Schwanger: Wann soll ich meinen Arbeitgeber informieren?

MITTWOCH, 06.03.2019 Andrea Huber

Ein Erfahrungsbericht: Ich wartete und hatte dann eine Fehlgeburt – in der Firma wusste niemand Bescheid oder konnte meine Gefühlslage nachvollziehen. Von der zweiten Schwangerschaft erzählte ich deswegen gleich.

Ich war in der SSW 16, als meine erste Schwangerschaft mit einem geplanten Abbruch beendet werden musste. Das Mädchen war nicht lebensfähig. In meiner Firma wusste niemand von meiner Schwangerschaft. Das Problem war allerdings, dass von der ersten vorsichtigen Diagnose meines Frauenarztes bis zum endgültigen Befund und dem Abbruch gut eine Woche verging, in der ich täglich meinen Rechner an meinem Platz aufklappte und so tat, als würde ich konzentriert arbeiten. Zu meinem großen Glück gab es in dieser Zeit keine superwichtigen Kunden zufriedenzustellen, es war recht ruhig und ich konnte mich hinter meinem Bildschirm verstecken. Aber auf dem Weg zur Toilette, in der Mittagspause und auf dem Bahnsteig der S-Bahn fragten sich meine Kollegen sichtlich, was mit mir los war. Ich bin ein recht geselliger Mensch, rede gerne Unsinn, bin meistens gut drauf und lache viel. Die Veränderung meines Verhaltens war offenbar so auffällig, dass andere Mitarbeiter mich darauf ansprachen. Klar ging es mir schlecht, denn in den nächsten Tagen würde sich entscheiden, ob ich mein Baby behalten würde können oder nicht.

Ich wollte nicht von meiner Schwangerschaft erzählen

Ich war in der Zwickmühle. Mein Chef bemerkte die auffälligen Mängel in meiner Arbeit und die Blicke und Fragen der anderen verfolgten mich. Ich hätte so gerne darüber geredet, aber irgendwie brachte ich es jetzt nicht mehr übers Herz. Also erzählte ich einfach nur von privaten Problemen. Ich muss dazu sagen, dass ich einen ganz großartigen Chef und wunderbare Kollegen hatte. Hätten sie von meinem Problem gewusst, hätten sie mich ganz sicher nach Hause geschickt und mir befohlen die restliche Woche nur an mich zu denken. Aber ich war da und ich war nicht ich selbst und auch den besten Kollegen fällt so eine Situation schwer. Dann bekamen wir die Diagnose, ich musste in die Klinik und war danach zwei Wochen krank geschrieben. Allerdings genügen 14 Tage nicht mal annähernd, um so ein Erlebnis zu verarbeiten. Also ging ich wieder in die Arbeit und erzählte etwas von irgendeiner Bauch-OP. Ich fand, nun war es auch schon zu spät für die Wahrheit.

Wieder schwanger? Diesmal mache ich es ganz anders!

Als ich nach einem Jahr wieder schwanger wurde, wollte ich es ganz anders machen. Ich wartete den ersten Ultraschall ab und bat dann sofort meinen Chef um ein Gespräch. Ich war erst in der fünften Woche, aber mir war wichtig, dass jemand Bescheid wusste. Ich hatte Angst und ich war nach der Fehlgeburt ein wenig verunsichert. Bei jedem kleinen Ziehen dachte ich: "Ich verliere das Baby." Also beschloss ich meinem Vorgesetzten alles zu erzählen. Auch von der ersten Schwangerschaft, von meinen Ängsten und Sorgen. Ich hatte wahrscheinlich Glück, denn er reagierte einfach wunderbar. Er war selbst Papa und bat mich, sofort Bescheid zu sagen, wenn ich mich schlecht fühle. Ich solle mich ausruhen oder sofort nach Hause gehen oder erst gar nicht zur Arbeit kommen. Ich muss zugeben, so einen Chef hat nicht jeder. Verständnisvoll und einfühlsam fragte er mich täglich nach meinem Befinden und als ich mich plötzlich unwohl fühlte und Angst hatte, schickte er mich ohne Umschweife zu meinem Arzt. Ich war sehr froh, es ihm so früh gesagt zu haben. Denn so hatte ich Rückendeckung auf ganzer Linie.

Mal ganz abgesehen von der eigenen persönlichen Erfahrung. Es gibt ganz klare Regeln und Rechte, die dein Arbeitgeber während deiner Schwangerschaft einhalten muss. 

SSW 12: Jetzt dürfen es alle wissen

Nach dem Ende der zwölften Schwangerschaftswoche fühlte ich mich wunderbar. Meinem Baby ging es gut, ich war total positiv und zuversichtlich. Also erzählte ich beim nächsten Redaktionsmeeting vor versammelter Mannschaft von meiner Schwangerschaft. Die Kollegen waren wunderbar. Sie freuten sich alle, fragten mich wie es mir geht, kümmerten sich um mich und sahen zu, dass ich alles hatte was ich brauchte. Wäre ich bei unserem zweiten Kind nicht noch in Elternzeit gewesen, hätte ich wohl manchen Leuten noch früher als in der SSW 12 davon erzählt. Viel mag aber auch daran liegen, dass wir ein sehr freundschaftliches Verhältnis untereinander pflegten – ich bin sicher, dass das nicht in jedem Betrieb so einfach ist. Für mich war es aber die beste Entscheidung überhaupt, zumindest eine Person sehr schnell von meinem wunderbaren Zustand in Kenntnis zu setzen. Es tat mir einfach gut und ich hatte das Gefühl, jemanden auf meiner Seite zu haben.

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Unsere Autorin hat ihrem Chef sehr früh mitgeteilt, dass sie schwanger war. Warum, erzählt sie in ihrem Erfahrungsbericht. 

MeinSpatz Gezwitscher

Schwanger und Selbständig – und jetzt? Wie sagst du es deinen Arbeitgebern? Schauspielerin, Sängerin und Moderatorin Jenny Winkler erzählt auf ihrem Video-Blog ichpluseins.de, wie sie das gemacht hat und wie ihre Arbeitgeber und Kunden damit umgegangen sind.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.