Ich benutze mein Stillkissen für alles – außer zum Stillen

MITTWOCH, 27.03.2019 Andrea Huber

Ich habe mein Stillkissen für alles Mögliche gebraucht. Zum Einkuscheln, als Babyreisebett, als Rausfallschutz und als Kuscheldeckenbegrenzung – nur nicht zum Stillen. Unverzichtbar war es trotzdem.

Ich kann mich noch genau an den Tag erinnern, als ich in einem viel zu teuren Babyfachgeschäft mein Stillkissen kaufte. Mir war schon klar, dass ich es nicht wirklich zum Stillen brauchen würde. Meine Schwester hat sieben Kinder, ich habe sie nie mit Stillkissen gesehen. Aber ich war Babyzeug shoppen und mein Wagen mit Sachen gefüllt. Später sollte sich herausstellen, dass sie im besten Fall suboptimal nützlich waren. Aber ich erwartete mein erstes Kind und die Vorfreude darauf ließ mich mehr und mehr irrational handeln – gut, vielleicht waren es auch die Hormone. Als der Wagen voll war, schob ich mich durch die Gänge in Richtung Kasse. Und da war es: kuschelweich, weiß mit kleinen blaugrünen Blüten darauf.

Schwangere sind nicht ganz bei Verstand

Punkt eins: NIEMAND, der bei Verstand ist, kauft für sabbernde, spuckende, pieselnde Babys ein derartig großes Ding in der Grundfarbe Weiß. Punkt zwei: Warum sollte ich ein extra Kissen zum Stillen brauchen? Egal. Es war zu spät. Ich, der Traum aller Verkäufer, kam, sah und kaufte. Stolz präsentierte ich das schönste Stillkissen der Welt meinem Mann. Er verstand auch nicht, wozu wir das brauchen sollten, Kissen hätten wir ja schließlich genug. Damit das Stillkissen bereits vor der Geburt unseren Geruch annahm, legte ich es zu uns ins Bett – was man halt so macht als Schwangere. Ich wollte, dass unser Sohn sich gleich nach der Geburt damit wohlfühlt. Ich wusste, dass eine Freundin von mir die Kissenwurst gerne zwischen ihre Beine nahm, weil sie damit besser schlafen konnte. Irgendwie entlastete das wohl ihren Rücken. Ich brauchte eher Platz zum Schlafen. Dafür entdeckte mein Mann seine Vorliebe für Stillkissen-Kuscheln im Schlaf.

Beim Stillen störte mich das Stillkissen

Natürlich musste das Riesenteil auch mit ins Krankenhaus. Brav legte ich es mir zum Stillen um meinen Körper. Schon beim ersten Versuch wurde mir klar: No way! Das ist nichts für mich. Es störte mich beim Stillen nur, ich fühlte mich eingeengt. Aber auch das war wohl eine Typsache, denn oben beschriebene Freundin stillte liebend gern damit. Gerade als ich anfing, den Kauf zu bereuen, nahm mein Mann unseren kleinen Sohn und legte ihn auf das zusammengeklappte Stillkissen. Da lag der kleine Mann, in dieser schützenden, kuschelwarmen Kuhle und schlummerte friedlich! DAS WAR ES. Dieses Bild hatte ich im Kopf oder im Herzen, als ich das Blümchenteil wider besseren Wissens kaufte. Und ich habe es nie wieder bereut. Das gute Stück war täglich in Gebrauch. Es diente uns als Rausfallschutz im Bett, als kuschelige Unterlage im Garten und als Kopfkissen, wenn wir neben dem Kleinen auf der Decke lagen. Später stützte unser Baby sich darauf ab, turnte damit, rollte darauf hin und her und drüber und schlief erschöpft damit ein. Bei seinen ersten Sitzversuchen war es die perfekte Stütze.

Stillkissen- die Auswahl ist riesig

Unser Kissen war mit Mikroperlen gefüllt. Wie gesagt, ich hatte mir darüber nicht wirklich Gedanken gemacht. Mich hatte ja die Optik zum Kauf verführt. Ich persönlich mag die Mikroperlen. Sie passten sich wunderbar an und unser Sohn fand das Raschelgeräusch auch total faszinierend. Noch dazu machen sie das doch recht große Ding herrlich leicht und sind für mich als Hausstauballergikerin perfekt geeignet. Natürlich gibt es verschiedene Füllungen: Dinkelspelz, Polyester, Schaumstoff, Faserbällchen, und auch in Sachen Bezug sind die Möglichkeiten schier unendlich. Einen guten Überblick über Füllung, Material, Stoffe bekommst du zum Beispiel auf expertentest.de. Wichtig ist, dass alles gut waschbar ist und sich auch die Füllung austauschen lässt. Aber Vorsicht, bei der Neubefüllung musst du unbedingt darauf achten, dass alles schadstofffrei ist. Siegel wie Toxproof oder Oeko-Tex weisen darauf hin. Ich hätte nämlich fast den Fehler gemacht und einfach Kügelchen aus dem Baumarkt gekauft. Zum Glück wies mich eine fachkundige Verkäuferin darauf hin.

Trennung mit Hindernissen

Erst als auch mein zweiter Sohn drei Jahre alt war, schaffte ich es, mich von unserem Stillkissen zu trennen. Bis dahin war es quasi täglich im Einsatz. Ich konnte es aber nicht verkaufen, ich verschenkte es an eine gute Freundin, die gerade Kind Nummer eins erwartete. Genauso ging es mir auch mit unserem Kinderwagen. Vielleicht war es die Endgültigkeit dieser zwei "Symbole", deren Fehlen signalisierte: Das war's. Kein drittes Kind mehr. Lustigerweise hänge ich nämlich nur an Gegenständen, wenn sie etwas mit den Kindern zu tun haben. Mamas sind so komisch.

Was bringt mir ein Stillkissen? pin

Was unsere Autorin von Stillkissen hält und warum sie nicht unbedingt zum Stillen geeignet sind, erfährst du in diesem Erfahrungsbericht.

MeinSpatz Gezwitscher

Stillkissen müssen übrigens nicht teuer sein. Wer Lust hat, näht sich das Teil einfach selbst. Wie das geht, siehst du in diesem Video

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.