Junge oder Mädchen? 2 Schwangerschaften im Vergleich

FREITAG, 25.10.2019 Lotte L.

Im Volksglauben gibt es eine Reihe von Schwangerschaftszeichen, die verraten, ob das Baby ein Junge oder Mädchen wird. Hier schildert unsere Autorin ihre ganz eigenen Erfahrungen mit den Mythen zur Geschlechtsbestimmung.

Meine erste Schwangerschaft verlief unproblematisch und ohne größere Beschwerden. Ich erinnere mich noch an leichte Übelkeitsgefühle am Morgen, schlaflose Nächte, Wadenkrämpfe, und an das mühsame Laufen und Schnaufen in der Sommerhitze, wenige Tage vor der Geburt. Aber sonst ging in dieser Schwangerschaft alles unkompliziert und sanft seinen Gang, bis vor vier Jahren das größte Wunder überhaupt in unser Leben trat. Unser erstes Kind, ein bezaubernder kleiner Sohn.

Beim zweiten Mal war alles anders

Meine zweite Schwangerschaft vor zwei Jahren lief von Anfang komplett anders ab. Schon nach wenigen Wochen wurde ich von einer überwältigenden Ganztags-Übelkeit und häufigem Erbrechen heimgesucht. Ich sehe noch deutlich vor mir, wie ich bei meiner Arbeit filmreif vom Stuhl aufsprang und die Hand vor den Mund haltend an meinen verdutzten Kollegen vorbei zur Toilette stürzte. Ich weiß auch noch, wie unendlich müde und erschöpft ich war. Wie ich mich kurz auf das Besuchersofa im Büro legte und Stunden später aus einem komatösen Schlaf erwachte. Einfach alles war anstrengender und kräftezehrender als beim ersten Mal. Ich war insgesamt viel schwerfälliger und kurzatmiger und legte auch deutlich schneller mehr Kilos zu. Den Babybauch sah man bereits nach wenigen Wochen, war er doch beim ersten Mal bis zum 6. Monat so gut wie unsichtbar geblieben. 

Sind das Anzeichen für ein Mädchen?

Das alles stimmte mich nachdenklich. Was hatte es zu bedeuten, dass diese Schwangerschaft so ganz anders als die erste verlief? Meine Freunde brachten es schnell auf den Punkt: Bestimmt wird es diesmal ein Mädchen!

Schnell wurde nach weiteren Anzeichen zur Bestätigung dieser Theorie gesucht. Meine Haut zum Beispiel war bei der ersten Schwangerschaft wunderschön und zart geworden und meine Haare glänzten und flogen im Wind. In meiner zweiten Schwangerschaft hatte ich eine Haut wie ein pubertierender Teenager. Meine Haare waren stumpf und fettig und fielen in dicken Büscheln aus. Interessanterweise erzählten mir Freunde sowohl in Deutschland als auch in Thailand (wo wir gerade leben), dass ein Mädchen im Bauch der Mutter ihre Schönheit raubt. Daher werden Mütter, die eine Tochter erwarten, in der Schwangerschaft hässlicher als solche mit Söhnen. Dieser kultur- und länderübergreifender Glaube schien auf mich zuzutreffen.

Dann war da noch die Form meines Unterleibs: diesmal war mein Bauch runder und breiter und schien sich mehr zur Seite auszudehnen als beim letzten Mal. Auch hier waren sich deutsche und thailändische Bekannte einig: diese flache Form deutete auf ein weibliches Baby hin. Denn angeblich wölbt sich der Bauch bei einem Jungen spitz nach vorne.

Ging ich in unserer thailändischen Nachbarschaft einkaufen, begrüßten mich die älteren Damen statt mit dem üblichen „Guten Morgen“ nur mit einem „Mädchen!“ und lachten wissend und strichen vielsagend über meine gedehnte Bauchfläche.

Auch meine schlimme Übelkeit wurde mir damit erklärt, dass werdenden Müttern von Mädchen viel häufiger und intensiver schlecht ist, angeblich weil das weibliche Geschlecht für höhere Konzentrationen des Schwangerschaftshormons hCG im Blut sorgt.

Dann träumte ich in eines Nachts von einem Blumenstrauß und erwähnte dies beiläufig im Kreise meiner Nachbarschaft. Die thailändischen Damen waren begeistert. Ganz klar, da muss sich ein weiblicher Nachkomme breit gemacht haben, denn träumt man von schönen, lieblichen Dingen, z.B. Blumen oder Schmuck, erwartet man ein Mädchen, erscheinen einem dagegen Gewehre, Elefanten oder Autos im Traum, wird es mit an Wahrscheinlichkeit grenzender Sicherheit ein Junge. Das sagten meine Freunde und Nachbarn.

Auch die Tatsache, dass ich mich in der ersten Zeit der Schwangerschaft anständig anzog und zurecht machte, war für meine aufmerksame Umgebung ein Indiz für eine Tochter. Denn Schwangere, die einen Jungen erwarten, kleiden sich nach hiesigem Volksglauben nicht mehr gerne schön und legen keinen Wert mehr auf ihr Äußeres. Meine Einwände, dass ich mich so anziehen musste, weil ich weiterhin zur Arbeit ging, wurden abgewinkt. Stattdessen wurde aufmerksam verfolgt, wie ich Heißhunger auf Süßigkeiten hatte – obwohl der bei mir in schwangeren wie nicht-schwangeren Phasen gleichermaßen auftritt - denn ein Mädchen im Mutterleib verursacht diese Gelüste auf Süßes, wohingegen Jungs Lust auf Saures und Herzhaftes machen. So sagt man, übrigens auch wieder gleichermaßen in Thailand wie in Deutschland.

Ich wurde auch gefragt, ob wir ein Haustier hätten, das womöglich auch noch krank geworden sei. Denn im thailändischen Volksglauben weist ein erkrankter zwei- oder vierbeiniger Freund des Menschen im Haus auf die bevorstehende Ankunft eines Mädchens hin. Zum Glück haben wir keine Tiere.

Das müssen Anzeichen für ein Mädchen sein!

Ich bin nur beileibe kein abergläubischer Mensch, im Gegenteil, ich vertraue vor allem der Wissenschaft. Aber da ich mir keinen Reim auf die großen Unterschiede zwischen meinen Schwangerschaften machen konnte und mir mein Umfeld immer wieder und ziemlich beständig die gleiche Rückmeldung gab, begann sich bei mir die Vorstellung einzunisten, dass wir ein Mädchen bekommen.

Ich begann mich zu fragen, wie es wohl ist, eine Tochter großzuziehen. Ich überlegte mir schöne Mädchennamen. Und machte mir Gedanken, ob ich womöglich in einer kleinen Tochter mehr mich selber sehen würde als in einem Jungen. Ich dachte darüber nach, welche Interessen kleine Jungen und Mädchen gemeinsam haben, und war erleichtert zu lesen, dass Eifersucht bei gegengeschlechtlichen Geschwistern oft geringer ausfällt.

Die Stunde der Wahrheit

Dann war es endlich soweit, der Ultraschall stand an, bei dem wir das Geschlecht unseres zweiten Kindes erfahren sollten. Ein jeder Leser kann sich hier wohl schon denken, was jetzt kommt. Der Frauenarzt blickte nachdenklich auf den Bildschirm. „Ein Junge!“ sagte er. Ich weiß noch, ich schüttelte den Kopf und wollte die großen Unterschiede erklären, fragt aber nur: „Sind Sie sicher?" Er war sich ganz sicher.

Zugegeben, irgendwie war ich fast enttäuscht. Und vor allem war ich enttäuscht, dass ich enttäuscht war. Denn ich war doch immer eine Mama gewesen, der das Geschlecht ihres Kindes wirklich herzlich egal ist. Und schließlich hat mich unser erster Sohn, also ein Junge, die vollkommene, größte und abgöttischste Liebe meines Lebens gelehrt. Ich war aber irritiert, weil sich seit Wochen in meinem Kopf der Gedanken festgesetzt hat, dass wir eine Tochter bekommen und weil alle um mich herum diese Idee genährt hatten.

Fazit: alles Humbug

Im Januar des folgenden Jahres trat das zweite größte Wunder überhaupt in unser Leben: noch ein kleiner bezaubernder Sohn. Die zweite allumfassende und absolute Liebe meines Lebens. Meine heutige Meinung zu den beschriebenen Anzeichen für das Geschlecht? Alles Unsinn. Diese angeblichen Indizien haben eine Trefferwahrscheinlichkeit von nicht mehr als 50%, und das nicht nur in Deutschland. Die einzig verlässlichen Anzeichen liefern wohl wissenschaftliche Methoden, wie eine Ultraschall-Untersuchung oder ein DNA-Test. Daher: lieber etwas weniger nach Anzeichen für das Geschlecht Ausschau halten und sich dafür einfach umso mehr freuen, dass ein Wunder ins Leben eintreten wird. So oder so.

Junge oder Mädchen? Ein Rückblick auf die Anzeichen pin

Alles sind gespannt und neugierig auf das Geschlecht des neuen Familienmitglieds. Aber gibt es wirklich Anzeichen, die das Geschlecht eines Babys erkennen lassen?

MeinSpatz Gezwitscher

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.