Neuer Mutterschutz – Das ändert sich jetzt für Schwangere

DIENSTAG, 20.02.2018

Seit 1. Januar 2018 gelten neue Regeln beim gesetzlichen Mutterschutz (MuSchG). Wir verraten dir, was sich dadurch ändert.

Frauen dürfen an Sonn- und Feiertagen arbeiten und Schülerinnen und Studentinnen profitieren künftig auch vom Mutterschutz. Die Änderungen sollen betroffene Frauen gesundheitlich besser schützen und ihnen die Möglichkeit geben, mehr Einfluss darauf zu nehmen, ob und wie sie während der Schwangerschaft weiterhin arbeiten wollen.

Das Mutterschutzgesetz stammt aus dem Jahr 1952. Seitdem wurde es kaum angepasst. Jetzt wurden die Regelungen, die laut Bundesfamilienministerium längst überfällig waren, von der Bundesregierung reformiert und der heutigen Zeit angepasst. Wir haben die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Wie ist der Mutterschutz bislang in Deutschland geregelt?

Frauen dürfen sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt vom Arbeitgeber nicht beschäftigt werden. Bei Zwillingen oder Frühgeburten verlängert sich die Zeit nach der Geburt auf zwölf Wochen. Fließbandarbeit, gefährliche Arbeiten oder Nachtschichten sind für Schwangere verboten. Während sich die Frau im Mutterschutz befindet, muss Mutterschutzgeld gezahlt werden. Außerdem besteht ein weitreichender Kündigungsschutz. Diese Regelungen gelten im Wesentlichen immer noch, wurden jedoch in einigen Punkten präzisiert.  

Ausweitung des Mutterschutzes

Bisher galt der gesetzliche Mutterschutz nur für Frauen, die in einem Arbeitsverhältnis stehen. Seit 1. Januar 2018 gilt das Gesetz nun auch für Frauen, die in unterschiedlichsten Vertragskonstellationen zu Arbeitgebern, Auftraggebern oder Institutionen stehen. Eine wichtige Änderung betrifft auch Schülerinnen und Studentinnen, die bislang vom gesetzlichen Mutterschutz ausgenommen waren und sich bei einer Schwangerschaft krankschreiben lassen mussten. Für diese jungen Frauen gilt der Mutterschutz seit Januar ebenfalls. Sie sind ab sofort sechs Wochen vor und acht Wochen nach der Geburt des Kindes von Pflichtveranstaltungen befreit und können selbst entscheiden, ob sie während der Schwangerschaft beispielsweise an Prüfungen teilnehmen oder nicht. Auch für andere Frauen wird der Mutterschutz vereinheitlicht:

  • Frauen in betrieblicher Berufsbildung und Praktikantinnen
  • Frauen mit Behinderung, die in einer Werkstatt für behinderte Menschen beschäftigt sind
  • Frauen, die als Entwicklungshelferinnen tätig sind
  • Frauen, die als Freiwillige nach dem Bundesfreiwilligendienstgesetz beschäftigt sind
  • Frauen, die in Heimarbeit beschäftigt sind
  • Frauen, die in einer geistlichen Genossenschaft beschäftigt sind
  • Arbeitnehmerähnliche Selbstständige

Nach wie vor gilt das MuSchG nur für Schwangere beziehungsweise leibliche Mütter nach der Geburt. Adoptivmütter oder Frauen in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, die das Kind nicht austragen, fallen nicht darunter. 

Prüfung auf gefahrenloses Arbeiten

Um den Arbeitsschutz zu verbessern, müssen Arbeitgeber bis Ende 2018 alle Arbeitsplätze daraufhin untersuchen, ob Schwangere oder stillende Mütter dort gefahrenlos arbeiten können. Dabei spielt es keine Rolle, ob dort gerade eine schwangere Frau oder eine nicht schwangere Frau oder ein Mann arbeitet. Wird eine Gefahr für Schwangere am Arbeitsplatz festgestellt, sind die Arbeitsplätze so umzugestalten, dass eine Gesundheitsgefährdung für Mutter und Kind ausgeschlossen ist. Ist dies nicht, oder nur unter unverhältnismäßigem Aufwand möglich, muss die schwangere Frau einen anderen geeigneten und zumutbaren Arbeitsplatz bekommen. Dadurch soll verhindert werden, dass schwangere Frauen gegen ihren Willen ein Arbeitsverbot erhalten. Dies kann zukünftig nur noch dann ausgesprochen werden, wenn der Arbeitsplatz nicht ausreichend umgestaltet werden kann und es auch nicht möglich ist, der betroffenen Frau übergangsweise einen anderen Arbeitsplatz anzubieten.

Arbeit an Sonn- und Feiertagen sowie Nachtarbeit

Bisher durften schwangere und stillende Mütter an Sonn- und Feiertagen sowie nachts zwischen 20 Uhr und 6 Uhr generell nicht arbeiten. Seit Januar dürfen sich betroffene Frauen zur Arbeit an Sonn- und Feiertagen ausdrücklich bereiterklären. Außerdem ist eine Beschäftigung bis 22 Uhr zulässig. Voraussetzung dafür ist das Einverständnis der werdenden oder stillenden Mutter, eine ärztliche Bescheinigung der Unbedenklichkeit sowie die Einhaltung des Arbeitsschutzes und die behördliche Genehmigung. Benachteiligungen während der Schwangerschaft oder nach der Geburt können dadurch verhindert werden. Das Einverständnis kann von der schwangeren Frau jederzeit widerrufen werden.

Mehr Schutz bei Fehlgeburten und behinderten Kindern

Bereits im Mai 2017 sind die ersten Änderungen im Mutterschutz in Kraft getreten. Zum einen verlängerte der Gesetzgeber den Mutterschutz für Mütter von behinderten Kindern. Da in solchen Fällen die Geburt häufig mit besonderer körperlicher und psychischer Belastung verbunden ist und behinderte Kinder einen höheren Pflegebedarf haben, wurde die Schutzfrist auf zwölf Wochen nach der Geburt ausgedehnt. Zum anderen gilt bereits seit Mai letzten Jahres ein viermonatiger Kündigungsschutz für Frauen, die eine Fehlgeburt nach der zwölften Schwangerschaftswoche erlitten haben.

Auf den Seiten des Bundesfamilienministeriums findest du ausführliche Informationen rund um das neue Mutterschutzgesetz.

Neue Mutterschutz-Regelungen pin

Alle Änderungen im Mutterschutzgesetz 2018 zusammengefasst - findest du hier.

MeinSpatz Gezwitscher

In Österreich haben Frauen sogar eine 8-wöchige Schutzfrist vor dem Entbindungstermin, in der sie nicht arbeiten dürfen. Mehr zum Mutterschutz in Österreich findest du im Portal der Arbeiterkammern.