Kaffee in der Schwangerschaft – ja oder nein?

DIENSTAG, 26.02.2019 Julia M.

Kaffee ist für dich ein Muss! Doch jetzt bist du schwanger und weißt nicht, ob diese Gewohnheit deinem Baby schadet? Hier erfährst du, welche Wirkung Koffein auf dein Kind hat.

Kaffee? Ja, aber mit Selbstkontrolle

Während ein gemäßigter Kaffeekonsum keine Auswirkungen auf dein ungeborenes Baby hat, sieht es bei übermäßigem Kaffeetrinken ganz anders aus: Studien aus England und Norwegen haben gezeigt, dass sich ein sehr hoher Kaffeekonsum in der Schwangerschaft auf das Geburtsgewicht und Wachstum deines Kindes auswirken kann. Je mehr Koffein Schwangere in Form von Kaffee und Cola tranken, desto höher war die Wahrscheinlichkeit, dass ihr Baby bei der Geburt weniger wog als Babys, deren Mütter kein Koffein zu sich genommen hatten. Tranken die werdenden Mütter täglich eine Tasse Kaffee, lag das Gewicht der Neugeborenen um 21 bis 28 Gramm und mehr unter dem erwarteten Durchschnittwert von 3.600 Gramm. Bei größerem Kaffeekonsum und damit höheren Koffeinmengen wich das Geburtsgewicht sehr viel weiter vom Soll ab.

Bei einem gesunden Kind fällt diese Differenz nicht groß ins Gewicht. Bei Frühgeburten oder Babys mit einem an sich schon geringeren Geburtsgewicht kann dies jedoch schon anders aussehen. Abgesehen von einem leichteren Geburtsgewicht, scheint der Konsum von Kaffee in der Schwangerschaft keine schwerwiegenden oder gar gesundheitsschädigenden Auswirkungen auf dein Baby zu haben. Trotzdem solltest du in deiner Schwangerschaft den Kaffeekonsum möglichst verringern.

Wie viel Koffein ist für Schwangere okay?

Bis zu 200 Milligramm Koffein am Tag stuft die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) in ihrer Koffein Risikobewertung als unbedenklich ein: "Eine über den gesamten Tag verteilte Koffein-Aufnahme aus allen Quellen von bis zu 200 mg pro Tag ist für den Fötus unbedenklich." Dies entspricht in etwa zwei Tassen Filterkaffee täglich. Da Tee ca. halb so viel Koffein enthält wie Kaffee, ist hier eine Menge von bis zu vier Tassen in Ordnung. Auch bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes spricht nichts gegen das tägliche Tässchen Kaffee – sofern er nicht stark gezuckert wird.

Achtung: ­Koffein befindet sich – wenn auch weniger stark konzentriert – in anderen Lebensmitteln. Auch wenn du nun den Richtwert kennst, ist es dennoch schwierig einzuschätzen, wie viel Koffein du zu dir nimmst. Hilfreich sind die nachfolgenden Richtwerte. Diese geben dir einen Hinweis darauf, welche Getränke oder Lebensmittel unbedenklich sind, und wo ein hoher Koffeinanteil (Quelle: EFSA) enthalten ist:

▪     Eine Tasse Filterkaffee (200 ml) enthält ca. 90 mg Koffein

▪     Eine handelsübliche Dose eines Energiegetränks (250 ml) enthält 80 mg Koffein

▪     Eine Tasse Espresso (60 ml) enthält 80 mg Koffein

▪     Eine Tasse schwarzer Tee (220 ml) enthält 50 mg Koffein

▪     Eine Dose Cola (335 ml) enthält 40 mg Koffein

▪     Eine halbe Tafel Vollmilchschokolade (50 g) enthält 10 mg Koffein

Was bewirkt Koffein?

Koffein ist ein sogenanntes Alkaloid. In der Natur kommt es in verschiedenen Pflanzen wie Kaffee- oder Kakaobohnen und Teeblättern vor. Das Problem am Koffein ist, dass es die kindlichen Blutgefäße für einen gewissen Zeitraum etwas verengt. Das ist zunächst einmal unproblematisch. Trinkst du also Kaffee, dauert es keine Stunde und das Koffein gelangt über den Mutterkuchen (Plazenta) in den Blutkreislauf deines Kindes. Das Koffein wird während der Schwangerschaft auch vom kindlichen Organismus langsamer abgebaut. Dies bedeutet, dass dein ungeborenes Baby länger der Wirkung des Koffeins ausgesetzt ist und die wichtige Eisenaufnahme in dieser Zeit gehemmt wird. Hält sich dein Kaffeekonsum in Grenzen, reguliert sich die Eisenzufuhr von ganz allein wieder und du musst dir keine Sorgen machen! Es kann aber sein, dass du mit vermehrter Schlaflosigkeit zu kämpfen hast, da auch das Koffein dein Kind länger wachhält. Wie immer gilt also: Wenn du ganz sichergehen willst, verzichte lieber auf das Tässchen Kaffee und probiere einmal eine der Alternativen aus, die am Ende unseres Artikels noch für dich aufgelistet sind!

Kaffee in der Stillzeit: Das Kind trinkt mit

Auch wenn du stillst, solltest du nicht zu viel Koffein zu dir nehmen. Dein Kind wird sonst unruhig, bekommt Bauchschmerzen und schläft schlecht. Wenn bei dir dennoch der Wunsch nach einem Kaffee, schwarzem oder grünem Tee oder einer Cola besteht, dann nimmst du das Getränk am besten direkt nach dem Stillen zu dir. So hat dein Körper Zeit, das Koffein bis zur nächsten Stillmahlzeit abzubauen. Versuche einfach, dein Bewusstsein zu schärfen und deinen Konsum zu kontrollieren. Verwende beispielsweise einfach kleinere Tassen und behalte die Zeitabstände zwischen den einzelnen Koffeindosen im Auge. Tipp: Bei den koffeinfreien Varianten greift sehr oft sogar der Placebo-Effekt. Für viele Menschen ist die Tasse Kaffee zu einem Ritual geworden. Ersetzt du deinen Kaffee durch eine koffeinfreie Lösung, bleibt das Ritual bestehen und dein Körper muss sich nicht umstellen.

Du willst ganz verzichten? So kommst du vom Kaffee los!

Wenn du ein großer Kaffee- oder Teefan bist, fällt dir der Koffeinentzug am Anfang schwer. In den ersten Tagen kann es deshalb zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwäche und Trägheit kommen. Doch gibt es ein paar Tipps, wie du dir den "Entzug" vereinfachen kannst: 

  • Reduziere den Koffeingehalt in deinem Tee, indem du ihn kürzer ziehen lässt: Wenn du deinen geliebten Earl Grey weiterhin genießen willst, kannst du den Beutel nach nur einer statt fünf Minuten herausnehmen. So reduziert sich der Koffeingehalt fast um die Hälfte.
  • Als großer Kaffeeliebhaber kannst du von Filterkaffee auf Instant-Kaffee wechseln, weil der etwas weniger Koffein enthält. Schwächer wird er auch, indem du nur einen halben Teelöffel Kaffee nimmst.
  • Oder du versuchst es direkt mit koffeinfreiem Tee, Kaffee oder Cola: Der Geschmack ist fast der gleiche, und vielleicht setzt bei dir ja auch der angesprochene Placebo-Effekt ein!
Kaffee in der Schwangerschaft – ja oder nein? pin

300 Milligramm Koffein am Tag ist laut WHO für eine Schwangere in Ordnung. Die EFSA spricht von 200 Milligramm. Aber was heißt das jetzt für dich? Und wie viel ist das umgerechnet in Kaffeetassen?

MeinSpatz Gezwitscher

Eine leckere Tasse Kaffee ist also okay. Aber wie sieht es mit der Nachmittagskippe aus? Ist das auch in Ordnung? Genügt es den Konsum einfach zu reduzieren? Wir verraten dir alles was du über Rauchen in der Schwangerschaft wissen musst.

Julia M.

Die zweifache Mama könnte auf ihre geliebte Großstadt nie verzichten – und das trotz Familie und Hund. Wenn ihre wilden Jungs im Wald toben wollen, geht’s ab aufs Land zu Oma und Opa. Sie ist geschieden, aber glücklich liiert und liebt ihre Patchwork-Familie und die dreijährige Tochter ihres Freundes. Eigener Nachwuchs? Nicht ausgeschlossen.