Schwangerschaftsdiabetes – das Wichtigste im Überblick

DONNERSTAG, 02.08.2018 Andrea Huber

Dein Zuckertest war auffällig: Diagnose Gestationsdiabetes? Wir verraten Dir, was sich jetzt für dich ändert, und warum du keine Angst davor haben musst.

Der Zuckertest gehört zu den routinemäßigen Vorsorgeuntersuchungen während deiner Schwangerschaft. Er wird meistens um die 22. SSW (je nach Vorsorgedatum) angeboten. Dazu trinkst du eine Zuckerlösung. Nach etwa einer Stunde werden deine Blutzuckerwerte gemessen. Sind sie auffällig, wird ein zweiter Test auf nüchternen Magen gemacht. Sind auch hier die Werte erhöht, heißt es ab zum Diabetologen.

Ab jetzt bist du eine Risikoschwangere

Risikoschwangerschaft – das klingt zunächst sehr beängstigend. Doch im Grunde bedeutet es nur, dass deine Schwangerschaft engmaschiger überwacht wird. Es gibt ein paar mögliche Risikofaktoren, die in einer Pressemitteilung der deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe E. V. (DGGG) zusammengefasst sind: "Die hohe Zuckermenge geht direkt auf das Baby über, das dadurch überernährt wird. Es wächst häufig zu schnell, und sein Stoffwechsel stellt sich schon vor der Geburt auf das ständige Kohlehydrat-Überangebot ein. Tritt die Erkrankung schon früh in der Schwangerschaft auf und wird nicht entdeckt, so können sich auch Fehlbildungen des Herzens entwickeln. Die Hormonsituation beim Kind verzögert außerdem die Reifung der Lungenbläschen, so dass vor allem frühgeborene Babys häufiger mit Atemnot zu kämpfen haben und beatmet werden müssen. Außerdem enthält die Fruchtblase oft zu viel Fruchtwasser. Die Gebärmutterwand wird durch das zu große Kind und die hohe Fruchtwassermenge überdehnt, so dass die Geburt oft um Wochen zu früh beginnt."

Was Mamis erwartet

Als Mama hast du ein größeres Risiko für hohen Blutdruck mit Ödemen, Nierenproblemen und der Neigung zu Krampfanfällen. Auch häufen sich Infektionen der Harnwege, die das Risiko für Frühgeburten erhöhen. Die Geburt selbst ist möglicherweise anstrengender, da dein Baby wegen der Überversorgung mit Kohlenhydraten ordentlich zunimmt. So lehnen manche Hebammen z. B. eine Hausgeburt bei Frauen mit Schwangerschaftsdiabetes ab. Vor allem aber auch um die Notfall-Versorgung der Kinder nach der Geburt sicher zu stellen. Wegen möglicher Komplikationen raten die Frauenärzte im Netz, für die Entbindung eine Klinik mit neonatologischer Intensivbetreuung aufzusuchen. ABER: Jetzt nur keine Panik. Das alles sind Worst-Case-Szenarien, die vor allem bei einem unbehandelten Gestationsdiabetes auftreten können. Ist dein Zuckertest positiv, wirst du sofort umfassend beraten und zielgerichtet betreut. So kannst du all die Risikofaktoren auf ein Minimum reduzieren und eine nahezu normale Schwangerschaft und Geburt erleben.

Mit der richtigen Behandlung keine Probleme

Als erstes wird dir dein Diabetologe eine Ernährungsumstellung empfehlen. Oft bekommen Schwangere allein dadurch ihre Werte in den Griff. Das bedeutet, dass du auf all die Lebensmittel verzichten musst, die viel Zucker enthalten (dazu zählen auch bestimmte Obstsorten wie Trauben oder Bananen) oder zu viele Kohlenhydrate wie Nudeln oder Weißmehl. Wie weit der Verzicht gehen muss, ist von Frau zu Frau unterschiedlich. Am Anfang testest du dich an verschiedene Lebensmittel heran und misst nach jedem Essen deinen Blutzucker. Dazu bekommst du ein kleines Messgerät, das prima in die Handtasche passt. Wichtig ist, regelmäßig und konsequent zu messen. Nur so bekommst du ein Gefühl für deinen Wert. Alle Werte werden in ein kleines Tagebuch eingetragen und bei jedem Arzttermin kontrolliert. Bewegung hilft außerdem, den Blutzucker zu senken, sie ist also unverzichtbar für eine gelungene Behandlung. Sprich am besten mit deinem Gynäkologen darüber, welche Sportarten für dich in Frage kommen. "Wenn eine Frau diese Maßnahmen entschieden und konsequent umsetzt, kann sie meist die Gefahren für ihr Baby und für sich abwenden", erklärt Prof. Dr. med. Birgit Seelbach-Göbel, Präsidentin der DGGG.

Wenn nichts mehr geht, hilft Insulin

Laut Frauenärzte im Netz  genügt in "85 Prozent aller Fälle zur Therapie bereits eine vollwertige, gesunde Ernährung, in 15 Prozent der Fälle muss zusätzlich Insulin gegeben werden." Gehörst du dazu, wird dein Diabetologe mit dir über eine Insulintherapie sprechen. Jetzt musst du täglich mehrere Male kleine Mengen Insulin spritzen, meist in den Oberschenkel. Wie oft und wie viel ist individuell. Die Spritze sieht aus wie ein großer Kugelschreiber mit einer kleiner Spitze. Der Pikser ist kaum zu spüren. Allerdings wird bei häufiger Insulingabe die Stelle schon mal empfindlich. Nach der Entbindung verschwindet der Schwangerschaftsdiabetes im Normalfall von allein wieder. Du darfst gleich danach wieder normal essen und auch eine etwaige Insulingabe kann beendet werden. Allerdings tragen Frauen mit Gestationsdiabetes ein höheres Risiko mit sich, innerhalb der nächsten zehn Jahre an einem Diabetes Typ II zu erkranken. Eine regelmäßige Blutzuckerkontrolle bei deinem Hausarzt ist also Pflicht. Informiere dich gut, halte dich an die empfohlene Ernährung und treibe Sport – das ist mit Sicherheit nicht einfach und erfordert viel Disziplin. Aber du schaffst das und wirst sicher auch trotz der Diagnose deine Schwangerschaft genießen.

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4 % der Schwangeren in Deutschland leiden an Gestationsdiabetes. Nach der Entbindung ist der Schwangerschaftsdiabetes meistens wieder Geschichte. Die Gefahr später an Diabetes zu erkranken ist allerdings stark erhöht.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mami aus der Redaktion litt bei beiden Schwangerschaften unter Gestationsdiabetes. Beim ersten Mal bekam sie die Werte mit einer Ernährungsumstellung und viel Bewegung in den Griff. Beim zweiten Kind musste sie trotz strengen Verzichts Insulin spritzen. Nach anfänglicher Unsicherheit wurden der neue Speiseplan, das Blutzuckerwertemessen und später das Insulinspritzen zur Routine. Sie bekam zwei völlig gesunde 3,5-Kilo-Babys und schon bald nach der Entbindung waren die Werte wieder normal. Der tollste Moment für die Mami: "Nach der Geburt im Krankenhaus ein weißes Brötchen mit Erdbeermarmelade essen. Ganz ohne schlechtes Gewissen, mit meinem gesunden Baby auf dem Arm." Übrigens: Entbunden hat sie ohne Probleme in einer Klinik ohne Kinder-Intensivstation.

Andrea Huber

Lebt mit ihren zwei kleinen Kindern und einem großen Kind, das sich ab und zu als Papa tarnt, auf dem Land. Die Jungs-Mama entspannt sich beim Schreiben in der Redaktion, denn zuhause geht es meistens sehr laut, wild und ziemlich lustig zu. Sie motzt gern mal über ihre zwei verrückten Rabauken, aber wehe wenn es ein anderer tut. Dann wird sie zur Löwenmami und brüllt zurück.