Schwanger im Job? Das sind deine Rechte

MITTWOCH, 31.10.2018

Du bist überglücklich, doch wie beeinflusst deine Schwangerschaft dein Berufsleben? Solltest du es gleich erzählen oder lieber erstmal verschweigen?

Als werdende Mama hast du im Job natürlich besondere Rechte. Das regelt das Gesetz zum Schutz von Müttern bei der Arbeit, in der Ausbildung und im Studium, kurz: Mutterschutzgesetz oder MuSchG. Es wurde 2017 überarbeitet und enthält seitdem einige Neuerungen. In unserem Artikel "Neuer Mutterschutz – das ändert sich jetzt für Schwangere" kannst du nachlesen, welche das sind. Vor dem ärztlich attestierten, voraussichtlichen Geburtstermin beträgt der Mutterschutz sechs Wochen. In dieser Zeit darf dein Arbeitgeber dich nicht mehr beschäftigen, es sei denn, du möchtest ausdrücklich noch länger arbeiten und es besteht keine Gefahr für dich und dein Baby. Nach der Geburt hingegen ist ein vorzeitiger Wiedereinstieg vor Ende der gesetzlichen Mutterschutzfrist absolut verboten. Und glaub uns, die Zeit wirst du auch brauchen, um dich an deine neue Rolle als Mami zu gewöhnen.

Das Wohl von Mutter und Kind steht an erster Stelle

Jetzt genießt du an deinem Arbeitsplatz besonderen Schutz. Jede "unverantwortbare Gefährdung", wie es im Gesetz heißt, muss ausgeschlossen werden. Dazu zählt ein erhöhtes Unfallrisiko im Umgang mit Maschinen oder auf Baustellen, Schutz vor giftigen Stoffen und radioaktiven Strahlen, vor anstrengender körperlicher Arbeit, vor Hitze, Kälte, Nässe und Erschütterungen. Auch zu langes Stehen gilt als Risikofaktor. Nach der 21. Woche darfst du nicht länger als vier Stunden am Stück stehend arbeiten. Im Personentransport, zum Beispiel als Stewardess oder Busfahrerin, dürfen Schwangere ab dem vierten Monat nicht mehr beschäftigt werden.

Ausgleichstag fürs Wochenende

Auch Nachtschichten, Überstunden und Wochenendarbeit sind verboten. Zwischen 20 Uhr und 6 Uhr darfst du in der Regel nicht arbeiten. Solltest du zwischen 20 Uhr und 22 Uhr arbeiten wollen, dann wird über ein behördliches Genehmigungsverfahren geprüft, ob eine Ausnahme gemacht wird. Im Prinzip muss jetzt dein Arzt bestätigen, dass durch diese Arbeitszeiten keine Gefahr für Mutter und Kind besteht. In diesem Fall dürfen etwa Künstlerinnen sogar bis 23 Uhr auf die Bühne. Musst du doch mal eine Wochenendschicht einlegen oder deinen Feiertag opfern? Dann geht das nur, wenn dir dein Arbeitgeber "im Anschluss an eine ununterbrochene Nachtruhezeit von mindestens elf Stunden einen Ersatzruhetag gewährt." (§6 MuSchG). Dein Chef darf dir diese Schichten übrigens nur aufs Auge drücken, wenn du dich ausdrücklich dazu bereit erklärst.

Schweigen oder nicht? Ab wann muss dein Chef Bescheid wissen?

Sagen wir mal so: Du bist nicht verpflichtet, deinem Arbeitgeber von deiner Schwangerschaft zu erzählen. Das Mutterschutzgesetz spricht hierzu lediglich eine Empfehlung aus: "Eine schwangere Frau soll ihrem Arbeitgeber ihre Schwangerschaft und den voraussichtlichen Tag der Entbindung mitteilen, sobald sie weiß, dass sie schwanger ist." (§15 MuSchg) Die meisten Frauen warten die ersten 12 SSW lieber ab, bis die Schwangerschaft stabil ist. Das darfst du natürlich auch. Andererseits ist es in vielen Fällen auch hilfreich, deinem Chef bald von deinem Baby zu erzählen. So versteht er besser, wenn du in den ersten Monaten vielleicht nicht hundertprozentig leistungsfähig bist, weil dir Übelkeit zu schaffen macht oder die Müdigkeit dich überfällt. Arbeitest du zum Beispiel als Erzieherin, solltest du deinen Arbeitgeber so schnell wie möglich informieren: "Kindergartenkinder werden häufiger krank als ältere Kinder oder Erwachsene. Daher sind Beschäftigte, die mit kleinen Kindern arbeiten, durch den engen Kontakt und durch Tätigkeiten, wie Windeln wechseln oder Begleitung beim Toilettengang einem besonders hohen Infektionsrisiko ausgesetzt, wenn sie nicht aufgrund von Impfungen oder einer Vorerkrankung immunisiert sind. (…) Solange die serologische Blutuntersuchung nicht ergeben hat, dass die Erzieherin über ausreichenden Immunschutz verfügt, darf sie nicht im Kinderdienst tätig sein", erklärt die GEW, die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft.

Eine zeitnahe Mitteilung ist für dich von Vorteil

Erzählst du deinem Chef recht bald von deiner neuen Situation, sicherst du damit auch deine besonderen Rechte im Job. Dein Arbeitgeber darf dich zum Beispiel während der Schwangerschaft bis vier Monate nach der Entbindung nicht kündigen. Der Kündigungsschutz besteht sogar, wenn du deinem Arbeitgeber noch gar nicht mitgeteilt hast, dass du ein Kind erwartest. Setzt du ihn nach der Kündigung innerhalb von zwei Wochen von der Schwangerschaft in Kenntnis, wird die Kündigung unwirksam. In manchen Fällen verlängert sich diese Frist sogar, wenn du etwa selbst noch gar nichts von deinem Nachwuchs wusstest. Ausschlaggebend ist: Warst du zum Zeitpunkt der Entlassung schwanger oder nicht? Und ja, das gilt auch während der Probezeit. Sollte deine Kündigung jedoch nichts mit der Schwangerschaft zu tun haben – etwa, wenn ein Produktionszweig geschlossen wird und alle Mitarbeiter entlassen werden – kann dein Chef dir rechtswirksam eine Kündigung aussprechen. Allerdings muss er diese erst von den entsprechenden Landesbehörden genehmigen lassen und nachweisen, dass deine Schwangerschaft für seine Entscheidung keine Rolle spielt.

Darf dir der Chef Projekte wegnehmen?

Kurz gesagt: ja. Das klingt erstmal heftig, allerdings geht es dabei in erster Linie um dich und dein ungeborenes Kind. Die Regelung umfasst vor allem Projekte, die körperlich zu anstrengend sind, aber auch solche, die viele Überstunden erfordern und Stress produzieren. Das Problem: Gerade die Gründe Stress und Zeit können natürlich auch vorgeschoben werden. Grundsätzlich ist es sicher das Beste, offen mit dem Thema umzugehen. Jeder Betrieb, jeder Chef und jedes Kollegenteam funktioniert anders. Das Spektrum reicht dabei von kollegialer Unterstützung bis hin zu ausgefahrenen Ellenbogen. Und auch, wenn das Recht zum Glück in den allermeisten Fällen auf deiner Seite ist, müssen Schwangere sicher abwägen, welcher Zeitpunkt für sie am besten ist und welche Rechte sie zur Not einklagen. In vielen Fällen ist der diplomatische Weg vielleicht sogar der bessere. Wir sind in Deutschland auf einem guten Weg: Das Mutterschutzgesetz wird regelmäßig im Sinne der Frauen angepasst, genauso wie Elternzeit und Teilzeitregelungen. Fest steht aber auch, dass es immer noch Firmen gibt, die Frauen mit Kinderwunsch ungern einstellen und keine flexiblen Arbeitszeiten für junge Mütter gewähren. Dabei sollten Job und Familie sich nicht ausschließen, zumal Mamis mit zusätzlichen Skills in Sachen Organisation und Stressresistenz eine echte Bereicherung für ein Team sind.

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Schwanger im Job, ist oft nicht so einfach: Wie lange darf ich jetzt arbeiten? Wann sage ich es meinem Chef? Und wie ist das eigentlich mit dem Kündigungsschutz?

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mami aus der Redaktion erlitt bei ihrem früheren Arbeitgeber in der SSW 16 eine Fehlgeburt. Ab der SSW 13 gab es Komplikationen, und sie erzählte niemandem von der Schwangerschaft oder ihren Ängsten. Für sie war es schwierig, die Fassade aufrechtzuerhalten. Bei der zweiten Schwangerschaft informierte sie ihren Vorgesetzten bereits in der fünften Woche darüber und erzählte die Vorgeschichte mit Bitte um Vertraulichkeit. In diesem Fall ein großes Plus für sie: Der Chef achtete besonders auf sie, ließ sie keine Überstunden machen und bewahrte trotzdem Stillschweigen. Eine echte Hilfe, denn bei Übelkeit oder Kopfweh durfte sie ohne lange Diskussion nach Hause. Allerdings war das auch ein echter Glücksfall.