Mama übt noch: Warum ich lieber ein Mädchen wollte

DIENSTAG, 29.01.2019 Patricia Renoth

Mädchen oder Junge? Diese Frage stellte sich auch unsere Kolumnistin Patricia Renoth in ihrer Schwangerschaft. Die Antwort war eindeutig. Die Reaktionen darauf, aber nicht immer positiv.

Natürlich ist das Wichtigste, dass das Baby gesund auf die Welt kommt. Ganz klar. Ohne Wenn und Aber. Trotzdem habe ich mir stets ein Mädchen gewünscht. Immer wenn ich mir vorgestellt habe, später mal ein Kind zu bekommen, dachte ich an weiblichen Nachwuchs. Und als es dann wirklich so weit war, hatte sich das nicht geändert. Zum Entsetzen meines Mannes. Nicht, dass er lieber einen Jungen gehabt hätte. Er empfand es so, dass ich ein Geschlecht damit quasi abwertete. Das war aber absolut nicht der Fall. Denn ich steh´ auf Männer. Das weiß er wohl am besten. Aber mein erster Nachkomme sollte trotzdem eine Tochter sein.

Aber nicht nur er, auch andere Menschen waren nicht gerade angetan von meinem laut geäußerten Wunsch. Denn landläufig wünscht man sich das im stillen Kämmerlein. Es ist anscheinend politisch nicht ganz korrekt zu sagen, dass man lieber das eine oder das andere möchte. Ups. Aber ich hätte es sehr heuchlerisch gefunden, zu sagen: „Es ist mir egal was es wird.“ Weil es eben nicht so war. Im Umkehrschluss bedeutete das aber nicht, dass ich mich über einen Jungen weniger gefreut hätte.

Was das Geschlecht des Babys mit Autos zu tun hat

Es gibt nun mal im Regelfall zwei Möglichkeiten. Und warum darf man dann nicht eine davon favorisieren? Wenn ich die Wahl hätte zwischen einem gratis Luxusschlitten von Mercedes oder einem vom BMW, dann würde ich mir aus persönlichen Gründen den Mercedes aussuchen. Aber wenn ich den BMW bekommen würde, wäre ich genauso glücklich. Hallo? Sind schließlich zwei Bomben-Optionen. Genauso bombig ist es, ein gesundes Baby zur Welt bringen zu dürfen. Ja klar, natürlich hinkt der Vergleich. Obwohl… Ein Auto ist schließlich teuer im Unterhalt, braucht ständig neuen Kraftstoff und ist der ganze Stolz des Halters. Also fast wie ein Baby… Keine Sorge, ich hör schon auf mit den unpassenden Vergleichen. Aber du weißt was ich meine, oder?     

Ich wollte das Geschlecht so bald wie möglich wissen

Für mich war auch immer schon klar, dass ich das Geschlecht so bald wie möglich wissen wollte. Mein Mann teilte in diesem Fall glücklicherweise meine Meinung. Der Sinn bis zum Tag X zu warten und sich dann überraschen zu lassen, hat sich mir nie erschlossen. Ich stellte mir eine Geburt sowieso wie eine riesige hormonelle und emotionale Achterbahn vor. Das noch mit so einer Überraschung zu verschärfen, kam mir nie in den Sinn. Ich fand es auch schöner für die Bindung zum Ungeborenen, wenn es nicht die ganze Schwangerschaft lang ein „es“ bleibt, sondern irgendwann eine „sie“ oder ein „er“ wird. Und so für mich schon eine greifbarere Identität bekommen würde. Und eine Überraschung ist es ja auch vorher schon.

Was ist denn eine Gender Reveal Party?

Was mir aber immer schon extrem gut gefiel, war der Gedanke, diese Neuigkeit mit Familie und Freunden zu teilen. Und dank Pinterest wusste ich, dass es in den USA den Trend gibt, sogenannte Gender Reveal Partys zu feiern. Man trifft sich zu Hause mit seinen Liebsten und lüftet zusammen das Geheimnis. Entweder in Form eines Kartons, aus dem Ballons in blau oder rosa aufsteigen. Oder ein schwarzer Ballon wird angestochen und enthält Konfetti in der passenden Farbe. Oder aber es gibt eine Torte, deren Füllung verrät: Rosa oder blau? Girl or Boy?

Ich war sehr angetan von dieser Idee. Wer kann zu einer Torte schon nein sagen? Ich feiere die Feste wortwörtlich gerne wie sie fallen. Das Leben ist kurz. Da sollte man alles mitnehmen was geht. Und so eine Party ist immer ein schöner Grund mit seinen Lieblingsmenschen zusammenzukommen. Außerdem war ich wirklich sehr gespannt auf das Ergebnis und ich stellte es mir wunderschön vor, diese Aufregung und Freude mit anderen zu teilen.

Und wir hatten wirklich Glück. Der Frauenarzt, bei dem ich ein größeres Organscreening hatte, konnte das Geschlecht im 5. Monat eindeutig feststellen. Also baten wir ihn, es uns nicht zu sagen, sondern auf einen Zettel zu schreiben. Was er dann auch etwas irritiert getan hat. Ich glaube, er fand die Idee sehr skurril. Ist ja schließlich sein tägliches Brot. Und wir machten so ein Bohei draus. Aber hey, ich liebe es aus etwas ein Bohei zu machen. Der nächste der ziemlich erstaunt war: Der Konditor. Er hatte noch nie von dieser Tradition gehört. Nach unserer Erklärung fand er es dann aber sogar ziemlich cool, dass er noch vor uns Bescheid wusste. Und er zauberte uns eine wunderbare Torte.

Obwohl der Termin sehr spontan angesetzt war (etwa eine Woche nach dem Arztbesuch, länger konnten wir es nicht aushalten) kamen wirklich viele Leute. Wir dachten schon, die erklären uns alle für verrückt. Aber es wurde ein tolles Fest mit ganz viel blau und rosa. Und dann kam der große Moment. Alle, die die Kolumne schon länger verfolgen, wissen die Antwort schon. Für die anderen, mache ich es jetzt noch ein bisschen spannend und komme erst mal zu meinen Gründen, für den Wunsch nach einem Mädchen.

Warum lieber ein Mädchen? Die Erklärung

Der Hauptgrund war, dass ich an später gedacht habe. An die Beziehung zu meinem Kind, wenn es schon älter oder sogar Erwachsen ist. Ich dachte an gemeinsame Shoppingtrips und Wellnessbehandlungen. An lange Gespräche im Café. Man hat mehr Gemeinsamkeiten und dadurch später vielleicht auch eine engere Bindung. Hat eine Mama ein freundschaftliches Verhältnis zu ihrer Tochter ist das gesellschaftlich auch eher anerkannt, als wenn die Mama sehr eng mit ihrem Sohn ist. Dann heißt es gleich „Muttersöhnchen“. Nicht, dass es mir immer so wichtig ist, mit dem Strom zu schwimmen. Eher das Gegenteil ist der Fall. Aber man möchte es seinem Kind ja auch nicht unnötig schwermachen.

Ein weiterer Grund war sicher auch, dass man sich mit seinem eigenen Geschlecht besser auskennt. Man weiß, wie es ist eine Frau zu sein und ich wollte die Erfahrungen die ich damit gemacht habe auch gerne später an meine Tochter weitergeben. Und beim ersten Kind ist sowieso alles totales Neuland. Da ist es doch beruhigend, wenn man wenigstens in diesem einen Punkt ganz gut Bescheid weiß. Vom Gefühl her, war ich außerdem für ein wildes Mädchen durchaus bereit. Bei einem wilden Jungen, sah das Ganze etwas anders aus. Ich wusste einfach nicht, ob ich das so gut hinbekommen würde. Ob ich den Job als Jungsmama wirklich gut machen könnte

Der letzte Punkt ist ziemlich unwichtig, ich erwähne ihn der Vollständigkeit halber aber trotzdem: Mädchensachen zu shoppen macht mir einfach mehr Spaß. Denn bei einem Jungen fallen ja Haaraccessoires, der meiste Schmuck und vieles mit Glitzer schon mal komplett weg. Und erst die süßen Schuhe für Mädchen. Ich wollte keinesfalls im Rosarausch schwelgen oder dem Prinzessinnenhype verfallen. Aber ich liebe Mode. Und bei einer Tochter sind da die Möglichkeiten einfach ein bisschen größer.

Er oder Sie: Und was ist es jetzt geworden?

Jetzt bleibt also nur noch die Frage offen, welche Farbe die Füllung der Torte denn nun hatte. Mein Mann und ich schnitten sie gemeinsam an. Und als wir das Messer wieder herauszogen, konnte ich es schon blitzen sehen. Und ich strahlte wie ein Honigkuchen Pferd. Du kannst es dir sicher schon denken. Sie war rosa. Mit Himbeeren. Und ich liebe Himbeeren.

Natürlich war ich sehr glücklich mit dieser Überraschung. Aber ich wäre auch mit einem anderen Ausgang glücklich gewesen. Ich hätte mich niemals geärgert oder wäre enttäuscht gewesen. Sonst hätte ich so eine Party ja auch gar nicht veranstaltet. Ich wollte einfach feiern, dass wir ein Baby bekommen würden. Und ich wollte gerne wissen was es wird. Und nachdem ich zwei Schwestern und zu diesem Zeitpunkt eine Nichte hatte, war es auch für meine Eltern spannend, ob in dieser Familie endlich mal ein Junge das Licht der Welt erblicken würde. Sie nahmen es gelassen.

Wer weiß, vielleicht hat meine Tochter später überhaupt keine Lust mit mir shoppen zu gehen oder Mädchen-Unternehmungen zu machen. Dann ist das natürlich auch in Ordnung. Ich liebe sie so wie sie ist und so wie sie sein wird. Genauso wie ich auch einen Jungen geliebt hätte. Aber ich halte erst mal an dieser schönen Vorstellung fest. Mama übt noch.

Hauptsache gesund oder doch ein Wunschgeschlecht? Unsere Kolumnistin erklärt, warum sie lieber ein Mädchen wollte.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Freundin von mir tendiert eher zu einem Jungen. Natürlich haben mich ihre persönlichen Gründe brennend interessiert. Sie meinte allerdings, dass sie es gar nicht wirklich erklären kann. Es wäre mehr so ein Gefühl, dass ein Junge irgendwie besser zu ihr und ihrem Mann passen würde. Vielleicht gibt es also doch Mädcheneltern und Jungseltern und welche die beides können? Was meinst du dazu? Lass uns gerne einen Kommentar auf Instagram oder Facebook da.

Patricia Renoth

Sie wünscht sich mehr Toleranz unter Mamas (und natürlich Weltfrieden). Genießt das Leben mit Ehemann, Räubertochter und Kater. Ist keine Latte-Macchiato-Mum sondern von der Chai-Latte-Fraktion. Und mischt als Redaktionsleiterin von Anfang an bei MeinSpatz mit.