Wir fragen Pädagogen: Wie klappt die Kitaeingewöhnung?

MITTWOCH, 29.08.2018

Die wichtigsten Fragen rund um Kinderkrippe und Eingewöhnung, von Experten beantwortet.

Wenn dein kleiner Spatz zum ersten Mal in die Krippe geht, ist das auf beiden Seiten ein emotionaler Moment. Für Mamis und Papis ist es nicht immer leicht ihre Kleinen ziehen zu lassen. Zum Glück gibt es eine längere Eingewöhnungszeit – und die ist nicht nur für die Zwerge wichtig. Wir haben uns mit dem Krippenteam des "Kinderland Arche Noah Anzing" zum Gespräch getroffen und ein paar Fragen gestellt, die alle Eltern während der Kitaeingewöhnung und auch schon bei der Auswahl der Kinderkrippe beschäftigen.

Worauf sollte ich bei der Auswahl unserer Kita achten.

Bei der Auswahl der Kita ist es hilfreich, schon im Vorfeld auf der Homepage der Kita zu schnuppern und sich so mit den Angeboten der Kinderkrippe vertraut zu machen. Ein wichtiger Punkt sind die pädagogischen Schwerpunkte an denen sich die Einrichtung orientiert. Welche Werte möchtest du deinem Kind mit auf den Weg geben und deckt sich das mit dem Leitbild der Einrichtung? Neben den pädagogischen Inhalten ist es ratsam, sich die Öffnungs- und Schließzeiten der Kita anzusehen. Die Kita soll dabei unterstützen Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Hier kann es also hilfreich sein, sich im Vorfeld über die benötigten Betreuungszeiten Gedanken zu machen. Im Zweifelsfall geben Kindertagesstätten immer gerne Auskunft und unterstützen dich. Auch bei einem Tag der offenen Tür kann man wichtige Eindrücke gewinnen.

Ab wann dürfen Kinder in die Kita und welche Voraussetzungen sollten erfüllt sein?

Dafür gibt es keine allgemeinen Bestimmungen. Eltern haben das Recht auf Betreuung ihres Kindes ab dem ersten Lebensjahr. Viele Krippen nehmen die Kleinen allerdings auch schon früher auf. Wichtig ist, dass die Eltern ein gutes Gefühl dabei haben, Ihr Kind bei dem "Abenteuer Kita" zu begleiten.

Kann ich mir eine Kita mit meinem Kind ansehen und ein paar Stunden schnuppern?

Ja, das bieten inzwischen die meisten Kindertagesstätten an. Es besteht für die Eltern die Möglichkeit, sich die Kita beim jährlichen Tag der offenen Tür in Ruhe anzusehen und erste Fragen beantwortet zu bekommen. Der Tag der offenen Tür ist eine gute Möglichkeit, sich ein Bild von den Räumlichkeiten zu machen, zu sehen, wie das eigene Kind die unbekannte Umgebung entdeckt und vielleicht sogar mit anderen Eltern ins Gespräch zu kommen. Zusätzlich finden in immer mehr Kitas auch Schnupper- und Kennenlern-Nachmittage für neue und interessierte Familien statt. Auch Rom wurde nicht an einem Tag erbaut! Also nimm dir die Zeit, die du brauchst, um dich für die richtige Kita zu entscheiden.

Gibt es Monate die sich besser oder schlechter zur Eingewöhnung eignen? Etwa wegen anschließender Schließzeiten?

Im Kinderland zum Beispiel finden Eingewöhnungen häufig am Ende der Elternzeit statt oder mit Beginn des neuen Kindergartenjahres im September. Generell lässt sich sagen, dass eine Eingewöhnung idealerweise nicht von einer längeren Schließzeit unterbrochen werden sollte.

Wer kann das Kind eingewöhnen und darf es nur eine Person sein?

Wir raten unseren neuen Familien tatsächlich, dass die Eingewöhnung von einer Bezugsperson begleitet wird. Die konstante Person gibt dem Kind Sicherheit und schafft Vertrauen in der unbekannten und neuen Situation. Da eine Eingewöhnung ganz individuell verläuft und mitunter mehrere Wochen dauern kann, ist die Organisation häufig eine Herausforderung für die Familie. Das Kind wird es den Eltern dennoch danken und die Eingewöhnung so leichter meistern können.

Wie kann ich meinem Kind bei der Eingewöhnung helfen?

Häufig ist die Kita der erste Ort an dem Eltern und Kind über eine längere Zeit voneinander getrennt sind. Bei deinem Kind löst diese Situation wahrscheinlich Unsicherheit aus, welche durch dich und das pädagogische Personal in der Einrichtung aufgefangen werden kann. Dein Kind spürt, wenn Du der Betreuung in der Kita positiv entgegensiehst. So gibst du deinem Nachwuchs automatisch das Gefühl: "Es ist okay, wenn du hier bleibst und ich komme wieder und hole dich ab!" Um die Eltern bei der Eingewöhnung bestmöglichst zu unterstützen, hat das Kinderland zum Beispiel eine Eingewöhnungsbroschüre für die Eltern entwickelt. Diese erklärt die wichtige Rolle der Eltern während der Eingewöhnung und hilft Unsicherheiten zu überwinden. Wichtig ist, dass eine Eingewöhnung für dein Kind auch gleichzeitig eine Eingewöhnung für dich ist – scheu dich daher nicht deine Fragen, Bedenken und Wünsche anzusprechen!

Ich habe nur zwei Wochen Zeit – ist mein Kind bis dahin eingewöhnt?

Die Eingewöhnung deines Kindes lässt sich gut mit dem Beginn eines neuen Jobs vergleichen. In zwei Wochen lernt dein Kind sicher schon viel kennen, aber um sich in der neuen Lebenswelt zurechtzufinden und sich wohl zu fühlen, braucht es in der Regel etwas länger. Wir empfehlen unseren Eltern sich für die Eingewöhnung vier bis sechs Wochen einzuplanen. Auf diese Weise gewinnen wir gemeinsam wertvolle Zeit, um eine behutsame Eingewöhnung ganz nach dem Tempo des Kindes zu gestalten.

Was brauche ich alles zum Kita-Start?

Das kommt ganz auf die Einrichtung an, für die du dich entschieden hast. Für die ersten Tage nimmst du am besten alles mit, was du auch sonst bei einem Ausflug dabei hast (Windeln, etwas Wechselwäsche, die Trinkflasche, eine kleine Brotzeit und vielleicht ein Schmusetuch oder den Schnuller). Normalerweise bekommst du von jeder Einrichtung vor oder zu Beginn deines Kita-Starts eine "Mitbringliste" mit all den Sachen, die in der Kita benötigt werden.

Ich habe Angst, dass mein Kind ohne mich nicht zurechtkommt. Woran erkenne ich, dass es meinem Kind ohne mich gut geht?

Jeder neue Anfang bringt Unsicherheit mit sich, das ist ganz normal und darf auch sein! Vertraue auf die Pädagogen und nutze den Moment beim Bringen und Abholen für ein kurzes Tür- und Angelgespräch. Du wirst sehen, das pädagogische Personal beantwortet Dir sicher gerne wie der Tag deines Kindes war. Niemand kennt dein Kind besser als du, also achte darauf wie es sich beim Bringen und Abholen verhält und habe Vertrauen in seine Fähigkeiten. Meistens zeigt dein Kind dir schon beim Abholen wie es sich fühlt und was es erlebt und gelernt hat.

Stimmt es, dass Krippenkinder öfter krank werden? Ab wann müssen sie zu Hause bleiben. 

Es gibt das Phänomen, dass gerade zu Beginn der Krippenzeit die Kleinen oft krank werden. Dies liegt daran, dass die häufig anstrengende Anfangszeit und die neuen Begegnungen das Immunsystem ganz schön fordern. Es gibt bestimmte Krankheitsbilder, wie Fieber oder Magen-Darm-Beschwerden, bei denen dein Kind mindestens 24 Stunden symptomfrei sein muss, um eine Ansteckung der anderen Kinder in der Kita zu vermeiden. Wir kennen das von uns selbst: Wenn wir einmal krank sind, dann werden wir auch am Besten zu Hause wieder gesund. Häufig können Eltern und Pädagogen sich sehr gut auf ihr Gefühl verlassen und so immer im Interesse des Kindes handeln.

Wie wird mit Nahrungsmittelunverträglichkeiten umgegangen?

Das ist keine Frage, auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten wird selbstverständlich große Rücksicht genommen. Zum Beispiel werden bei uns im Kinderland Unverträglichkeiten oder der Verzicht auf bestimmte Nahrungsmittel, wie etwa Schweinefleisch, immer der Küche gemeldet, damit auf diese darauf eingehen kann.

Wie viele Mitsprachemöglichkeiten habe ich als Mama im Kita-Alltag? 

In regelmäßigen Entwicklungsgesprächen tauschen sich Eltern und das pädagogische Personal über die Entwicklung, Bedürfnisse und Fortschritte des Kindes aus. Natürlich gibt es immer die Möglichkeit, Anregungen und eigene Beiträge in den Kita-Alltag einzubringen. So gab es zum Beispiel schon in einigen Kinderland Einrichtungen Angebote wie: "Papa/Mama, zeig uns heute deinen Beruf!".

Was kann der Papa während der Zeit der Eingewöhnung tun?

Jedes Familienmitglied ob Papa, Mama, Oma, Opa und noch mehr ist in der Kita gern gesehen! Häufig werden die Eingewöhnungen von den Mamas übernommen, aber noch längst nicht immer. Es ist schön, wenn die Familie alle Angelegenheiten, welche die Kita betreffen, gemeinsam bespricht und entscheidet. So verpasst kein Eltern- oder Großelternteil etwas von der neuen Lebenswelt des Kindes!

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Die Krippe geht los. Das erste Mal weg von Mama. Das ist eine gewaltige Umstellung für dich und dein Kind. Wir verraten, was auf euch zukommt.

MeinSpatz Gezwitscher

Verpflichtende Impfberatung - schon mal gehört?: Seit 2015 müssen alle Eltern, deren Kinder nicht gegen die gängigen Kinderkrankheiten geimpft sind, zuvor mit einem Arzt ein Impfberatungsgespräch führen. Der Nachweis muss dann in der Kita vorgelegt werden. Eine Weigerung kann gemeldet und mit hohen Geldbußen geahndet werden. Wir haben in dem Artikel "Alle Impfungen für dein Baby im Überblick" die Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) zusammengestellt.