Warum es jetzt digitale Hebammen gibt

MONTAG, 27.11.2017

Wie finde ich eine Hebamme? Vor diesem Problem stehen in Deutschland viele Frauen. Warum eigentlich? Und was kann die digitale Alternative? 

Die Geburtshilfe ist ein zentraler Bestandteil des Hebammenberufs. Die Arbeitsbedingungen sind jedoch so schlecht, dass viele Hebammen diesen Teil ihres Jobs aufgeben. Vor allem die hohen Haftpflichtversicherungskosten für eine Haus- und Beleggeburt von über 7.000 Euro im Jahr, treiben viele zur Verzweiflung. Dies sorgt, zusammen mit extremen Arbeitszeiten und einer viel zu gering ausfallenden Entlohnung für unzumutbare Zustände – älteren Hebammen steigen aus, junge kommen immer weniger nach.

Hebammen in Deutschland: Top Ausbildung, wenig Anerkennung

Dabei ist eine Hebamme bei weitem nicht nur für die Geburt da. Mit Rat und Tat steht sie dir in der Schwangerschaft bei Fragen und Untersuchungen zuhause oder in verschiedenen Kursen zur Seite. Deutsche Hebammen erlangen ihr breites Wissen während einer schwierigen und breitgefächerten Ausbildung. Um diese top ausgebildeten Fachkräfte werden wir Deutschen beneidet. Angemessene Anerkennung bekommen die Hebammen dennoch selten. Doch wenn es immer weniger Hebammen gibt die Hausbesuche machen und dich auch nach der Geburt betreuen, stellt sich eine entscheidende Frage: Was tun, wenn eine Geburt ansteht?

Ist die digitale Hebamme die Zukunft?

Diesem Problem versucht Sabine Kroh nachzugehen, indem sie ihre Hebammendienste Online anbietet – dafür erntet sie jedoch auch viel Kritik. Sie selbst ist eine der Hebammen, die nicht mehr aktiv in der Geburtshilfe tätig sind. Mit ihrem Unternehmen „Call a Midwife“, bietet sie Frauen auf der ganzen Welt die Möglichkeit an, online beraten zu werden. Vor einem Jahr gründete Kroh ihr Unternehmen und beschäftigt mittlerweile zehn weitere Hebammen. Im Interview mit der „Zeit“ erklärt die 49-Jährige, dass sie auf die Idee kam, als ein befreundetes Paar aus Berlin sie fragte, ob sie nicht per Telefon einige Fragen einer Bekannten aus dem Ausland beantworten könne.

Online Anlaufstelle für Schwangere oder unfaire Zweiklassenversorgung?

Und so berät Sabine Kroh nun werdende und frisch gebackene Mütter per Skype, E-Mail oder SMS. Ihre Dienste kosten zwischen 50 und 500 Euro, je nach Leistungspaket. Bei ihren eigenen Kolleginnen kommt diese Methode jedoch nicht immer gut an. Zum einen werfen ihr einige vor, dem schon ausgedünnten Markt weitere Hebammen zu entziehen. Der Deutsche Hebammenverband wiederum sieht diese Art von kostenpflichtiger digitaler Beratung eher kritisch, weil die Preise nur für Gutverdiener zu zahlen seien.

Dessen ist sich die digitale Hebamme sehr wohl bewusst. Darum arbeitet sie daran, dass ihre Dienste von den gesetzlichen Krankenkassen bezuschusst werden. Sich selbst sehe Kroh auch nicht als Ersatz für die klassische Hebamme. Vielmehr sei sie im wirren Dschungel aus halbwahren Blogbeiträgen und YouTube-Videos eine sichere Anlaufstelle für Schwangere.

Wie finde ich doch noch eine Hebamme?

Bei all den Problemen an der Hebammenfront wird klar: die Branche ist im Umbruch. Aber eine digitale Beratung ist mit Sicherheit kein Ersatz für die Hausbesuche im Wochenbett. Deshalb such´ dir am besten schon vor der 12. Schwangerschaftswoche eine Nachsorge-Hebamme. Hast du bis zur Geburt keine Betreuung gefunden, sprich das Problem im Kreißsaal an. Viele Geburtshelferinnen in der Klinik machen auch zusätzliche Wochenbettbetreuungen. Eine weitere Chance: Die Hebammenlandesvertretungen führen teilweise Liste mit Verfügbarkeiten, z. B. in Bayern. Wenn alle Stricke reißen, können ambulante Hebammensprechstunden in Familienzentren oder Hebammenpraxen eine Notlösung sein.

Gewinner gibt es hier leider keine: Auf der einen Seite stehen die unterbezahlten und überarbeiteten Hebammen, die versuchen über die Runden zu kommen. Auf der anderen Seite die vielen Schwangeren, die auf Hilfe angewiesen sind.

Sterben Hebammen aus?

Hebammen sind gefragt. Gerade in der Nachsorge gibt es Engpässe.

MeinSpatz Gezwitscher

Hast Du keine Hebamme gefunden? Du kannst mithelfen auf diesen Notstand aufmerksam zu machen. Melde den Hebammenmangel einfach und unkompliziert hier: www.unsere-hebammen.de