auf einmal im Halloween-Wunderland: Eine Straße in unserem Ort war über und über mit Kerzen, Halloween-Deko und Kürbissen geschmückt, hinter jeder Tür brannte Licht – das Zeichen für die Straßengeister: Hier dürft ihr klingeln. Es waren viele Eltern mit ihren Kindern unterwegs, die Kids trafen ihre Kita-Freunde und flitzten im Dunkeln von Tür zu Tür. Die Ausbeute wurde stolz gezeigt, verglichen und dann in den Sack gesteckt, denn naschen durften sie erst zu Hause. Auch mein Kleiner taute nach ein paar Minuten auf und lief mit seinen Freunden von Haus zu Haus. Es war so herrlich mit anzusehen: die Begeisterung, die großen Augen! Aber auch die freundlichen Gesichter hinter den Türen, die sich über das kunterbunte Treiben und die glücklichen Kinder freuten.

Tage, die einfach besonders sind

Nach etwa 45 Minuten machten wir Schluss und versammelten uns alle wieder im Garten meiner Freundin. Jetzt durfte die Kinderschar über Bonbons und Schokoladentaler herfallen, und genau das taten sie auch. Sie schmatzten zufrieden und strahlend vor sich hin. Danach spielten sie noch lange gemeinsam im dunklen Garten, wir Eltern tranken Glühwein an der Feuerschale und alle waren entspannt und glücklich. Wenn ich mich an meine eigene Kindheit zurückerinnere, dann waren es genau diese Abende, die ich besonders liebte. Mit Freunden zusammen sein, feiern, das Leben genießen, die strengen Regeln mal gelockert und meine Eltern tiefenentspannt mit einem Gläschen Wein in der Hand ins Gespräch vertieft. Die Feste, die den Alltag zu etwas Besonderem gemacht haben und das Familienleben mit Freunden, Geschwistern, Eltern und gutem Essen hochleben ließen. Genau diese Erinnerungen möchte ich meinen Kindern auch schenken. Tradition ist, was DU daraus machst!

Übrigens: In diesem Jahr haben wir beschlossen, dass die Papis mit den Kindern auf Klingelrunde gehen. Und die Mamis? Die bewachen das Feuer und genießen die Ruhe bei einem Glühwein - oder zwei, oder drei ...

Warum ich mit meinen Kindern Halloween feiere pin

Unsere Autorin erklärt, warum sie trotz vieler Unkenrufe mit ihren Kinder hier in Deutschland Halloween feiert.

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