Mein Mutterpass und ich

DONNERSTAG, 07.06.2018

Endlich hielt ich ihn in den Händen: meinen Mutterpass. Zwei Seiten wurden für mich leider bald besonders wichtig. Diagnose: Schwangerschaftsdiabetes.

Der positive Schwangerschaftstest, spannende Brüste, zu enge Hosen, der erste Ultraschall – ja, mir war klar, dass ich schwanger war. Aber erst der Moment, in dem ich von der Sprechstundenhilfe meinen Mutterpass bekam, machte mir bewusst: WOW, du erwartest wirklich ein Kind. Ich nahm ihn entgegen wie eine Medaille, wie eine besondere Auszeichnung. Naja, also erstmal war es ja nicht allein mein Verdienst, dass die Bohne in meinem Uterus schwamm und dann haben auch bereits Billionen von Frauen diese Hürde genommen. Das olympische Glücksgefühl des unglaublichen Sieges war also deutlich fehl am Platz. Dennoch spürte ich es, völlig hormontrunken und überemotional.

Sobald die Fanfaren verklungen, die Zeitlupe wieder aufgelöst und das gleißende Licht erloschen waren, lag dann doch recht nüchtern und unspektakulär das blau-weiße Heftchen in meiner Hand. „Uiiiiiiii, toll! Danke!“, hauchte ich der Sprechstundenhilfe entgegen, die mich mit einem „Mhmmmm“ inklusive skeptischem Augenrollen abspeiste. Mir egal, mich konnte eh nichts mehr aus der Bahn werfen. Ich war schwanger – jetzt sogar per Mutterpass, also von der offiziellen Schwangerschaftsstelle bestätigt. Und mir konnte keiner was.

Ich verstehe nur Bahnhof

Zuhause blätterte ich den Mutterpass durch und verstand eher wenig: LSR, Gravidogramm, HBs-Antigen ... Irgendwie machte es das Projekt „Baby an Bord“ aber nur interessanter. Ich befragte Google und war bald im Bilde. Mein Arzt überflog bei jeder weiteren Schwangerschaftsuntersuchung alle Punkte, hakte ab, stellte Fragen, kreuzte wieder an. Ich war immer im Normalbereich. Beruhigend, das alles schwarz auf weiß zu lesen.

Im sechsten Monat kam dann der Zuckertest. Die Werte waren auffällig und zwei Tage später war klar: Ich hatte Schwangerschafts-Diabetes. Zunächst war ich extrem beunruhigt.  Dann bekam ich einen Eintrag unter „Gestationsdiabetes“ und schon hatte ich das Gefühl „Mist, es ist eben nicht alles in Ordnung“. Plötzlich wurde eine Seite für mich – und meine Diabetologin – besonders interessant: Die Normkurven für den normalen Wachstumsverlauf.

Entwickelt sich mein Baby normal?

Das Problem bei Schwangerschaftsdiabetes: Das Kind wächst zu schnell und wird möglicherweise zu groß. Es kann also sein, dass es früher geholt werden muss, ein Kaiserschnitt ansteht oder auch zum Beispiel die Atmung nicht richtig funktioniert. Deswegen werden Schwangere mit Zucker auch sehr engmaschig überwacht und genau deswegen sind die Werte auf der Normkurve eben so wichtig. Denn darauf ist zu sehen, ob das Baby überproportional schnell zunimmt, die Pfunde plötzlich im Vergleich zum Längenwachstum zu schnell ansteigen.
Da ich mich beinahe sklavisch an meinen Ernährungsplan hielt, verlief die Kurve zum Glück ganz normal. Und ich versicherte mich so immer wieder: meinem Baby geht es gut. Das tat es auch und wir erlebten eine ganze normale Geburt. Kein Kaiserschnitt, normal groß, Atmung top. Auch der kleine Bruder kam, trotz Schwangerschaftsdiabetes, völlig normalgewichtig und easy zur Welt. Und auch bei ihm half mir und beruhigte mich der Blick auf die Wachstumskurven im Mutterpass.

Der Mutterpass ist für mich auch heute noch etwas ganz Besonderes. Ich würde ihn nie wegwerfen. Das Protokoll über zwei glückliche Schwangerschaften und eine Fehlgeburt. Denn auch sie ist darin festgehalten. Meine erste Schwangerschaft endete in der 16. Woche mit einem Abort. Auch das gehört zu meiner Geschichte. Anfangs wollte ich nichts darüber sehen oder lesen, geschweige denn im Mutterpass. Mittlerweile bin ich froh, dass es drinsteht. 

Ein schönes Gefühl ihn endlich in Händen zu halten - den Mutterpass. Für unsere Autorin war er darüber hinaus besonders wichtig, denn sie hatte Schwangerschaftsdiabetes.

MeinSpatz Gezwitscher

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