Magnesium, Folsäure und Co.: Brauchen Schwangere das?

DONNERSTAG, 31.05.2018

Muss ich als Schwangere tatsächlich Nahrungsergänzungsmittel wie Folsäure, Jod oder Magnesium zu mir nehmen? 

Soll ich oder soll ich nicht? Um das Thema Nahrungsergänzungsmittel ranken sich viele unterschiedliche Meinungen. Die einen sagen, es geht dabei nur um Geschäftemacherei. Wieder andere schwören auf Nahrungsergänzungsmittel wie Magnesium, Zink und Co. – gerade in der Schwangerschaft. Aber braucht dein Körper all das tatsächlich?

Warum überhaupt Nahrungsergänzungsmittel?

Nicht nur Sportler greifen regelmäßig zu Nahrungsergänzungsmitteln. Also solchen Präparaten, die unsere Fitness, unsere Leistungsfähigkeit, ja, unseren ganzen Körper pimpen und angeblich zu Höchstleistungen antreiben sollen. Viele werfen sich heutzutage jede Menge Vitamine ein, Biotin und Zink für die Haare, Kieselerde fürs Gewebe. Fast schon logisch, dass du als Schwangere dann denkst, dass du all das auch brauchst. Schließlich bist du jetzt für zwei verantwortlich! Also nichts wie her mit den zusätzlichen Nährstoffen. Jedenfalls wird uns das in Apotheken, Reformhäusern und Co. genau so vermittelt: Diese und jene Präparate seien essentiell für jede Schwangere – und auch für Frauen, die schwanger werden wollen!

Fakt ist: Für alle nicht schwangeren und gesunden Frauen sind Nahrungsergänzungsmittel meistens unnötig. Wir leben in einer Gesellschaft, in der wir alle die Möglichkeit haben, uns sehr ausgewogen zu ernähren. Damit sind im Normalfall alle Vitamine und Mineralien, die unser Körper braucht, abgedeckt. Selbst wer Mangelerscheinungen an sich feststellt, wie beispielsweise trockene Augen, eingerissene Mundwinkel oder rissige Nägel: Das lässt sich durch die Ernährung in den Griff kriegen.

In der Schwangerschaft liegt der Fall schon ein bisschen anders. Für zwei zu essen ist dann zwar nicht notwendig und beschert dir nur zu viele Kilos und viel Frust, womöglich sogar Diabetes. Aber für zwei mitdenken: unbedingt ja!

Supplemente: Diese Nahrungsergänzungsmittel sind teilweise unverzichtbar

Die Wissenschaft ist sich in Sachen Nahrungsergänzungsmittel für Schwangere nicht wirklich einig. Jedoch gibt es einige Indikationen, die eine zusätzliche Einnahme von nahrungsergänzenden Mitteln empfehlenswert machen.

Als reine Vorsorgemaßnahme brauchst du in der Schwangerschaft sicher kein Magnesium zu nehmen. Allerdings wird es gerne bei Wadenkrämpfen, vorzeitigen Wehen oder auch Präeklampsie (Schwangerschaftsvergiftung) verschrieben. Zwar ist die positive Wirkung nicht vollständig erwiesen, bleibende Schäden tragen dein Baby und du davon aber sicher nicht davon.

Folsäure gilt hingegen als nahezu unverzichtbar für Schwangere. Studien haben gezeigt, dass sich beim Ungeborenen bei einer Unterversorgung mit Folsäure ein sogenannter Neuralrohrdefekt bilden kann, der beim Embryo zu gefährlichen Fehlentwicklungen im Gehirn oder an der Wirbelsäule zur Folge haben kann. In der Schwangerschaft steigt dein Bedarf an Folsäure um etwa 50 Prozent. Ärzte empfehlen sogar, dass man bereits Wochen vor der Schwangerschaft mit der zusätzlichen Einnahme von Folsäure beginnen sollte. Empfohlen werden zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung täglich mindestens 400 µg Folsäure/Folat.

Das Risiko eines Eisenmangels ist bei Vegetarierinnen oder Veganerinnen erhöht, aber auch andere Schwangere sollten darauf achten, ihrem Körper die nötige Menge an Eisen zukommen zu lassen. Als beste Eisenquelle gilt noch immer Fleisch. Vollkornprodukte, Hülsenfrüchte und Spinat helfen außerdem. Isst du all das in Kombination mit Vitamin C-haltigen Lebensmitteln, kann der Körper den Nährstoff gut aufnehmen.

Leider reicht es auch beim Spurenelement Jod nicht aus, wenn du es als Schwangere allein über Nahrungsmittel aufnimmst. Bist du schwanger, erhöht sich dein Bedarf um etwa 20 Prozent. Besteht ein Jodmangel, dann erhöht sich das Risiko einer Fehlgeburt oder auch Fehlbildungen bei deinem Kind. Empfohlen wird, dass Schwangere bis zu 100 Mikrogramm Jod pro Tag zu sich nehmen.

Wenn du dich eingehender informieren willst: Das Netzwerk „Gesund ins Leben“ hat eine einheitliche Handlungsempfehlung zur Ernährung in der Schwangerschaft herausgebracht. Der Zusammenschluss aus einschlägigen Fachgesellschaften, Institutionen und Berufsverbänden will Schwangeren leicht verständliche Tipps zur Ernährung und den Umgang mit sogenannten Supplementen in dieser besonderen Zeit an die Hand geben.

Um deinem kleinen Spatz einen guten Start ins Leben zu ermöglichen, sollten selbstverständlich zunächst bei dir als Mutter selbst keine Mangelerscheinungen auftreten. Denn dein Baby wird durch dich schon im Bauch geprägt, was seine Gesundheit angeht.

Eine besondere Zeit – speziell für Vegetarierinnen

Vegetarierinnen achten ohnehin sehr auf ihre Ernährung. Isst du keine tierischen Produkte, zumindest kein Fleisch, solltest du in der Schwangerschaft besonders auf die aufgenommenen Nährstoffe achten. Diese findest du vor allem in Getreideprodukten (Vollkorn), Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst, Milchprodukten, Eiern, Nüssen, Samen und Pflanzenölen. Achte vor allem auf dein Eisendepot: Eisen lässt sich durch rein pflanzliche Ernährung immer schwieriger im Körper einlagern und speichern. Um herauszufinden, wie du den richtigen Eisengehalt in deinen Körper bekommst, solltest du dir am besten medizinischen Rat holen.

Während sich eine vegetarische Lebensweise noch ganz gut mit einer Schwangerschaft vereinbaren lässt, sieht das bei veganer Ernährung schon wieder anders aus. Vegan zu leben stellt möglicherweise ein echtes Risiko für dein Ungeborenes dar: Kommt es hier zu einer Unterversorgung, kann das gefährliche Auswirkungen auf die Entwicklung des kindlichen Nervensystems haben.

Letztlich gilt aber: Sprich dich unbedingt immer zuerst mit deinem Frauenarzt ab, bevor du irgendetwas nimmst. Dann kannst du dir auch sicher sein, dass du alles richtig machst.

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Reicht eine ausgewogene Ernährung oder brauche ich vor und während der Schwangerschaft Nahrungsergänzungsmittel?

MeinSpatz Gezwitscher

Unser Fazit: Die Pharmaindustrie wirft unzählige Supplemente auf den Markt und versucht uns – schwanger oder nicht – davon zu überzeugen, dass wir das alles unbedingt brauchen. Wahrscheinlich ist das aber eher nicht der Fall. Wenn du schwanger bist sollten allerdings Folsäure, Jod und Eisen, aber auch Magnesium, wichtige Werte für dich sein, auf die du achten musst. So kann dein Kind perfekt in deinem Körper heranwachsen. Solltest du einen Kinderwunsch haben, empfiehlt es sich, dass du bereits vor der Schwangerschaft Folsäure zu dir nimmst. Besprich das aber unbedingt mir deinem Arzt, da es auch wiederum nicht zu einer Überdosierung kommen sollte.