Mein Spatz Lese-Gezwitscher: Weihnachtsbücher für Kinder

FREITAG, 06.12.2019 Tina

Wenn es draußen kalt wird und die Christbaumbeleuchtung den Raum erhellt, gibt es nichts Schöneres, als sich gemeinsam einzukuscheln und ein Weihnachtsbuch zu lesen. Neben den Klassikern probieren wir dieses Jahr etwas neues aus: "Das magische Weihnachtskarussell".  

Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten! Zumindest wenn man in den Bücherschrank meiner dreijährigen Tochter schaut. Da gibt es ein paar Titel, die haben klar Weihnachten als Thema und sind eigentlich nur für eine bestimmte Jahreszeit gedacht. Aber wehe, ich möchte die Bücher, wie die Winterkleidung, über den Sommer im Keller lagern, dann schlägt mir ungebremste Kleinkind-Wut entgegen. Und als erfahrene Mutter weiß ich: Gefährliche Situationen, die leicht in einem Trotzanfall münden können, vermeiden wo es geht! Sonst sitze ich eine Stunde vor der wütend zugeschlagenen Zimmertür und versuche anhand der angsteinflößenden Geräusche herauszuhören, welches Spielzeug noch heil ist, wenn sich der Sturm gelegt hat.

Deshalb bleiben die Weihnachtsbücher das ganze Jahr im Schrank. Es ist ja nicht so dramatisch, wenn ich bei 30 Grad Außentemperatur Geschichten vom verschneiten Nordpol und Tannenbaum-Kauf vorlesen muss. Gibt schlimmeres. Ehrlich gesagt macht es mir sogar Freude. Die Weihnachtszeit besteht für mich aus ein paar magischen Wochen im Dezember, die leider immer zu schnell vorbeigehen. Warum das Weihnachtsgefühl nicht verlängern? Und ein großer Vorteil von Kindern ist, dass man seltsame Dinge machen darf, ohne schräg angesehen zu werden.

Von Leo Lausemaus bis zum Mondbär – Weihnachten feiern alle

Jedes Jahr zur Weihnachtszeit ist meine Kinder Netflix Liste voll mit Weihnachtsspecials bekannter Serien und Filmcharaktere. Von "Shrek" über "Die Supermonster" bis zum Disneyklassiker, alle zeigen ihre Version der Weihnachtsgeschichte. Daher ist es nicht verwunderlich, dass wir auch Weihnachtsvarianten diverser Kinderbuchhelden haben. Die "Minutengeschichten zur Weihnachtszeit" mit Leo Lausemaus werden auch im Hochsommer gerne rausgekramt. Dann verbringen meine Tochter Matilda und ich gemeinsam mit Leo die Vorweihnachtszeit, backen Plätzchen, kaufen Geschenke und feiern am Ende gemeinsam mit der Familie Heiligabend. Eis essend am Badesee. Und der kleine Mondbär verliert in "Weihnachtsgeschichten für die Kleinsten" den Käfer bei einer rasanten Schlittenfahrt. Gott sei Dank bringt der Nikolas seinen besten Freund rechtzeitig zum Fest zurück. Matilda liebt Geschichten vom Weihnachtsmann, allerdings mussten es bisher kurze Erzählungen mit vielen Bildern sein. Jetzt, mit fast dreieinhalb Jahren, wollte ich es mal mit einer längeren Geschichte versuchen. Vielleicht sorgt das Thema Weihnachten für mehr Durchhaltevermögen?

Das magische Weihnachtskarussell

Unser brandneues Weihnachtsbuch kommt schon mal aufregend daher: "Das magische Weihnachtskarussell" vom Coppenrath Verlag hat ein wunderschönes Cover mit einem bunten Karussell, verziert mit der Geheimwaffe für kindliche Aufmerksamkeit - Glitzer. Es ist zwar mit ca. DINA4 Größe etwas einschüchternder als unsere anderen Weihnachtsbücher, dafür aber nicht sehr dick. Außerdem stehen die Bilder klar im Vordergrund und die Textlänge ist machbar für eine Dreijährige. Aufgeregt kuschelt sich Matilda in meinen Schoß und wir öffnen unseren neuen Weihnachtsschatz. Ab Seite eins ist Matilda fasziniert "Mama, das glitzert ja". Stimmt, nicht nur das Cover ist mit Glitzer verschönert, auch Innen finden sich auf jeder Seite glitzernde Elemente. Die sich wunderbar mit kleinen Fingern nachzeichnen lassen. Die Geschichte, in der es um zwei Kinder geht, die durch ein magisches Karussell vom Weihnachtsmarkt zum Nordpol transportiert werden, wo sie gemeinsam mit einem Engel die Geschenkewerkstatt des Weihnachtsmanns und seinen Wichteln besuchen dürfen, ist schön erzählt, mit einfachen Formulierungen und kurzen Sätzen. Aber das Schönste sind die Bilder. Knallige Farben, sympathisch gezeichnete Charaktere und witzige Details. Und der Glitzer sorgt für den Wow-Effekt. Als der Engel das erste Mal auftaucht, sind seine Flügel nur mit Glitzerstaub angedeutet. Auf meine Frage, wer das ist, sagt Matilda: "Ein Junge". Als sie dann auf meinen Hinweis "Schau doch mal genauer hin, was hat er da auf dem Rücken?" die schimmernden Flügel entdeckt, leuchten ihre Augen und sie flüstert ehrfürchtig "ein Engel". Und da ist es wieder, das Weihnachtswunder, das erst mit Kindern in die eigene Wohnung zurückkehrt.

Die wahren Helden der Geschichte sind die kleinen Wichtel. Sie wuseln auf den Seiten umher, bauen Geschenke und sehen dabei herzallerliebst aus. Matilda ist sofort verliebt und freut sich über die detailreichen Darstellungen. Als die Wichtel Plätzchen backen, schwindet allerdings die Aufmerksamkeit. "Mama, ich will auch ein Plätzchen". Gestern gemeinsam gebacken, stehen die Keksdosen verlockend im Nebenzimmer. Von da an rückt die Erzählung leider in den Hintergrund, Plätzchen sind jetzt der Held in Matildas Geschichte.

Nur eine Sache kann sie noch mal entzücken: Der Weihnachtsmann taucht auf. Und er ist tätowiert! "Wie Papa" jauchzt das Kind. Und auch ich bin erstaunt: So einen hemdsärmeligen Weihnachtsmann mit bemalten Oberarmen habe ich in einem Kinderbuch noch nie gesehen. Gemeinsam freuen wir uns über diese moderne Darstellung einer Kultfigur. "Mama, jetzt ein Plätzchen! Sofort!". Ja ja, seufze ich und klappe das Buch zu. Ich bin mir sicher, diese Geschichte werde ich noch häufiger lesen. Wahrscheinlich im Bikini am Meer.

Die im Artikel erwähnten Bücher sind:

"Das magische Weihnachtskarussell", Coppenrath Verlag

"Leo Lausemaus. Minutengeschichten zur Weihnachtszeit", Helmut Lingen Verlag

"Weihnachtsgeschichten für die Kleinsten", Coppenrath Verlag

Von Klassikern (Der kleine Mondbär) bis Neuvorstellungen (Das magische Weihnachtskarussell) - unser Bücherschrank ist voll mit Weihnachtsbüchern für Kinder. Und die werden nicht nur in der Adventszeit gelesen ...

Gezwitscher

Für etwas Verwirrung in "Das magische Weihnachtskarussell" sorgt die Bezeichnung "Hirsch" für die Tiere, die den Schlitten ziehen. Matilda besteht darauf, dass es Rentiere sind. Google spuckt ein paar interessante Facts aus: Das Rentier ist eine von Menschen domestizierte Hirschart. Es ist deswegen nicht scheu und kann Temperaturen von Minus 50 Grad aushalten. Es ist die einzige Hirschart, bei der auch die Weibchen Geweih tragen. Beide Geschlechter werfen es einmal im Jahr ab, wobei die Männchen das schon im Herbst tun, die Weibchen erst im Frühling. Das bedeutet, dass Rudolph und co, die nie ohne Geweih dargestellt werden, wohl eher eine Herde starker Frauen sind.

Tina

Tina lebt mit Mann und Tochter in München, backt den besten Marmorkuchen der Welt und wollte lange keine Kinder. Dann kam Matilda. Jetzt findet sie Kinder ganz in Ordnung, zumindest ihr eigenes. Ach ja, und sie plädiert für mehr Humor und Selbstironie in der Erziehung.