Schwanger und kein Babybauch?

FREITAG, 10.08.2018

Ich war im fünften Monat und kein Mensch kam auf die Idee, dass ich ein Baby erwartete. Langsam machte ich mir Sorgen um mein Kind …

Es war absoluter Zufall, aber einfach genial: Meine beste Freundin und ich wurden quasi zur selben Zeit schwanger. Die Überraschung war groß, die Freude noch größer. Von da an gab es für uns kein anderes Thema mehr. Junge oder Mädchen? Welche Namen kommen in Frage? Welche Vorsorgeuntersuchungen brauchen wir? Was hilft gegen die fiese Übelkeit? Wie läuft das mit dem Sex bei der anderen? Ich war so dankbar, dass ich mich in dieser besonderen Zeit mit meiner besten Freundin austauschen konnte. Doch auf einmal kam der Neid …

Ich bin schwanger? Warum sieht man nichts?

Ich war in der 16. Schwangerschaftswoche, drei Wochen weiter als sie. Sie hatte ihre Schwangerschaft in der 13. SSW gerade erst offiziell gemacht. Länger hätte sie es auch gar nicht mehr verheimlichen können, denn bereits jetzt war ein Mini-Bäuchlein zu sehen. Mit den richtigen Klamotten gut zu verstecken, aber es war da. Ich hingegen hatte noch nicht mal den Ansatz eines Bauches. Dabei war ich doch weiter als sie. Ich machte mir Sorgen. War mit meinem Baby alles in Ordnung? Wuchs es nicht richtig? Meine Frauenärztin beruhigte mich. Alles bestens, dem Baby geht’s gut. Es wächst normal und ist gut versorgt. Die Sache mit dem Bauch sei von Frau zu Frau unterschiedlich. Manche bekommen eben sofort eine große Kugel, andere sind bis zum siebten Monat quasi unsichtbar schwanger. Ich habe schon immer viel Sport gemacht, ganz ordentliche Bauchmuskeln und zum Glück auch ein gutes Bindegewebe. Laut meiner Ärztin war das auch ein Grund für meinen nicht sichtbaren Bauch. Die Bauchdecke gibt bei mir einfach nicht so schnell nach. Ich solle mich doch freuen, mein Körper sei fit und stark, und ich würde sicher nach der Schwangerschaft schnell wieder mein Ausgangsgewicht erreichen. Außerdem müsste ich kein Geld für Umstandsmode ausgeben. Kind gesund, Mutter gesund, also alles tipptopp. Und ich? Ich wollte nur noch heulen.

Ich wünschte mir die Riesenkugel

Klar war ich glücklich, dass es meinem Baby gut ging. Aber ich wollte doch diesen wunderbaren Babybauch, den ich in allen Artikeln und Büchern zum Thema Schwangerschaft präsentiert bekam. Ich war mittlerweile in der 20. SSW und passte immer noch in meine Jeans Größe 36. Meine Freundin trug in der 17. SSW bereits süße Umstandsmode. Wenn wir mit der U-Bahn fuhren und sie ein eng anliegendes Oberteil trug, boten andere Fahrgäste ihr einen Platz an. Im Café fragte die Kellnerin, wann es denn so weit wäre. Schlenderten wir gemeinsam durch die Fußgängerzone, lächelten andere Schwangere sie mit diesem "Yeah, Schwester"-Blinzeln an. Niemand kam auf die Idee, dass ich ebenfalls ein Baby in mir trug. Ich war sooo neidisch auf sie. Ich fand große runde Schwangerschaftskugeln schon immer wunderschön. Ich wollte auch als Schwangere wahrgenommen werden. Nur wie, wenn sich da einfach nichts wölbte?

Mein Baby war gesund – ich fühlte mich undankbar

So langsam war auch meine Freundin genervt. Wir kannten uns einfach zu gut und sie merkte recht schnell was los war. Als ich ihr eines Tages vorheulte, dass ich auch endlich einen großen Babybauch will, platzte es aus ihr heraus: "Du bist so undankbar. Du bist endlich schwanger, dein Baby ist gesund, dein Körper ist gesund und stark und jetzt heulst du hier rum, weil dein Bauch nicht wächst? Deine Probleme will ich haben, mir passt nichts mehr. Jetzt reiß dich zusammen!" Autsch. Das hatte gesessen. Aber sie hatte Recht, und ich musste es laut und deutlich hören. Ich wollte sie erstmal zwei Tage nicht sehen, dann musste ich sie doch anrufen. Denn endlich erkannte meine Frauenärztin auf dem Ultraschall das Geschlecht des Babys. Ein Mädchen! Als ich meiner Freundin davon erzählte, hatte ich wieder Tränen in den Augen. Diesmal aber vor Glück. In meinem Bauch wuchs ein gesundes kleines Mädchen heran.

Nur noch genießen

Ich war in 24. SSW. Ich hörte auf, mich auf die Größe meines Bauches zu konzentrieren und begann stattdessen mit dem Nestbau. Im Babyfachgeschäft fragte mich eine Verkäuferin vorsichtig, ob es nicht noch etwas zu früh für den Großeinkauf wäre. Als ich ihr erzählte, dass ich bereits im sechsten Monat sei, war sie baff. "Wow, so eine Figur hätte ich damals auch gerne gehabt." Ich lächelte und sagte nichts. Langsam war ein kleines Bäuchlein zu sehen, das täglich ein bisschen größer wurde. Von der Kugel war ich weit entfernt, doch eines Morgens wachte ich auf, und plötzlich war mein Bauch ein kleiner Fußball. Zwei Wochen vor der Entbindung schob ich dann eine doch recht stattliche Kugel vor mir her. Puh, war das anstrengend. Aber eben auch wunderschön, und ich genoss es sehr. Alle konnte sehen, dass ich schwanger war, und auch mir wurde nun ein Platz in der U-Bahn angeboten. Dass ich allerdings kurz vor der Geburt stand, hätte wohl niemand vermutet. Ich war optisch so siebter Monat, während meine Freundin aussah, als würde sie auf der Stelle entbinden.

Unsere kleinen Mäuse kamen völlig gesund auf die Welt. Seitdem schlendern wir oft durch die Stadt, gehen Eis essen oder gemeinsam Windeln kaufen. Wir stillen nebeneinander und tauschen uns über unsere Zwerge aus. Jetzt ist meine Freundin neidisch, denn ich hatte meine alte Figur nach fünf Wochen wieder - ohne etwas dafür zu tun. Sie trägt noch ein paar Pfunde mehr mit sich herum, die ihr aber ganz wunderbar stehen. Ich habe gelernt, dass jede Frau und jede Schwangerschaft anders ist. Einzigartig. Und dass es nicht darauf ankommt, wie groß unser Babybauch ist, und wie schnell wir danach wieder in die alten Klamotten passen. Oder eben auch nicht. Alles, was zählt ist, dass unsere Babys gesund sind und wir Mamis uns unterstützen. Hätte ich gern einen großen Babybauch gehabt? Ja natürlich! Aber vielleicht klappt es ja bei Baby Nummer zwei. Das ist nämlich schon unterwegs …

Schwanger und kein Babybauch? pin

Unsere Autorin hatte sich auf ihre Babykugel gefreut. Nur die wollte einfach nicht erscheinen. 

MeinSpatz Gezwitscher

Auch hier in der Redaktion sind die Babybäuche ganz unterschiedlich. Eine Mama wurde fünf Monate nach ihrem ersten Kind wieder schwanger. Bauchdecke und Bindegewebe waren von der ersten Schwangerschaft noch so weich und dehnbar, dass sie Baby Nummer zwei bereits in der 10. SSW nicht mehr verheimlichen konnte. Bei einer anderen sehen wir im 6. Monat nur eine zarte Mini-Wölbung. Über die Größe oder das Wohlbefinden des Babys sagt das aber überhaupt nichts aus.