Baby Planner und Schwangerschafts-Concierge? Was ist das?

DONNERSTAG, 15.11.2018 Patricia Renoth

Julia Gärtner erklärt uns, warum ein Baby Planner nicht nur etwas für Großverdiener ist und gerade Papas davon profitieren.

Was in Amerika und Frankreich schon seit Jahren etabliert ist, kommt gerade erst in Deutschland so richtig an: Der Job des Baby Planner und Schwangerschafts-Concierge. Deshalb können hierzulande auch noch nicht wirklich viele etwas mit diesen Bezeichnungen anfangen. Und hier kommt Julia Gärtner ins Spiel. Seit Februar 2018 bietet sie unter dem Namen „Allaboutyourbaby“ Beratung und Unterstützung im Bereich Schwangerschaft und Baby an. Die 31-jährige Münchnerin ist seit 4 Jahren mit Leib und Seele Mama eines Sohnes. Aber auch schon vorher war Julia immer ein Familienmensch – durch und durch. Die Entscheidung diesen Job zu machen war also quasi vorprogrammiert.  „Ich liebe mein Kind über alles. Ich bin alleinerziehende Mutter. Ein eigenes Kind verändert total. Und es hat mich erst darauf gebracht, diesen Beruf zu machen. Ich liebe Kinder schon immer und dieses ganze Familiending ist total meins.“

Und weil wir bei MeinSpatz dieses ganze Familiending auch unheimlich toll finden, passt dieses Interview doch wunderbar.

Also liebe Julia, klär uns doch mal auf: Was macht ein Baby Planner und Schwangerschafts-Concierge?

Ich unterstütze Schwangere und ihre Familien bei allen To-dos, die in der Schwangerschaft und der ersten Zeit mit dem Baby anstehen. Das betrifft z. B. die Erstausstattung oder auch Behördengänge und Anträge. Es gibt so viele Angebote für Eltern und da möchte ich gerne den Weg weisen, was brauchen Babys wirklich und was passt vor allem zur Familie. Einfach um das Angebot ein bisschen zu verringern. Dass sie mit dem Ganzen nicht so überrollt werden. Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen Behördengänge und Anträge. Vor allem in den Großstädten bekommt man hier nicht sehr viel Unterstützung. Alles ist kompliziert und undurchsichtig. Und dafür bin ich eben auch da. Ich helfe dabei die Anträge auszufüllen und so viel finanzielle Unterstützung wie möglich für die Familie herauszuholen.“

Julia mit ihrem Sohn Mika.

Reicht nicht auch ein Buch oder das Internet, um sich zu informieren?

„Genau das ist das Problem. Man wird überhäuft mit Informationen. Man weiß gar nicht mehr was richtig und was falsch ist. Das kann ich natürlich auch nicht pauschal sagen. Das ist immer individuell. Man muss auf die Familie eingehen und sehen was zu ihr passt. Bücher zu lesen ist zusätzlich natürlich trotzdem sinnvoll. Ich habe auch Büchertipps für meine Kunden. Alles selbst zu recherchieren, das kenne ich aus meiner eigenen Schwangerschaft, ist einfach sehr mühsam.“

Ist ein Baby Planner nur etwas für Großverdiener oder was kostet mich deine Hilfe?

„Du kannst dich zuerst entscheiden: Möchtest du eine individuelle Betreuung oder lieber einen Workshop buchen. Den Workshop kannst du alleine oder zusammen mit deinem Partner besuchen. Er kostet etwa 30 Euro pro Paar und dauert ca. 2 Stunden.

Eine komplette Beratung zum Thema Elterngeld kostet etwa 100-120 Euro. In diesem Fall erkläre ich wie die ganzen Elterngeldmodelle funktionieren. In Gespräch wird dann auf die persönliche Situation der Kunden eingegangen, ob die Eltern selbständig oder angestellt sind usw. Und dann füllen wir den Antrag gemeinsam aus.

Bei der individuellen Schwangerschaftsberatung gibt es ein kleines Paket, bei dem 2 Themen behandelt werden. Das kostet 100 €. Ein Rundum-Sorglos-Paket während der Schwangerschaft gibt es schon für 195 €. Das sind dann 3 Themen, die alle auch noch mal nachbereitet werden. Und es sind 1-2 persönliche Treffen inkludiert.

Das sind jetzt ein paar Beispiel von Privatleistungen, die die Kunden selbst bezahlen müssen. Die Krankenkasse bezuschusst hier nichts.“

Wie läuft eine Beratung ab?

„Das kommt ganz auf die Kunden an. Manche möchten nur telefonisch oder per E-Mail Kontakt haben. Ich fahre aber auch zu den Leuten nach Hause oder treffe mich in einem Café mit ihnen.“

Wie bist du denn zu diesem besonderen Job gekommen?

„Durch meine eigene Schwangerschaft. Ich hatte wirklich gar keinen Plan. Man bekommt so viele Tipps und Ratschläge von seinem Umfeld, dass man irgendwann selber gar nicht mehr weiß, was man annehmen soll und was nicht. Ich habe dann am Ende auf gar keinen mehr gehört. Hatte auch leider keine Hebamme. Ich habe keine gefunden. Ich habe meinen Elterngeldantrag selbst ausgefüllt und dadurch ist mir wirklich viel flöten gegangen. Da gibt es nämlich ein paar Kniffe und Tricks, von denen ich leider erst später erfahren habe. Aus der amerikanischen Serie „Pregnant in Heels“ kannte ich den Beruf des Baby Planners schon. Und dann habe ich einfach mal gegoogelt und bin auf die Baby Planner Academy in Berlin gestoßen. Und dort habe ich dann die 5-monatige Ausbildung gemacht.“

Was macht dir besonders Spaß an dem Job?

„Das ganze Thema ist ein Herzensthema für mich. Ich liebe Kinder, Schwangerschaft, das Muttersein. Das liegt mir am Herzen. Und auch den Frauen wieder ihr Selbstbewusstsein zurückzugeben. Ihnen zu zeigen: Du musst nicht auf alles hören was man dir sagt und du musst auch nicht alles kaufen, was du in der Werbung siehst oder was dir geraten wird. Ich möchte vermitteln, wie wichtig es ist, wieder mehr auf seine Instinkte zu hören und zu vertrauen. Ich möchte Schwangere und Mamas einfach gerne unterstützen.“

Gibt es eine Frage die dir alle Mamas stellen?

„Was so ein Baby Planner eigentlich macht. Scherz beiseite. Es geht viel um das Thema Geburt. Ob Kaiserschnitt oder Spontangeburt, zum Beispiel. Und dann natürlich das Thema Stillen, das ist sehr präsent.“

Welche Rolle spielen die Papas bei deiner Beratung?

„Ich versuche sie stark miteinzubeziehen. Gerade auch weil da bei mir einiges schiefgelaufen ist. Ich sehe, dass die Papas oft eifersüchtig sind, wenn die Babys auf die Welt kommen. Häufig wird auch nur nach der Mama und dem Baby gefragt. Ich versuche dem entgegenzuwirken und die Väter mit ins Boot zu holen und auf sie einzugehen. Die Gesellschaft verlangt z. B., dass Papas bei der Geburt dabei sind. Und ich finde, das muss jedes Paar für sich selbst entscheiden, ohne dass irgendjemand von außen etwas erwartet. Ich versuche die Väter zu integrieren und suche ihnen auch passende Kurse raus, nur für Papa und Baby zum Beispiel. Das kann sehr positiv für die Bindung sein. Es geht also immer auch darum, dass Väter und auch Geschwisterkinder mit an Bord sind.“

Was ist dein ultimativer Tipp für alle Schwangeren und frischgebackenen Mamas?

„Hör auf deine innere Stimme. Das sage ich jeder Mama. Hör auf deine innere Stimme, deine Instinkte und vertraue dir selbst mehr.“

In Zukunft steigst du ja noch weiter in den Mama-Kosmos ein…

„Ja, ich mache gerade eine Fortbildung zur Mütterpflegerin und Familienlotsin. Der Job des Baby-Planners ist eher organisatorisch. Ich möchte gerne zusätzlich frischgebackene Mamas persönlicher und auch tatkräftiger unterstützen. Als Mütterpflegerin werde ich die Kundinnen in der Schwangerschaft und im Wochenbett betreuen. Also das ist nicht mit einer Hebamme zu vergleichen. Aber ich unterstütze emotional und auch im Haushalt. Wenn eine Frau z. B. Zwischenblutungen hat, oder körperliche Einschränkungen. Auch Babymassage und Trageberatung sind ein Teil dieser Arbeit. Teilweise übernehmen sogar Krankenkassen die Leistungen, die ich dann anbieten werde, z. B. wenn der Papa und die Familie eben nicht so gut helfen können.

Im Mai 2019 bin ich mit der Weiterbildung fertig. Aktuell mache ich schon Praktika und ich liebe es sehr. Gerade der persönlichere Kontakt mit den Frauen macht mir Spaß und ich freue mich schon, wenn ich dann diese beiden Berufsschwerpunkte zusammenführen kann.“

Vielen Dank für das Interview.

Baby Planner und Schwangerschafts-Concierge? Was ist das? pin

In diesem Interview klären wir nicht nur, was ein Baby Planner und Schwangerschafts-Concierge macht, sonder auch was eine Mütterpflegerin und eine Familienlotsin ist.

MeinSpatz Gezwitscher

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Patricia Renoth

Sie wünscht sich mehr Toleranz unter Mamas (und natürlich Weltfrieden). Genießt das Leben mit Ehemann, Räubertochter und Kater. Ist keine Latte-Macchiato-Mum sondern von der Chai-Latte-Fraktion. Und mischt als Redaktionsleiterin von Anfang an bei MeinSpatz mit.