Ab wann wird Vormilch gebildet?

MITTWOCH, 25.12.2019 Lotte L.

Viele Schwangere sind irritiert, wenn lange vor der Geburt plötzlich Milch aus ihrer Brust austritt. Doch dieser frühe Milcheinschuss ist ganz natürlich und bereitet den Körper auf die Stillzeit vor.

Was ist Vormilch?

Die Vormilch, auch Kolostrum genannt, ist eine Vorform der reifen Muttermilch. Sie hat eine gelblich bis orange-rötliche Farbe und eine cremig-dickflüssige Konsistenz. Das Kolostrum ist sehr nahrhaft und enthält mehr Proteine als die spätere Muttermilch. Zugleich ist es arm an Fetten und Kohlenhydraten und daher für den Säugling leicht verdaulich. Vormilch ist auch reich an Mineralien, Vitaminen und Antikörpern, die wichtig für den Aufbau des Immunsystems sind, und das Neugeborene vor Infektionen und Magen-Darm-Erkrankungen schützen. Durch diese erste Milch erhält das Baby eine immunologische Erstausstattung, auch als Nestschutz bezeichnet.

Aufgrund seiner abführenden Wirkung regt Kolostrum zudem den ersten Stuhlgang des Babys nach der Geburt an, das sog. Kindspech (Mekonium). Außerdem begünstigt es die Ausscheidung von Bilirubins, d.h. vom gelbem Gallenfarbstoff, einem Abbauprodukt des roten Blutfarbstoffes Hämoglobin, der bei Ansammlung im Körper zur Neugeborenengelbsucht führen kann.

Nach der Geburt wird Kolostrum in der Regel zunächst nur in geringer, aber für den kleinen Magen eines Neugeborenen ausreichender Menge produziert. Etwa zwei bis fünf Tage nach der Entbindung verändert sich dann die Zusammensetzung der Vormilch und die gewöhnliche, reifere Muttermilch wird gebildet.

Ab wann wird die Vormilch produziert?

Kolostrum kann bereits während der Schwangerschaft in geringen Mengen abgesondert werden. Denn es wird in der Regel vor der Geburt des Kindes gebildet, da sich der Körper sich auf die Versorgung des Neugeborenen einstellt. Schon in der ersten Schwangerschaftsphase, d.h. etwa ab der 6. Schwangerschaftswoche entwickeln sich Milchgänge und Milchbläschen in der Brust. Ab der zweiten Schwangerschaftshälfte, also etwas zwischen 4. und 5. Monat, sind die Milchdrüsen und Brustwarzen so weit entwickelt, dass eine Mutter auch im Falle einer Frühgeburt ihren Säugling stillen kann und die Ernährung des Kindes sichergestellt ist. Durch eine Zunahme des Hormons Prolaktin, welches eine entscheidende Rolle in der Milchproduktion spielt, wird die Brust auf die Vormilchproduktion eingestellt. Im Rahmen dieser Entwicklungsprozesse ist es nicht ungewöhnlich, dass Kolostrum in die Brust einschießt und einige Tropfen Vormilch aus den Brustwarzen der Schwangeren austreten. Werdende Mütter brauchen also nicht zu erschrecken, wenn es schon lange vor der Entbindung zur Absonderung von Muttermilch kommt. Besonders gegen Ende der Schwangerschaft kann die Vormilch dann von selber oder bei Berührungen aus der Brust fließen.

Das Hormon Prolaktin wird in der Schwangerschaft zunächst durch den hohen Östrogen- und Progesteronspiegel noch gehemmt. Die Entbindung gibt dann das Signal für den Milcheinschuss und nach der Abnahme dieser beiden Schwangerschaftshormone entfaltet Prolaktin seine ganze Wirkung.

Es ist von Frau zu Frau ganz unterschiedlich, ob überhaupt, wann und wie viel Vormilch schon während der Schwangerschaft austritt. Manche Schwangere verlieren bis zur Geburt überhaupt keine Milch, bei anderen läuft sie schon relativ früh und in größeren Mengen aus der Brust heraus. Das hängt von der Höhe des mütterlichen Oxytocinspiegel im Blut ab, einem anderen Hormon, das in der Schwangerschaft Übungswehen und den Milchfluss in den Brüsten auslösen kann.

Dabei gibt es keinen Zusammenhang zwischen der Menge des Kolostrums, das vor der Entbindung aus der Brust austritt, und der Menge der Milch, die später in der Stillzeit gebildet wird. Mit anderen Worten, wenn du in der Schwangerschaft kaum Vormilch produzierst, heißt das nicht, dass du später auch nur wenig Muttermilch für dein Baby hast, und umgekehrt.

Ein paar Tipps rund um die Vormilch

Früher wurde empfohlen, das Kolostrum in der Schwangerschaft mit der Hand auszustreichen. Davon nehmen Hebammen heutzutage Abstand, denn bei dafür empfänglichen Frauen kann eine solche Stimulation der Brustwarzen Wehen auslösen. Außerdem können starke Berührungen der Brust sogar einen Milchstau oder eine Brustentzündung begünstigen. Daher sollte man die Brust nicht kneten und keine Milch herausdrücken, bevor das Kind geboren wird.

Da Hormone die Brust in der Schwangerschaft auf die Stillzeit vorbereiten, sondern kleine Drüsen an der Brustwarze eine schützende Substanz aus, die die Haut der Brust vorm Austrocknen und vor Abschürfungen schützt. Daher werden auch Maßnahmen von Stillexperten nicht mehr empfohlen, die die Brustwarzen angeblich auf das Stillen vorbereiten und die Brust abhärten sollen, wie z.B. Bürstenmassagen oder das Abreiben mit Frotteetüchern. Diese Methoden sind nicht nur unangenehm, sie machen auch die Brustwarzen rissig und entfernen ihre wichtige Schutzschicht. Wichtig: gehe behutsam und liebevoll mit deiner Brust um und unternimm nichts, was sich unangenehm anfühlt.

Wenn Vormilch schon vor der Geburt austritt, können Stilleinlagen ganz einfach Abhilfe schaffen. Man kann entweder waschbare Einlagen aus Stoffe oder Einmaleinlagen benutzen.

Aufgrund der vielen positiven Eigenschaften der Vormilch wird es sehr empfohlen, ein Neugeborenes damit zu stillen, auch wenn das am Anfang nicht ganz einfach oder sogar schmerzhaft sein kann. Am besten reguliert sich der Milcheinschuss, wenn du dein Baby häufig anlegst.

Falls beim Stillen Schwierigkeiten auftreten, die sich über längere Zeit nicht verbessern, solltest du unbedingt einen Arzt, ein Hebamme oder Stillberaterin konsultieren. Denn diese Experten können dir dabei helfen, dass das Stillen eine positive und schöne Erfahrung für dich und dein Baby wird.

Vormilch in der Schwangerschaft: Ab wann wird sie gebildet? pin

In der Regel wird das sogenannte Kolostrum schon während der Schwangerschaft produziert. Daher kann es vorkommen, dass Frauen bereits vor der Entbindung etwas Vormilch verlieren. Das ein gutes Zeichen, dass die Milchproduktion begonnen hat.

MeinSpatz Gezwitscher

Es gehört zu den natürlichsten Dingen der Welt und kann doch so auch frustrierend und schmerzhaft sein: Das Stillen. Wir haben dir daher hier wichtige Tipps rund ums Thema zusammengestellt.

Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.