Himbeerblättertee für Schwangere: 5 Fragen an eine Hebamme

DONNERSTAG, 08.08.2019 Lotte L.

Himbeerblättertee ist ein altbewährtes Hausmittel zur Geburtsvorbereitung. Hier erklärt eine Hebamme, warum sie Frauen den Tee empfiehlt und was er in der Schwangerschaft bewirken kann.

Anne Schmidt arbeitet seit 2008 als Hebamme. Sie hat selbst vier Kinder und ist zurzeit in Elternzeit. Unsere Autorin hat sie zum Thema Himbeerblättertee in der Schwangerschaft befragt.

1.       Was denkst du als Hebamme über Himbeerblättertee? Empfiehlst du ihn schwangeren Frauen?

Anne: Auf jeden Fall! (Sie lacht). Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir Hebammen Himbeerblättertee empfehlen. Natürlich ist es letztlich die Entscheidung einer jeden Frau, ob sie ihn dann wirklich trinkt. Ich rate aber schwangeren Frauen zu dem Tee, da seine Wirkung genau dem entspricht, was wir in der Geburtsvorbereitung erreichen möchten: das kleine Becken wird erweicht und aufgelockert und die Muskulatur dehnfähiger. Mehr Platz und Raum ist genau das, was wir unter der Geburt brauchen, da das Kind ja durch den Geburtskanal passen soll. Diese Auflockerung kann der Himbeerblättertee schön unterstützen. Daneben haben die Blätter des Himbeerstrauchs auch eine entschlackende und entgiftende Wirkung auf den Darm. Der Tee regt die Darmperistaltik an, so dass vermehrt schädliche Stoffe ausgeschieden werden. Ein gesunder Darm wirkt sich wiederum positiv auf die Gesamtgesundheit des Körpers aus. Und das ist es ja genau, was wir Hebammen erreichen wollen: dass Schwangere fit und gesund sind und genug Kraft haben, die Geburt gut durchzustehen. Wenn der Körper hingegen geschwächt ist oder bestimmte Missverhältnisse bestehen, kann das auch wiederum die Geburt behindern.

Vielen Hebammen haben auch einfach sehr gute Erfahrungen mit Himbeerblättertee gemacht. Ganz zu Beginn hat die bekannte Hebamme Ingeborg Stadelmann in ihrem Buch „Die Hebammensprechstunde“ über die Wirkung von Himbeerblättertee informiert. Dadurch ist das Getränk deutlich bekannter geworden, auch unter den Hebammen selber.

2.       Wird Himbeerblättertee also vor allem in Geburtsvorbereitung angewendet?

Anne: Ja, wir empfehlen den Tee generell jeder Schwangeren, wenn der Geburtstermin langsam näher rückt. Der Himbeerblättertee ist dabei nur eine von vielen geburtsvorbereitenden Maßnahmen. Nach einer Geburt lässt sich rückblickend meistens eher schwer sagen, was genau geholfen hat. Ob nun der Himbeerblättertee zu der guten Wehentätigkeit geführt hat oder vielleicht etwas anderes. Ich denke, das Zusammenspiel vieler Methoden führt zu einem positiven Effekt unter der Geburt.

3.       Gibt es neben der Geburtsvorbereitung noch andere Bereiche, in denen du den Einsatz von Himbeerblättertee in der Schwangerschaft für sinnvoll hältst? 

Manche Hebammen setzen Himbeerblättertee auch direkt unter der Geburt ein. Denn man hat festgestellt, dass der Tee eine beruhigende Wirkung hat und dazu beiträgt, dass der Uterus regelmäßiger kontrahiert. Manche Frauen haben besonders am Anfang sehr ungestüme Wehen, die aber nicht unbedingt effektiv sind. Das kann sehr anstrengend und kräftezehrend sein. Auch hier kann der Himbeerblättertee unterstützend wirken. Gerade wenn die Geburt vorangeschritten ist, mag aber nicht jede Frau den Geschmack und vielen ist in dieser Situation ohnehin etwas übel. Aber gerade in der Eröffnungsphase der Wehen, wenn sich der Muttermund also vielleicht erst 1 bis 2 cm geöffnet hat, kann der Tee meistens gut eingesetzt werden, vielleicht noch zusammen mit einem warmen Bad.

Man kann Himbeerblättertee auch dann anwenden, wenn eine Schwangere schon über den Geburtstermin hinaus ist, aber es noch nicht so richtig losgehen will. Meistens fehlt nur noch der letzte Tick. Da kann man einer Frau zu einer zusätzlichen Tasse Himbeerblättertee raten. Wir Hebammen kombinieren Himbeerblättertee gern noch mit anderen natürlichen wehenanregenden Maßnahmen, so zum Beispiel mit Zimt oder Leinsamen.

4.       Hast du in deinen eigenen Schwangerschaften auch Himbeerblättertee getrunken?

Ja, ganz fleißig. Ich selber war immer gesegnet mit sehr guten Geburten. Das kann ich aber nicht allein auf den Himbeerblättertee zurückführen, auch wenn er bestimmt seinen Teil dazu beigetragen hat.

Ich fand es ehrlich gesagt auch nicht immer ganz einfach, meine 2 bis 3 Tassen Tee pro Tag zu trinken. Wegen des Geschmacks, aber auch wegen des Umstands, den Tee aufbrühen zu müssen. Was ich aber wiederum sehr mochte am Teetrinken war das Gefühl, jetzt etwas nur für mich, mein Baby und die Geburt zu tun. Ich erinnere mich noch genau an den Geruch aus Kräutern und Natur. Und das Bewusstsein, dass ich mich jetzt auf die Geburt konzentriere, dass das jetzt meine Minute ist, die ich mir gönne. Das war fast wie ein Ritual. Sich mental auf die Geburt einzustellen, kann auch unterstützend und vorbereitend wirken. Zusammen mit dem Gefühl, dass man selber etwas zur Vorbereitung auf die Geburt beitragen kann, und dass man selber etwas in der Hand hat. Das hilft vielen Frauen, mit dem Ungewissen umzugehen, was da auf einen zukommt.

5.       Was sollte man bei der Anwendung des Tees beachten?

Viele natürliche Methoden zur Vorbereitung der Geburt brauchen Zeit. Ich kann sie nicht einfach nur ein paar Tage anwenden und dann eine umfassende Wirkung erwarten. Das gilt auch für den Himbeerblättertee. Daher macht es Sinn, in einem Zeitraum von etwa 6 Wochen vor der Geburt mit der Einnahme zu beginnen. So kann man dem Körper Zeit geben, auf die Wirkstoffe zu reagieren.

Wir Hebammen weisen immer darauf hin, dass der Tee aber erst frühestens ab der 34. Woche getrunken werden darf. Denn durch das Getränk beginnt der Darm zu arbeiten. Die Gebärmutterwand liegt in der Schwangerschaft ganz eng am Darm an und wenn die Darmperistaltik zunimmt, regt das natürlich auch oft die Uterusmuskulatur an. Und wenn eine Frau ohnehin schon eine Neigung zu vorzeitiger Wehentätigkeit hat, kann das durchaus auch wehenanregend wirken. Und deswegen muss man sehr vorsichtig sein, dass man den Tee nicht zu früh trinkt. Schwangere, die auf Nummer sicher gehen wollen, trinken den Tee erst ab der 37. Woche. Am besten hält man Rücksprache mit der betreuenden Hebamme oder dem zuständigen Frauenarzt.

Man kann sich den Tee auch versüßen, zum Beispiel mit Honig oder Ahornsirup. Trotzdem sagen manche Frauen, dass sie ihn einfach nicht herunterbekommen. Dann ist das halt so. Man darf auch nicht denken, dass die Geburt schlimm wird, wenn man den Tee nicht trinkt. Es gibt bestimmt Frauen, die alles Mögliche gemacht haben und trotzdem ist die Geburt nicht so gelaufen, wie sie es sich gewünscht haben. Oder solche, die nichts zu sich genommen haben und dennoch gute Geburtserfahrungen gemacht haben. Wie gesagt spielen bei einer Geburt einfach immer sehr viele Faktoren zusammen. Wir tendieren aber heutzutage dazu, uns in der Geburtsvorbereitung von alldem wegzubewegen, was früher ganz natürlich und normal war. Ich denke, auch daher es ist gut daran zu erinnern und daran festzuhalten, was altbewährt ist.

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Himbeerblättertee wird von vielen Hebammen zu einer sanften Vorbereitung der Geburt empfohlen.

MeinSpatz Getzwitscher

Du möchtest noch mehr zu diesem Thema erfahren? In diesem Artikel findest du alles über die Wirkweise, Anwendung und Zubereitung von Himbeerblättertee in der Schwangerschaft.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.