Himbeerblättertee: Kann er in der Schwangerschaft helfen?

MITTWOCH, 08.05.2019 Lotte L.

Himbeerblättertee wird eine umfassende Heilkraft in der Schwangerschaft nachgesagt. Aber was ist dran an seinem guten Ruf? Hier erfährst du mehr über Wirkung und Anwendung.

Viele Hebammen raten Schwangeren gerade gegen Ende der Schwangerschaft zu Himbeerblättertee, da er auf sanfte Weise die Wehen anstoßen und den gesamten Geburtsvorgang erleichtern soll. Wie bei vielen Naturheilverfahren gehen dabei die Meinungen zu dem traditionellen Heilmittel auseinander: für die einen ist er ein Wundermittel, für die anderen nichts als ein obskurer Kräutertrunk.

Doch etwas Wichtiges vorweg: Bitte trinke Himbeerblütentee in deiner Schwangerschaft auf keinen Fall in Eigenregie, sondern halte unbedingt zuerst Rücksprache mit deiner Hebamme und/oder deinem Arzt. Sie können für deinen individuellen Fall prüfen, ob der Tee für dich in Frage kommt, und welche Dosierung zu welchem Zeitpunkt die richtige ist.

Himbeerblättertee - was ist das eigentlich?

Himbeerblättertee, auch als Schwangerschaftstee bekannt, ist ein altbewährtes Naturheilmittel, das seit langer Zeit in der traditionellen Geburtshilfe und Frauenheilkunde eingesetzt wird. Der Kräutertee wird aus den getrockneten, ganzen oder zerkleinerten Blättern des Himbeerstrauchs aufgegossen. Himbeerblätter sind voller Gerbstoffe (chemische Stoffe mit zusammenziehender, entgiftender Wirkung), Flavonoide (Pflanzenfarbstoffe), Vitamin C und Mineralien, z.B. Eisen, Kalzium und Magnesium.

Viele Frauen beschreiben seinen Geschmack als süßlich-herb, strohig, bitter und insgesamt als eher gewöhnungsbedürftig. Du kannst Himbeerblättertee relativ preiswert (zwischen zwei und vier Euro pro 100 Gramm) in Apotheken, Drogerien, Bioläden oder im Internet kaufen. Es gibt ihn als lose Blätter, in Teebeuteln oder in Kapselform.

Wie wirkt Himbeerblättertee in der Schwangerschaft?

Macht man sich auf die Suche nach Informationen zur Wirkung von Himbeerblättertee auf die Schwangerschaft und Geburt, findet man eine ganze Reihe positiver Zuschreibungen. So wird zum Beispiel angenommen, dass der Tee auf sanfte Art und Weise Wehentätigkeit auslösen und unterstützen kann. Dabei wird ihm v.a. auch eine beruhigende, entkrampfende und durchblutungsfördernde Wirkung nachgesagt, durch die die Uterus- und Beckenmuskulatur und der Muttermund lockerer und weicher werden. Auch die Darmmuskulatur wird angeregt. Dies alles kann wiederum die Wehenphasen verkürzen, was eine schnellere, angenehmere und entspanntere Geburt ermöglicht.

Viele Hebammen gehen davon aus, dass der krampflösende Effekt schmerzlindernd auf die Wehen und somit positiv auf das gesamte Geburtserlebnis wirkt. Auch zur Prävention von Dammriss oder Dammschnitt raten sie gerne zu dem Aufgussgetränk. Außerdem könne der Tee Fehlgeburten vorbeugen, Schwangerschaftsübelkeit reduzieren und die Milchproduktion anregen. Neben seiner entgiftenden Funktion soll er zu einer besseren psychischen Befindlichkeit und größeren Gelassenheit der Schwangeren beitragen, auch da er die Angst vor der Geburt mindert.

Obwohl Himbeerblättertee seit langer Zeit in der Volksheilkunde verwendet werden, gibt es kaum wissenschaftliche Studien zu seiner Wirksamkeit, und positive Zuschreibungen beruhen in erster Linie auf subjektiven Erfahrungen aus der Praxis der Hebammen.

Eine australische Studie mit 108 Schwangeren aus dem Jahr 1998 findet verschiedene positive Wirkungen von Himbeerblättertee auf die Geburt. So zeigt sich zum Beispiel, dass der Tee ohne Nebenwirkungen für Mutter und Kind die Wehen verkürzt und die Wahrscheinlichkeit von Früh-und Spätgeburten, von Kaiserschnitten und Zangengeburten reduziert. In einer Anschlussuntersuchung im Jahre 1999/2000 mit 192 schwangeren Frauen finden die gleichen Forscher allerdings nur eine Verkürzung der zweiten, nicht der ersten Wehenphase.

Der Fachzeitschrift „Die Hebamme“ (2014) berichtet, dass etwa 25 Prozent aller Schwangeren Himbeerblättertee einsetzen, und dass er von Hebammen am dritthäufigsten zur nicht-medikamentösen Anregung der Wehentätigkeit empfohlen wird. Eine Untersuchung mit 490 Schwangeren habe zwar keine Hinweise auf Nebenwirkungen, allerdings auch keine positiven Effekte von Himbeerblättertee auf Schwangerschaft oder Geburt gefunden (z.B. auf die Wehenlänge oder Kaiserschnittrate). Aufgrund fehlender Nachweise zur Wirksamkeit wird von der therapeutischen Anwendung des Tees abgeraten. Weitere wissenschaftliche Untersuchungen sind unbedingt erforderlich.

Gibt es auch Nebenwirkungen oder Gegenanzeichen?

Spezifische Nebenwirkungen sind bei Himbeerblättern nicht bekannt. Für die Anwendung des Tees gibt es aber einige wenige Gegenindikationen. So sollte er nicht konsumiert werden

  • vor einem geplanten Kaiserschnitt
  • bei Mehrlingsschwangerschaften
  • bei Blutungen in der zweiten Schwangerschaftshälfte
  • bei vorzeitigen Wehen oder einem frühzeitig geöffnetem Muttermund

Ab wann darf ich Himbeerblättertee trinken?

Die Anwendung des Tees wird von Hebammen in der Regel in den letzten Wochen des dritten Schwangerschaftstrimesters empfohlen. Es gibt unterschiedliche Meinungen, ab wann genau der Tee getrunken werden sollte. Einige raten, ihn nicht vor der 34. SSW zu trinken, andere hingegen nicht vor der 37. SSW.

Relativ einig ist man sich allerdings, dass der Tee erst dann angewendet werden kann, wenn auch Wehen auftreten dürfen. Du solltest ihn also keinesfalls vor der 34. SSW anwenden, um eine verfrühte Öffnung des Muttermundes und das vorzeitige Auslösen von Wehen zu vermeiden.

Wie dosiere ich den Tee richtig?

Auch zur richtigen Dosierung gibt es unterschiedliche Angaben, u.a. in Abhängigkeit davon, wie die Schwangerschaft verläuft. Eine verbreitete Empfehlung ist es, die Menge des Tees über den Verlauf der Zeit graduell zu steigern. Wiederholte Trinkpausen sollen dabei einer Überdosierung der Wirkstoffe vorbeugen.

34. bis 37. Schwangerschaftswoche: 1 Tasse täglich

38. Schwangerschaftswoche: Pause

39. Schwangerschaftswoche: bis zu 4 Tassen täglich

40. Schwangerschaftswoche: Pause

In der Regel wird geraten, dass die Dosierung von drei bzw. maximal vier Tassen zu keinem Zeitpunkt der Schwangerschaft überschritten wird, oder nur nach ausdrücklicher Empfehlung des Arztes.

Wie bereite ich den Tee zu?

Für eine Tasse übergießt du einen Teelöffel Himbeerblätter mit siedendem Wasser. Es muss unbedingt kochen, um schädliche Keime und Bakterien zu vernichten.

Lasse die Blätter fünf bis zehn Minuten ziehen (manche raten auch 15 Minuten), bevor du sie über einem Sieb abschüttest. Da der Geschmack des Tees häufig als eher unangenehm empfunden wird, empfehlen Schwangere, ihn mit Honig oder Holunderblütensirup zu versüßen. Den fertigen Himbeerblättertee kannst du dann warm oder kalt genießen.

Fazit: Nicht ohne meinen Doktor

Vielleicht hast auch du das lange Warten auf die Geburt deines Babys satt und überlegst, dem Einsetzen der Wehen ein wenig auf die Sprünge zu helfen. Oder du denkst über Wege nach, wie die Geburt schmerzfreier und sanfter verlaufen könnte. Letztlich bleibt es natürlich deine Entscheidung, ob du Himbeerblättertee in deiner Schwangerschaft einsetzen möchtest oder nicht. Aber bitte, liebe werdende Mama, beherzige unbedingt die Ratschläge deiner professionellen Geburtsbegleiter!

Himbeerblättertee – Kann er mir in der Schwangerschaft helfen? pin

Himbeerblättertee ist ein pflanzliches Heilmittel, dem viele positive Wirkungen auf die Schwangerschaft und Geburt zugeschrieben werden

Mein Spatz Gezwitscher

Mehr über Arzneimittel, die man während der Schwangerschaft nehmen darf, und was man dabei beachten sollte, findest du in unserem Artikel zu Medikamenten in  der Schwangerschaft

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.