Hilfe, meine Hormone spielen verrückt

MITTWOCH, 04.04.2018

Schwanger sein ist super. Wenn da nicht diese unsäglichen Hormone wären, die mir das Leben manchmal ganz schön schwer machen …

Dieser Moment als ich den positiven Schwangerschaftstest in den Händen hielt, der war einfach unglaublich. Unglaublich deshalb, weil ich zum einen Luftsprünge hätte vollführen können. Immerhin hatten wir so lange auf diesen Moment hingearbeitet und endlich hat es geklappt. Und unglaublich deshalb, weil sich mein Leben auf einen Schlag komplett verändert hat. Von einer Minute auf die andere bin ich nicht mehr nur ein Mensch, der für sein eigenes Leben verantwortlich ist. Sondern ich trage jetzt die Verantwortung für zwei Menschen. Puh. Ganz schön heftig …

Himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt

Heftig ist auch, dass ich bei den unmöglichsten Gelegenheiten anfange zu weinen. Zum Beispiel bei „Spider-Man“. Tobey Maguire und Kirsten Dunst stehen sich gegenüber. Ich schätze in Echtzeit etwa eine Minute. Und ich fang an, Rotz und Wasser zu heulen. Minutenlang. Echt jetzt? Bis vor drei Monaten hätte ich diese Szene wahrscheinlich gar nicht wahrgenommen. Oder mich über diese Kitscheinlage schlappgelacht. Zusammen mit meinem Mann. Jetzt sitze ich da und flenne und er weiß nicht warum oder wie er mir helfen kann. Ich finde es megaromantisch und unfassbar rührselig und er wundert sich. Und das soll jetzt täglich so weitergehen? Nachrichten schaue ich mir ohnehin nicht mehr an. Das Leid in der Welt ist zu groß, als dass ich das – zusätzlich zu der Sorge um meinen kleinen Spatz – noch ertragen könnte.

Dazu noch diese permanente Sorge, ob ich dem kleinen Wesen, das da unter meinem Herzen heranwächst, überhaupt gerecht werde. Was, wenn ich als Mama komplett versage? Und das schon in der Schwangerschaft, weil ich mich vielleicht nicht vollkommen an alle „Essensvorschriften“ halte? Oder weil ich Auto fahre. Oder die Straße überquere. Birgt das Leben an sich nicht zu viele Risiken für mein Kind?

Und auf der anderen Seite dann dieses unbeschreibliche Glücksgefühl, das mich immer wieder überkommt. Weil ich ein neues Leben in mir trage, für das ich der wichtigste Mensch überhaupt bin.

Herrliche Schwangerschaft

Ja, es ist wunderbar, schwanger zu sein. Weil ich mich der Spezies „Mama“ zugehörig fühle und endlich mitreden kann, wenn andere (werdende) Mamis von ihren kleinen Wundern erzählen. Weil ich mir die Zukunft in den schönsten Farben ausmale. Denn unser Spatz wird selbstverständlich das tollste, hübscheste und süßeste Baby der Welt sein. Wir werden glücklich werden. Alle zusammen. Uns wird nichts und niemand auseinanderbringen können. Und diese Liebe, die ich in mir trage! Eine ganz andere Art von Liebe als die, die ich meinem Partner gegenüber empfinde.

Und das alles fühle ich – natürlich – wieder unter Tränen. Meine Emotionen sind so extrem, negative wie positive. Und ich bin so dankbar und froh, dass ich all das empfinden darf. Denn es ist ein Wunder, schwanger zu sein. Wie unglaublich wird es dann erst, wenn der kleine Spatz geboren ist?

Hilfe, meine Hormone spielen verrückt

Unsere Autorin ist schwanger und befindet sich im Strudel der Hormone. 

MeinSpatz Gezwitscher

Bist du auch so nah am Wasser gebaut, seit du schwanger bist? Hormonell gesehen ist das durchaus sinnvoll. So machst du deinen Gefühlen nämlich Luft. Substanzen, die sich bei Stress oder starken Emotionen in unserem Körper ansammeln, werden über die Tränendrüsen ausgeschieden. Gleichzeitig hat das Weinen aber auch einen starken Effekt auf dein Gegenüber. Wer Tränen vergießt zeigt sich verletzlich und hilfsbedürftig. Das stärkt zwischenmenschliche Beziehungen und bewirkt, dass du Zuwendung und Trost bekommst. 

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