Organverschiebung in der Schwangerschaft

MONTAG, 10.09.2018

Wie hat mein Baby in meinem Bauch überhaupt Platz? Diese Frage stellen sich viele werdende Mütter. Die Antwort: Weil sich deine Organe verschieben.

Es ist immer wieder faszinierend, wie aus einer kleinen befruchteten Eizelle ein Säugling wird, der sich bereit macht für die große weite Welt. Dass dein Bauch während der Schwangerschaft wächst, ist deutlich zu erkennen. Aber was passiert im Inneren deines Körpers? Wir verraten dir, was dein Körper mit deinen inneren Organen anstellt, um deinem Baby genug Platz zu verschaffen.

Die Blase

Besonders empfindlich reagiert deine Blase auf eine Schwangerschaft. Bereits zu Beginn, wenn noch gar kein richtiges Bäuchlein zu sehen ist, hast du das Gefühl ständig auf die Toilette zu müssen. Schuld daran ist das Gelbkörperhormon Progesteron, das eigentlich für den Uterusmuskel gedacht ist. Es macht den Muskel weicher, damit dein Baby ungestört wachsen kann. Da das Hormon allerdings durch den ganzen Körper schwimmt, sorgt es auch dafür, dass dein Blasenschließmuskel seine Aufgabe nicht mehr richtig erfüllt. Im weiteren Verlauf deiner Schwangerschaft wird deine Blase außerdem von deinem Baby immer weiter nach unten gedrückt – was deinen Harndrang zusätzlich verstärkt. Um in der Spätschwangerschaft deine Blase vollständig zu entleeren, hilft es, wenn du auf der Toilette deinen Bauch etwas anhebst. So hat deine Blase genug Raum, sich zu entleeren. Damit dein Kreislauf nicht schlapp macht, solltest du viel trinken - auch wenn du gefühlt ständig auf die Toilette musst.

Der Darm

Ebenso wie deine Blase reagiert auch dein Darm sehr empfindlich auf das Gelbkörperhormon Progesteron und wird dadurch träge und langsam. Außerdem wird er von deiner Gebärmutter nach hinten gedrückt und kann sich nicht mehr richtig entfalten, was zu Völlegefühl und Verstopfung führt. Zusätzlich kann es zu einem Stau in den Blutgefäßen kommen, da die Venen in der Region des Dickdarms zusammengedrückt werden. Eine Folge davon sind möglicherweise Hämorrhoiden. Um Verstopfungen zu verhindern, helfen zum Beispiel eingeweichte Backpflaumen oder Sauerkraut. Außerdem solltest du unbedingt viel trinken, viele Ballaststoffe zu dir nehmen und dich ausreichend bewegen. Gegen die Hämorrhoiden helfen zudem Cremes oder Zäpfchen. Frag einfach mal bei deinem Frauenarzt nach. Wenn Du wissen willst, welche Sportarten für dich als Schwangere geeignet sind, lies doch unseren Artikel "Sport in der Schwangerschaft – Dos and Dont's".

Das Herz

Da sich dein Herz relativ geschützt im Brustkorb befindet, erreicht es die Gebärmutter selbst am Ende der Schwangerschaft nicht. Trotzdem bedeutet eine Schwangerschaft auch für dieses Organ Veränderungen. Um dich und deinen Nachwuchs mit ausreichend Blut zu versorgen, wird das Herz während der Schwangerschaft größer und pumpt etwa eineinhalb Liter mehr Blut durch deinen Kreislauf. Außerdem beginnt es schneller zu schlagen, was sich vielleicht durch verstärktes Herzklopfen oder ein „enges Gefühl“ in der Brust für dich bemerkbar macht. Grund dafür ist, dass die Luft aus der Lunge nicht immer ausreicht und das Herz schneller schlagen muss, damit trotzdem ausreichend „Sauerstoff“ zu deinem Baby gelangt. Was du dagegen tun kannst? Wenn du starkes Herzklopfen verspürst, solltest du dich auf jeden Fall erst einmal hinlegen und Oberkörper und Beine etwas erhöht ablegen. Dadurch wird die Plazenta besser durchblutet und dein Herz beruhigt sich wieder etwas. Um das enge Gefühl in deiner Brust zu bekämpfen, hilft häufig spazieren gehen oder schwimmen.

Der Magen

Da dein Magen am höchsten Punkt des Uterus liegt, nimmt der Druck von unten im Laufe der Schwangerschaft immer weiter zu. Dein Baby legt ab der 34. Schwangerschaftswoche von Woche zu Woche etwa 200 Gramm an Gewicht zu und dein Magen nimmt nur noch etwa die Hälfte der gewohnten Menge auf. Außerdem bewirkt der Druck, dass sich der Schließmuskel des Magens nach oben hin leichter öffnet. Dadurch gelangt Magensäure in die Speiseröhre und als Folge davon bekommst du Sodbrennen. Um das weitestgehend zu vermeiden, nimmst du anstelle von drei großen Mahlzeiten am besten fünf kleine Mahlzeiten über den Tag verteilt zu dir. Besonders zu empfehlen sind dabei cremige Suppen aus püriertem Gemüse. Achte beim Schlafen darauf, dass du deinen Oberkörper etwas höher lagerst. So verhinderst, dass die Säure aufsteigt.

Die Lunge

Ebenso wie der Magen verliert auch die Lunge an Fassungsvermögen. Da Magen und Leber während der Schwangerschaft von unten gegen die Lunge gedrückt werden, verschiebt sich die Lunge nach oben. Du bekommst während deiner Schwangerschaft 25 Prozent weniger Luft – Kurzatmigkeit und das Gefühl zu wenig Luft zu bekommen, sind Folgen dieser Organverschiebung. Zum Glück lässt der Druck etwa ab der 36. Schwangerschaftswoche meist plötzlich nach - nämlich dann, wenn sich das Köpfchen deines Spatzes ins Becken gesenkt hat. Dadurch hat die Lunge wieder mehr Platz zum Atmen, was besonders in Hinblick auf die anstrengende Geburt enorm wichtig ist. Um dem Ganzen entgegen zu wirken, versuche immer durch die Nase einzuatmen und durch den Mund die ganze Luft wieder auszuatmen.

Die Leber

Die Leber ist das wichtigste Stoffwechselorgan. Außerdem sorgt sie dafür, dass Schadstoffe festgehalten und abtransportiert werden. Da das Gewebe der Leber sehr nachgiebig ist, kann sie sich leicht in deinem Körper bewegen und gelangt so in den Oberbauch. Um deiner Leber während der Schwangerschaft etwas Gutes zu tun, iss am besten weniger Fett. Solltest du einen intensiven Juckreiz verspüren, ohne dass du einen Hautausschlag oder ähnliches ausmachen kannst, kann es sich in seltenen Fällen um eine Schwangerschafts-Cholestase handeln. In diesem Fall solltest du unbedingt mit deinem Arzt oder deiner Hebamme sprechen. Bestätigt sich die Diagnose, wirst du engmaschiger überwacht. Die Funktion der Galle ist in diesem Fall beeinträchtigt und der Spiegel der Gallensäuren im Blut steigt. Für dich und dein Baby ist das erstmal nicht gefährlich, allerdings erhöht sich das Risiko einer Frühgeburt, weswegen dich dein Arzt dann genau im Auge behält. Nach der Geburt verschwinden die Symptome wieder.

Die Organverschiebung, die eine Schwangerschaft mit sich bringt, ist völlig normal. Die meisten werdenden Mamas spüren die Verschiebung nicht einmal. Nur der Druck, der während einer Schwangerschaft auf den Organen lastet, kann in den höheren Schwangerschaftswochen Schmerzen oder Übelkeit verursachen. Aber kein Grund zur Sorge: Nach der Geburt kehren alle Organe wieder an ihren Platz zurück.

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Was passiert eigentlich mit deinen inneren Organen, wenn das Baby in deinem Bauch wächst und immer mehr Platz einnimmt?

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