Weihnachten mit Kindern: Das Geschenke-Problem

FREITAG, 08.11.2019 Tina

Weihnachtszeit ist Geschenkezeit! Für Kinder gibt es hier keine Grenzen, für Eltern schon. Wie organisiere ich die Geschenkeflut am besten? Und wie mache ich der Familie klar, dass Geschenk nicht gleich Liebe ist?

Weihnachten ist toll! Ich war schon immer ein Fan von heimeligem Plätzchenduft, verschneiten Winterlandschaften mit leuchtenden Tannenbäumen und dieser ganz besonderen Vorweihnachtsstimmung, die selbst den größten Miesepeter zwischendurch selig vor sich hin lächeln lässt. Leider geht im Laufe der Zeit viel von dem Zauber verloren. Als Erwachsener kann man sich nicht einfach nur am geschmückten Heim erfreuen, man muss leider auch was dafür tun. Von alleine wandern vier Kisten Weihnachtsdeko nicht aus dem Keller nach oben. Die zu einer betonierten Kugel verwurschtelten Lichterketten entwirren sich nicht durch verzweifeltes Anstarren. Und für die Champagner-Pralinen, die Tante Gerda so gerne mag und amazon nicht verkauft, muss man sich an einem Adventssamstag in der Stadt durch eine schlechte gelaunte Horde Kaufwütiger kämpfen, die denkt, ein Weihnachtsmützchen ist eine angemessene Kopfbedeckung für einen Erwachsenen.

Aber wenn man Kinder hat, kehrt ein Teil der ursprünglichen Weihnachtfreude wieder zurück. Wie sie mit leuchtenden Augen über den Adventsmarkt laufen, glücklich ein Lebkuchenengelchen verzehren und leise fragen "Mama, ist das da drüben der echte Weihnachtsmann?" - da ist es plötzlich wieder da, das Weihnachtswunder. Dann knackt man gemeinsam Nüsse, erzählt eingekuschelt bei einer Tasse Kakao die Geschichte vom Christkind und wundert sich, warum manche Menschen griesgrämig von einer Kommerzialisierung des Weihnachtsfests sprechen. Bis es Zeit ist, sich um die Geschenke zu kümmern.

Wie viele Geschenke? Wie teuer? Wer schenkt was?

Bunte Lichter, Tannenbäume und Plätzchen sind ja ganz schön, aber für Kinder stehen nun mal die Geschenke im Vordergrund. Und für viele Erwachsene auch. Die vorweihnachtliche Geschenkeverteilung an Verwandte und Freunde ist deswegen alljährlich ein stressiger Kraftakt. Wie viel Geld darf man ausgeben? Wie viele Geschenke sollen es sein? Mit einem Kind ist zwar die Stimmung zurück, aber jetzt muss man sich nicht nur um die Geschenke für die Verwandtschaft kümmern, sondern auch dafür sorgen, dass der Nachwuchs das Richtige in angemessener Zahl bekommt. Denn meistens sprechen wir von einem totalen Overkill an Aufmerksamkeiten, der Heiligabend wenig besinnlich ausklingen lässt.

Als meine Tochter Matilda mit sechs Monaten ihr erstes Weihnachtsfest feierte, hatte ich das Problem noch nicht. Ich habe ein paar Wünsche geäußert, von Bauchtrage über Winter-Schlafsack und den Rest der Familie überlassen. Wir haben das Gewünschte bekommen und Matilda war zudem für den Rest des Winters mit Strumpfhosen, Bodies und Windeln eingedeckt. Aber zu der Zeit hat das Kind auch noch 30 Minuten begeistert mit einer Mandarine gespielt.

Im darauffolgenden Jahr bin ich naiv davon ausgegangen, dass sich neben dem größeren gewünschten Sammelgeschenk die Kleinigkeiten von selbst regeln werden. Aber sobald das Kind sagen kann, was es möchte, bewusst mit Spielzeug hantiert und auch nur das geringste Interesse in eine Richtung signalisiert, ist der Startschuss für die Geschenke-Orgie gefallen. Es hagelte Stofftiere ("zum Kuscheln in der Krippe"), Bälle ("zur Förderung der Motorik"), Spongebob-CDs ("die Kleine findet den Unterwasser-Käse doch so niedlich") und jede Menge Kleinteile. Die natürlich alle einzeln verpackt waren, was einem in Greta-Zeiten zumindest ein Bauchgrummeln verursachen sollte. Am Ende hat Matilda nur noch wie am Fließband Geschenkpapier abgerissen und das Verpackte gar nicht mehr richtig zur Kenntnis genommen. Hallo Kommerz-Weihnachten!

Geschenke organisieren oder die Familie einfach machen lassen?

Dem wollte ich letztes Jahr, Matilda nun 2,5 Jahre alt, einen Riegel vorschieben. Akribisch habe ich bereits Wochen vorher Amazon Geschenke Listen erstellt und jedem ein Spielzeug zugeteilt mit der deutlichen Warnung, auch wirklich NUR DAS zu kaufen. Was ich gelernt habe? Wage es nicht, der Familie etwas vorzuschreiben! Um kleinere Aufstände a la "Wieso darf Omas Geschenk 20 Euro mehr kosten als meins?" zu schlichten und beängstigende Drohungen wie "Wenn ich das jetzt kaufe, kannst du es ja nicht einfach wegwerfen" abzuschwächen, habe ich zusätzlich jedem ein variables Geschenk innerhalb einer bestimmten Preisspanne erlaubt. Ergebnis? Erneutes Amoklaufen der Familie und eine exakte Wiederholung des vorjährigen Weihnachtens.

Deswegen spare ich mir dieses Jahr die Organisation wieder. Ich werfe ein paar Vorschläge in den Raum und lasse ansonsten die Familie von der Leine. Und dann mache ich an Heiligabend das, was ich jedes Jahr mache: Hinsetzen, Wein trinken, die Schere aus Matildas Reichweite entfernen und einen Teil der Geschenke in einem unbeachteten Moment im Schrank verstauen, um sie in den nächsten Wochen in taktisch klugen Momenten einzeln an das Kind zu verteilen. Beste Mutter der Welt, Weihnachten gewonnen!

Weihnachten mit Kindern: Das Geschenke-Problem pin

Spätestens Anfang Dezember startet der jährliche Weihnachtswahnsinn. Mit Kindern kehrt zwar das Weihnachtswunder zurück ins Haus, dafür muss man sich mit der Geschenke-Frage plagen: Wie viele? Wie teuer? Wer schenkt was?

Gezwitscher

Laut einer Umfrage von mytoys.de 2017 geben Eltern für Weihnachtsgeschenke durchschnittlich 137 Euro pro Kind aus, davon mehr als die Hälfte für Spielzeug. Je älter das Kind wird, desto reicher wird es beschenkt. Die Kleinsten von 0-2 Jahren bekommen durchschnittlich Geschenke im Wert von 89 Euro. Bei den 3-5-Jährigen sind es schon 112 Euro. Und jetzt das wirklich Erschreckende: Für Jungs wird deutlich mehr investiert als für Mädchen. So, ich zieh dann mal los und kaufe Matilda das teuerste Geschenk, das ich finden kann!

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.