Toxoplasmose in der Schwangerschaft: Was du wissen solltest

MITTWOCH, 19.06.2019 Lotte L.

Was ist Toxoplasmose? Wir klären auf über die Gefahren der Infektionskrankheit, den Test, sowie Behandlungs- und Schutzmaßnahmen.

Was ist Toxoplasmose, und wie entsteht sie?

Toxoplasmose ist eine Infektionskrankheit, die durch ein einzelliges Sporentierchen (Toxoplasma gondii) verursacht wird. Der Parasit ist weltweit stark verbreitet: Ca. ein Drittel aller Menschen sind schon mit dem Erreger in Kontakt gekommen. Er lebt im Muskelgewebe von Vögeln und Säugetieren, z.B. Schweinen und Mäusen. Da er sich nur in katzenartigen Tieren geschlechtlich vermehren kann, werden Haus- und Raubkatzen als Endwirte von Toxoplasmen bezeichnet. Frisst z.B. eine Katze eine infizierte Maus, wandern die Parasiten in den Darm und bilden dort Eier. Diese werden mit dem Kot ausgeschieden, reifen heran und werden infektiös. Die Erreger können lange im Boden überleben und durch Wind und Wasser weit verbreitet werden.

Wie wird Toxoplasmose übertragen?

Besonders hoch ist die Ansteckungsgefahr für Menschen durch den Genuss von rohem oder unzureichend gegartem Fleisch. Ebenso geht eine Infektionsgefahr von ungewaschenem rohem Gemüse und Obst aus. Auch bei der Gartenarbeit oder beim Spielen im Sand kann man mit den Toxoplasmen in Berührung kommen. Natürlich kann auch der direkte Kontakt mit Katzenkot ansteckend sein. Obwohl die Katze als Überträgerin der Krankheit weit bekannt ist, geht das größte Risiko von der Nahrung und von im Erdboden lagernden Parasiten aus. In Mitteleuropa sind infizierte Eier nur in einem sehr geringen Anteil im Katzenkot nachweisbar (circa 1%).

Warum ist Toxoplasmose in der Schwangerschaft so gefährlich?

Toxoplasmose ist normalerweise eine harmlose Infektionskrankheit, die oft unbemerkt abläuft. Vereinzelt kann es zu grippeartigen Beschwerden kommen, wie Erschöpfung, geschwollenen Lymphknoten, Gelenk- oder Kopfschmerzen. Einmal mit Toxoplasmose infiziert, ist man sein Leben lang immun gegen den Parasiten.

Steckt sich jedoch eine schwangere Frau zum ersten Mal mit dem Erreger an, kann das für den ungeborenen Fötus sehr gefährlich werden, da die Mutter noch keinerlei Abwehrkörper entwickelt hat. Auch das Immunsystem des Fötus ist noch nicht funktionstüchtig, so dass die Toxoplasmen ungehindert in den Kreislauf des Kindes gelangen können. Erfolgt eine Infektion im ersten Trimester der Schwangerschaft, kann es zur Fehlgeburt oder zu schweren Beeinträchtigungen des Embryos kommen, z.B. zu einem Wasserkopf oder zu Gehirnverkalkung. Spätere Ansteckungen können Frühgeburten, Schwellung von Leber und Milz oder Lungenveränderungen bedingen. Im schlimmsten Fall kommt es zu Fehl- oder Totgeburten. Kommt ein infizierter Säugling zunächst scheinbar gesund zur Welt, können noch nach Jahren Symptome auftreten, zum Beispiel Gehirn- oder Augenschäden.

Wie hoch ist das Risiko einer Ansteckung?

Die gute Nachricht: die Wahrscheinlichkeit, sich in der Schwangerschaft mit Toxoplasmose anzustecken, ist eher gering. Laut einer Studie infizieren sich in Deutschland jährlich ca. 6.400 schwangere Frauen erstmals mit Toxoplasmose, das entspricht etwa 1 %. Auch wichtig zu wissen: Eine Infektion geht nicht immer auf das ungeborene Kind über. Sie wird nur in einem Fünftel der Fälle auf den Embryo übertragen. Dem Robert Koch-Institut (RKI) werden jedes Jahr zwischen 6 und 23 Fälle einer pränatalen Infektion des Fötus gemeldet. Die Dunkelziffer wird aber wesentlich höher geschätzt. Toxoplasmose gehört zu den meldepflichtigen Infektionskrankheiten.

Wie wahrscheinlich die Übertragung ist und welche Folgen sie hat, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem vom Zeitpunkt der Ansteckung, dem Immunsystem der Schwangeren, und der Art und Anzahl der Parasiten. Mit der Dauer der Schwangerschaft nimmt einerseits die Wahrscheinlichkeit der Ansteckung des Fötus zu, andererseits nimmt die Schwere der zu erwartenden Schädigung ab.

Wie kann ich mich auf Toxoplasmose testen lassen?

Du kannst zu Beginn der Schwangerschaft testen lassen, ob du gegen Toxoplasmose immun bist. In Deutschland übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Bluttest (ca. 14-16 Euro) allerdings nur, wenn ein begründeter Verdacht auf eine Infektion mit Toxoplasmose vorliegt.

Ist der Bluttest positiv ist, enthält dein Blut Antikörper. Meistens bedeutet das, dass du immun bist und dein Baby damit geschützt ist. In seltenen Fällen kann es aber heißen, dass du dich in der Schwangerschaft mit Toxoplasmose infiziert hast. Ein weiterer Bluttest kann bestimmen, ob aktuell eine Infektion vorliegt oder sie in der Vergangenheit stattfand.

Ist der Bluttest negativ ist, zeigt er, dass du noch nie eine Toxoplasmose hattest und somit auch nicht immun bist. In diesem Fall muss der Test in achtwöchigen Abständen wiederholt werden, um eine mögliche Neuinfektion zu entdecken.

Falls du dir Sorgen über eine Toxoplasmose-Infektion in deiner Schwangerschaft machst, lass dich unbedingt von deinem Arzt beraten. Viele Ärzte empfehlen den Bluttest!

Wie kann man Toxoplasmose behandeln?

Noch eine positive Nachricht: Toxoplasmose kann man behandeln. Wenn du dich während deiner Schwangerschaft erstmals mit Toxoplasmose infiziert hast, wird dir dein Arzt wahrscheinlich zu einer Behandlung mit Antibiotika, Antiparasitika (Medikamente gegen Parasiten) oder einer Kombination aus beiden raten. Durch eine frühzeitige, gezielte Behandlung kann verhindert werden, dass sich das ungeborene Kind ansteckt und man kann schweren Beeinträchtigungen entgegenwirken.

Wie kann ich mich vor Toxoplasmose schützen?

Du solltest in der Schwangerschaft bestimmte Infektionsquellen gezielt meiden:

Ernährung

  • Verzichte unbedingt auf rohes Fleisch (z.B. Mett-, Teewurst oder Rohschinken)!
  • Erhitze Fleisch mehrere Minuten lang über 70°C, denn der Parasit lässt sich durch ausreichendes Kochen oder Braten zuverlässig abtöten.
  • Gute Küchenhygiene ist wichtig: Reinige Arbeitsflächen, Schneidbrettchen und Messer nach dem Kontakt mit Fleisch immer gründlich unter heißem Wasser.
  • Obst und Gemüse solltest du vor dem Verzehr gründlich waschen, schälen oder kochen. Lebensmittel, denen Erde anhaftet (z.B. Kartoffeln), lagerst du am besten getrennt von anderen Nahrungsmitteln.

Kontakt mit Katzen

  • Es ist nicht erforderlich, dass du wegen der Gefahr einer Toxoplasmose deine Katze abschaffst. Du solltest aber darauf verzichten, sie zu küssen, und die Hände nach dem Streicheln gut waschen.
  • Das Katzenklo muss täglich mit Handschuhen und mit heißem Wasser gereinigt werden. Idealerweise sollte die Reinigung von einer anderen Person übernommen werden.
  • Füttere deine Katze nicht mit rohem Fleisch, das infiziert sein könnte, sondern gib ihr nur Dosen- oder Trockenfutter.
  • Du kannst deine Katze auch auf Toxoplasmose testen lassen und sie bei positivem Ergebnis vorsichtshalber für die Zeit der Schwangerschaft ausquartieren.

Infizierte Erde

  • Trage bei der der Gartenarbeit grundsätzlich Gummihandschuhe!
  • Hände solltest du unbedingt regelmäßig waschen, besonders nach der Arbeit draußen oder nach dem Besuch von einem Sandspielplatz.
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Toxoplasmose ist normalerweise eine harmlose Infektionskrankheit, die durch einzellige Parasiten verursacht wird. Einmal infiziert sind Betroffene lebenslang gegen eine weitere Ansteckung immun.

MeinSpatz Gezwitscher

Der Test auf Toxoplasmose ist freiwillig und wird nicht automatisch von der Krankenkasse bezahlt. Doch was gehört eigentlich zu den Standarduntersuchungen während der Schwangerschaft? Dieser Artikel gibt einen Überblick über alle Tests in der Vorsorge.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.