Nackenfaltenmessung: Das Wichtigste im Überblick

FREITAG, 13.09.2019 Lotte L.

Die Nackenfaltenmessung kann beim ungeborenen Kind Hinweise auf einen bestehenden genetischen Defekt liefern. Doch wie läuft die Messung ab, wann ist der optimale Zeitpunkt dafür, und wie hoch sind die Kosten? Hier findest du Antworten auf häufig gestellte Fragen.

Was ist die Nackenfalte?

Die Nackenfalte ist eine Flüssigkeitsansammlung im Bereich des Nackens, die sich zwischen der 11. und der 14. Schwangerschaftswoche bei jedem Embryo bildet. In dieser Zeit sind das Lymphsystem und die Nieren des Kindes noch nicht richtig entwickelt, so dass sich Flüssigkeit an dieser Stelle staut. Im weiteren Verlauf der Schwangerschaft nimmt die Einlagerung wieder ab, da die Nieren des Kindes ihre Funktion aufnehmen und die Flüssigkeit ableiten. Wird eine Verdickung der Nackenfalte festgestellt, besteht eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für eine kindliche Entwicklungsstörung.

Wie läuft eine Nackenfaltenmessung ab?

Die Nackenfaltenmessung, auch Nackentransparenzmessung, Nackendichtemessung oder NT-Screening genannt, ist eine optionale, nicht-invasive pränatale Untersuchung im Rahmen des Erst-Trimester-Screenings. Der Ablauf ähnelt einer gängigen Ultraschalluntersuchung in der Schwangerschaft, sie erfolgt je nach Lage des Kinds über die Bauchdecke (abdominal) oder über die Vagina (vaginal). Für eine Nackenfaltenmessung ist allerdings ein besonders hochauflösendes Ultraschallgerät erforderlich.

In der Ultraschalluntersuchung wird die Dicke des Nackenfaltenbereichs des ungeborenen Kindes gemessen, den man auf dem Ultraschallbild als transparente Fläche erkennen kann. Das Flüssigkeitspolster ist normalerweise sehr dünn, mit einem Normbereich zwischen 1 und 2,5 Millimetern. Ab circa drei Millimetern gilt die Nackenfalte als verdickt, bei über sechs Millimetern als stark verdickt. Liegt eine Verdickung vor, sprechen Ärzte auch von einem Nackenödem. Das Ödem kann (muss aber nicht zwangsläufig) erste Hinweise auf eine Chromosomenstörung, zum Beispiel Trisomie 21 (Down-Syndrom), 18 oder 13, oder auf andere Erkrankungen geben, wie z.B. Herzfehler, Fehlbildungen von Lungen oder Nieren, gestörte Lymphdrainage, fetale Anämie, Stauung von Gefäßen an Hals oder Kopf, Zwerchfell- oder Nabelbruch. Die Messung dauert nur etwa fünf bis zehn Minuten.

Der Arzt berechnet in der Untersuchung mithilfe einer speziellen Software und unter Berücksichtigung weiterer Eckdaten, wie dem Alter der Schwangeren, der genauen Schwangerschaftsdauer und der Scheitel-Steiß-Länge des Kindes, die statistische Wahrscheinlichkeit für Fehlbildungen und Erkrankungen. Je mehr Faktoren in die Berechnung einfließen, desto zuverlässiger ist das Ergebnis.

Wie aussagekräftig ist das Ergebnis der Nackentransparenzmessung?

Die Nackenfaltenmessung gilt als verlässlichste nicht-invasive Methode der Pränatalmedizin.

Dennoch bestimmt diese Messung allein nur eine statistische Wahrscheinlichkeit für eine Chromosomenstörung, erlaubt aber keine eindeutige und gesicherte Diagnose. Daher ganz wichtig: Eine verdickte Nackenfalte bzw. ein hoher Ergebniswert allein bedeuten nicht zwingend, dass das Kind mit einer Erkrankung oder mit Chromosomenschäden zur Welt kommt.

Es kann es durchaus vorkommen, dass sich der Verdacht auf eine Chromosomenstörung als unbegründet herausstellt, und viele Kinder mit auffälligen Messwerten kommen gesund und ohne Beeinträchtigungen zur Welt. Umgekehrt werden auch Kinder mit genetischen Störungen oder anderen Erkrankung geboren, die Messwerte im Normalbereich aufgewiesen haben.

Bei auffälligen Befunden in der Nackentransparenzmessung werden in der Regel weitere Untersuchungen durchgeführt, um die Verdachtsdiagnose zu untermauern oder zu widerlegen, z.B. ein Fein- oder 3D-Ultraschall, nicht-invasive Bluttests, bei dem die kindliche DNA im Blut der Mutter untersucht wird oder invasiven Methoden, wie eine Fruchtwasseruntersuchung (Amniozentese) oder Chorionzottenbiopsie (Plazenta-Punktion).

Auf jeden Fall ist es ganz entscheidend, dass Eltern ausführlich von einem Facharzt beraten werden, der ihnen die Ergebnisse einer Nackenfaltenmessung, deren Verlässlichkeit und Aussagekraft im Detail erklärt.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für eine Nackenfaltenmessung?

Die Untersuchung kann zwischen der 11 und die 13 Schwangerschaftswoche durchgeführt werden, aber die besten und deutlichsten Ergebnisse erhält man in der 12. Schwangerschaftswoche. Nach der 14. SSW ist die Nackentransparenzmessung nicht mehr aussagekräftig, da sich die Flüssigkeitsansammlung zurückbildet.

Sollten man eine Nackenfaltenmessung vornehmen lassen oder nicht?

Du und dein Partner solltet euch in Ruhe damit auseinandersetzen, was ein möglicher genetischer Defekt oder eine andere Erkrankung für euch bedeuten würden, wie euer Umgang damit aussähe, und ob ein Schwangerschaftsabbruch für euch überhaupt infrage käme. Auch solltet ihr euch Gedanken machen, ob ihr bei Verdacht auf eine Fehlbildung weitere Untersuchungen in Kauf nehmen würdet, z.B. invasive Methoden, die gewisse Risiken für das Kind im Mutterleid bergen können. Nehmt euch ausreichend Zeit, um gemeinsam eine Entscheidung für oder gegen ein NT-Screening zu treffen. Am besten durchdenkt ihr zusammen alle Pros und Contras der Untersuchung. Hilfreich kann dabei auch eine professionelle Beratung zum Thema genetische Erkrankungen sein, z.B. durch einen Facharzt.

In der Regel wird der Arzt zu einer Nackentransparenzmessung raten, wenn eine Risikoschwangerschaft (z.B. Mütter ab 35, frühere Fehlgeburten) vorliegt oder andere Risiken für eine kindliche Fehlbildung (z.B. eine familiäre Veranlagung für Chromosomenfehler) bestehen.

Welche Risiken hat die Nackenfaltenmessung?

Als Ultraschalluntersuchung ist die Nackenfaltenmessung praktisch risikofrei und ungefährlich für Mutter und Kind.

Kritisiert wird aber an der Messung, dass sie keine sicheren Diagnosen, sondern nur Wahrscheinlichkeiten angeben kann, so dass ein Risiko für falsch-positive und falsch-negative Ergebnisse besteht. Zum Beispiel beunruhigen sich werdende Eltern unter Umständen grundlos und ihr Baby kommt gesund zur Welt, obwohl eine verdickte Nackenfalte festgestellt wurde. Denn ein verdickter Nackenbereich kann auch noch andere, harmlose Ursachen haben und sich über die Zeit zurückbilden.

Weiter wird am NT-Screening auch das Risiko für fehlerhafte Messungen bemängelt. Denn die Verlässlichkeit eines Schätzwertes bei einer Nackenfaltenmessung hängt auch von der Ausbildung und Erfahrung des untersuchenden Arztes, der Bildqualität und Auflösung des Ultraschallgeräts, dem Zeitpunkt der Untersuchung und der Position und Größe des Kindes.

Die Nackentransparenzmessung vornehmen dürfen nur Gynäkologen mit einer Zusatzausbildung in Pränataldiagnostik, die jährlich erneuert werden muss. Zentren für Pränataldiagnostik sind bei der Messung oft besonders sachkundig und technisch gut dafür ausgestattet.

Was kostet eine Nackenfaltenmessung?

Die Nackentransparenzmessung zählt in Deutschland nicht zu den Routine-Vorsorgeuntersuchungen, sondern sie wird auf Wunsch der werdenden Eltern durchgeführt. Manche Krankenkassen zahlen etwas zu den Kosten dazu, nur einige übernehmen die gesamte Untersuchung. Der Preis variiert stark, auch zwischen verschiedenen Bundesländern. Er liegt zwischen 20 und 50 Euro für die alleinige Untersuchung der Nackendichte und zwischen 150 und 250 Euro für das gesamte Erst-Trimester-Screening, bei dem die Nackenfaltenmessung ein wichtiger Bestandteil ist.

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Die Nackenfaltenmessung ist eine spezielle Ultraschalluntersuchung, bei der die Dicke der Nackenfalte und dadurch das Risiko für bestimmte Chromosomenstörungen und Erkrankungen ermittelt werden.

MeinSpatz Gezwitscher

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) stellt werdenden Eltern kostenlose Broschüren mit den wichtigsten Informationen rund um das Thema Pränataldiagnostik und dem Umgang mit einem auffälligen Befund zur Verfügung.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.