Schwangerschaftsgelüste – Was sie bedeuten

MONTAG, 19.11.2018

Heißhunger auf Nutella, Sauerkraut oder Pizza? Die Essensgelüste in der Schwangerschaft können dir sogar nutzen – wenn du sie richtig deuten lernst …

Jede Schwangere kennt dieses verrückte Verlangen nach einem ganz bestimmten Geschmackserlebnis. Zwar sind die Gelüste längst nicht so drastisch wie in Filmen oft dargestellt – zumindest kennen wir niemanden, der tatsächlich saure Gurken in Nutella taucht. Es ist aber eine Tatsache, dass es sie gibt. Doch warum eigentlich?

Dein Körper spricht zu dir

Schwangerschaftsgelüste sind ein Weg deines Körpers, deine Aufmerksamkeit auf bestimmte Nährstoffe oder Mangelerscheinungen zu richten. Ähm … Moment mal. Fast-Food-Gelage sollen einen Nährstoffmangel ausgleichen? Im Prinzip ja. Denn Fast Food ist vor allem eins: salzig. Da sich in der Schwangerschaft dein Blutvolumen erhöht, steigt auch der Nährstoffbedarf, in diesem Fall an Natrium. Heißhungerattacken auf Salziges wie Chips, Pommes oder Pizza können also ein Hinweis darauf sein, dass dein Körper einen Natriummangel ausgleichen möchte. Natürlich will dein Körper jetzt nicht unbedingt, dass du ihn mit fettigem Fast Food fütterst. Das ist auf die Dauer weder gesund für dich, noch für dein Baby. Aber da gibt es noch einen weiteren Faktor, der deine Gelüste beeinflusst: den Wohlfühlfaktor. In Zeiten, in denen wir uns unsicher und traurig fühlen oder einfach nur müde sind, verlangt unser Körper nach einem besonderen Essen für die Seele. Für die einen sind das Pommes und Chips, für die anderen Nutella oder die Lieblingsnascherei aus der Kindheit. Und die 40 Wochen deiner Schwangerschaft sind eben manchmal ganz schön nervenaufreibend: Hormonschwankungen und Zukunftsängste stehen regelmäßig auf dem Plan. Kein Wunder, dass du dich da ab und an nach ein wenig Soulfood sehnst.

Gelüste haben nichts mit deinem Kind zu tun

Viele Wissenschaftler und Psychologen beschäftigen sich mit dem Thema und finden unterschiedliche Erklärungen. Psychologin Julia Hormes von der Universität Albany im Bundesstaat New York bewertet die Heißhungerattacken allerdings eher mit gesellschaftlichen Gründen: "In der Schwangerschaft darf man seinem Heißhunger nachgeben", sagt sie gegenüber der Online-Ausgabe der "Zeit". "Das ist sozial akzeptiert und wird ja fast von einem erwartet." Spielt uns unser Unterbewusstsein etwa einen Streich? Entsprechen wir mit verrückten Gelüsten einfach unbewusst dem Bild der "typischen Schwangeren"? An unserem Baby scheint es jedenfalls nicht zu liegen, denn der Embryo braucht vor allem Eisen, Folsäure und Magnesium. "Schwangere verlangen aber selten nach Spinat und Salat, sondern fast immer nach Schokolade", stellt Hormes klar. Und noch ein Mythos hält sich hartnäckig: Schwangerschaftsgelüste würden etwas über das Geschlecht deines Kindes aussagen. Das ist aber schlichtweg falsch. Ob du dich nun nach Vanillepudding, Sahne pur oder fettigen Burgern sehnst, lässt keine Rückschlüsse auf den kleinen Mister oder die Miss zu.

Das steckt hinter den Heißhungerattacken

Hebamme Jana Friedrich erklärt auf ihrem Blog, dass die "Lust auf Schokolade mit Vitamin B Mangel oder mit einem erhöhten Bedarf an Magnesium" begründet werden kann. "Und selbst das Matjesbrötchen macht Sinn, denn Seefisch enthält für den Körper wichtige Fette." Aber auch die unbändige Lust auf Eis oder andere süße Leckereien ist nachvollziehbar. Denn durch eine erhöhte Insulinproduktion während deiner Schwangerschaft fällt dein Blutzuckerspiegel manchmal ab. Kein Wunder, dass dein Körper dir signalisiert: Zucker. Jetzt. Schnell. Natürlich darfst du deinen Attacken auch mal nachgeben. Allerdings nicht ungebremst. Dein Kalorienbedarf steigt zwar ab dem vierten Monat, allerdings nur um etwa 250 bis 300 kcal/Tag. Das entspricht in etwa einer Scheibe Brot mit Käse, einem Vollkornmüsli oder einer Breze. Du musst also nicht "für Zwei" essen. Dementsprechend solltest du deinen Gelüsten auch nicht ungebremst nachgeben – oder einfach Alternativen wählen.

Gesunde Alternativen zu Schwangerschaftsgelüsten

Wie gesagt, ab und an sind Eis mit Sahne, Nutella pur, fettige Chips und Co absolut okay. Auf Dauer solltest du aber vorsorglich versuchen, deinen Heißhunger mit gesünderen Lebensmitteln zu stillen. Die Lust auf Salziges lässt sich auch ganz wunderbar mit Oliven und sauren Gurken befriedigen. Anstatt Schokolade knabberst du beim nächsten Mal einfach getrocknete Aprikosen oder bereitest dir eine Bananenmilch zu. Spürst du die Lust auf Fett, dann versuche es doch mal mit einer reifen Avocado oder einem schönen Stück Lachs (durchgebraten). Du wirst sehen, nach ein paar Bissen verschwindet der schlimmste Heißhunger. Und wenn gar nichts mehr geht? Dann machst du es dir mit deinem persönlichen Soulfood-Favoriten auf der Couch gemütlich und genießt ganz ohne schlechtes Gewissen.

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