Wichtig oder nichtig? Freundschaften im Kleinkindalter

MONTAG, 25.03.2019 Julia M.

Freunde gehören zu einem erfüllten Kinderleben, erweitern den Horizont, geben Geborgenheit und Rückhalt. Doch warum sind Freundschaften für die kindliche Entwicklung schon im Kleinkindalter so wichtig?

Kinder brauchen Kinder

Kinder nehmen bereits als Baby gerne Kontakte zu Gleichaltrigen oder andren Kindern auf. Man kann beobachten, dass Babys auf das Gesicht eines Kindes über der Wiege mit freudiger Überraschung, mit Juchzen und Lachen, mit Strampeln und Bewegungen der Händchen reagieren. Das zweite Lebensjahr ist eine Periode, in der sich im Verhalten gegenüber Gleichaltrigen rasante Entwicklungen vollziehen. Erwachsene, und dabei vor allem vertraute Bezugspersonen, wie du als Mama, sind nach wie vor die wichtigsten Interaktionspartner. Aber wenn sie Gelegenheit dazu haben, nehmen Kleinkinder zunehmend öfter Kontakt mit anderen Kindern auf, wie im Familienhandbuch des Staatsinstitut für Frühpädagogik zu lesen ist.

Emotional wichtige Beziehung

Studien zeigen jedoch, dass sich die ersten wirklichen Kinderfreundschaften angeblich erst ab dem dritten Lebensjahr, also meist mit dem Eintritt in den Kindergarten bilden. Diese sind meist sehr kurzlebig, da, so die Meinung von Pädagogen, sich dein Kind in jeder Beziehung einfach das nimmt, was es gerade braucht. Diese Freundschaften umfassen deshalb meist nur eine Spielsequenz oder einen Vormittag. Aus einer länger andauernden Spielfreundschaft kann sich jedoch für viele Kinder eine emotional wichtige Beziehung entwickeln. Das "Urvertrauen", das Kinder im Elternhaus durch dich erfahren, können sie nun auch bei Gleichaltrigen nachvollziehen. Das ergab ein Jahresbericht von "globegarden", einem Schweizer Träger für Kindertagesstätten. Kleinkinder fühlen sich zusammen mit dem Freund oder der Freundin stärker, durchsetzungsfähiger, kompetenter und ernst genommener. Es macht Spaß, etwas gemeinsam zu tun, gemeinsame Erfahrungen festigen die Freundschaft, weil es etwas gibt, über das sich auch die Kleinen schon austauschen können.

Wie wählt dein Kind seine Freunde?

Für uns Erwachsene ist nicht immer nachvollziehbar, warum manche Kinder auf Anhieb gute Freunde sind und andere sich einfach nicht leiden können. Dein Kind entscheidet instinktiv, wen es mag und wen nicht. Da kann es auch passieren, dass der Junge, den du gar nicht leiden kannst, zum besten Freund deines Kindes wird. "Ebenfalls eine große Bedeutung spielen die räumliche Nähe und Zugänglichkeit der Kinder", wie auf Kindergartenpädagogik.de zu lesen ist. Auch das Alter der Kinder und das Geschlecht spielen bei der Wahl des Freundes häufig eine große Rolle. Versuche aber nie, deinem Kind einen selbst erwählten Freund auszureden - zumindest noch nicht im Kindergartenalter. Es hat seine Gründe: Vielleicht profitiert dein Kind auch von den Stärken und Fähigkeiten des anderen, wie bei einer Mama aus er Redaktion: "Der beste Freund meines Sohnes ist komplett anders: Er ist nie laut, eher zurückhaltend, wirkt manchmal fast zerbrechlich. Mein Kleiner ist wild, immer laut und ein kleiner Haudrauf. Dafür aber sehr mutig. Doch die beiden kleinen Jungs suchen und finden einander immer wieder. Warum, erklärte mir die Erzieherin: 'Sie ergänzen sich.' Der eine bringt die Ruhe in die Freundschaft, der andere Selbstvertrauen und Mut. Sie gleichen sich aus und jedes Kind profitiert von den Stärken des anderen." 

Buch-Tipp der Redaktion:

Eine wunderschöne kleine Geschichte darüber, warum ein Igel und ein Hase beschließen Freunde fürs Leben zu werden, schreibt der Autor Michael Engler in seinem Buch "Wir zwei gehören zusammen". Spielerisch transportiert es die Gefühle in Wort und Bild und gibt deinem Kind tragende Bilder von Freundschaft mit: "Ihre Freundschaft war warm wie Kakao, süß wie Honig und groß wie der blaue Himmel über ihnen." Vielen Dank an den Autor Michael Engler für diesen wunderbaren Satz. Wegen diesem und noch vielen anderen, lieben wir das Buch. Die Geschichte dreht sich um den Hasen und den Igel. Beide freunden sich an. Doch eines Tages verschwindet der Igel spurlos. Denn es ist Winter. Und Igel müssen Winterschlaf halten. Das weiß allerdings der Hase nicht. Aber er weiß sicher, dass die beiden zusammengehören. Die zauberhaften Illustrationen nehmen einen mit in die Welt der beiden Wald- und Wiesenbewohner. Dein Kind wird sich mit den Hauptfiguren freuen, mit dem Hasen mitleiden und am Ende mit einem ganz warmen Herzen dasitzen. So warm wie Kakao. (Preis: 8,90 €, Altersempfehlung: ab 4 Jahren, Verlag: Baumhaus)

So unterstützt du dein Kind bei seinen ersten Freundschaften

  • Du bist Vorbild für dein Kind: Wie verhältst du dich gegenüber deinen Freunden? Habt ihr ein offenes Haus und sind Freunde bei euch willkommen? Wie wichtig sind dir echte Freundschaften? Dein Kind spürt instinktiv, ob Freundschaften zu deinem Leben gehören oder sie dir eher lästig sind.
  • Dränge dein Kind nicht zur Kontaktaufnahme. Manche Kinder wollen erstmal beobachten und sich langsam annähern. Gib ihm die Zeit.
  • Bleib entspannt: Sätze wie "Der … ist nie wieder mein Freund" wirst du von deinem Kleinkind oft zu hören bekommen. Es ist auch normal, dass Freunde sich mal streiten, sich schubsen, sich Dinge wegnehmen, gemein zueinander sind und sich "nie wieder mögen". Nimm dein Kind in den Arm, höre ihm zu und nimm es ernst. Rede mit ihm über die Situation und behalte immer im Hinterkopf: Das, was dein Kind gerade erlebt, ist für dich als Mami vielleicht schwer zu verkraften, aber es ist ein unglaublicher wichtiger Schritt in seiner Entwicklung. So wird soziale Interaktion gelernt. Doch genauso extrem schnell wie Kinder streiten, verzeihen sie auch und sind im Nu wieder allerbeste Freunde.
Wichtig oder nicht? Freundschaften im Kleinkindalter pin

Richtige Freundschaften sollen sich angeblich erst im Alter von 3 Jahren entwickeln. Stimmt das wirklich?

MeinSpatz Gezwitscher

Eine andere Arbeitskollegin von uns, hat diese Erfahrung mit Freundschaften im Kleinkindalter gemacht:

"Meine Tochter geht jetzt schon das zweite Jahr in den Kindergarten. In ihrer Gruppe ist ein Mädchen, mit dem sie auch in der Kita schon in der selben Gruppe war. Meine Tochter hat viele neue Freundschaften geschlossen, aber das Mädchen ist so was wie ein sicherer Hafen für sie. Jeden Morgen schaut sie zuerst, ob das Kind da ist. Das ist wichtig für sie, egal, ob sie dann an diesem Tag zusammen spielen oder nicht. Zwei weitere Freundinnen aus Kita-Zeiten sind nicht mit ihr im selben Kindergarten. Wir sehen sie wirklich kaum noch. Und trotzdem sind sie für meine Tochter immer noch präsent. Sie spricht manchmal über die Mädels, möchte ihnen Bilder schicken und sie zu ihrem Geburtstag einladen. Ich glaube deshalb, das es nicht ganz richtig ist, dass Kinder erst ab 3 Jahren Freundschaften eingehen. Meine Erfahrung zeigt, dass das auch schon früher passiert."

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.