Warum Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig ist

MONTAG, 17.06.2019 Lotte L.

In welcher Dosierung und wie lange sollte man das Vitamin Folsäure nehmen? Hier erfährst du alles Wichtige zur Wirkung und Anwendung des Nährstoffes.

Folsäure – was ist das überhaupt?

Folat, auch Vitamin B9 genannt, kommt natürlicherweise in vielen Nahrungsmitteln vor. Die synthetisch hergestellte Form von Folat wird als Folsäure bezeichnet.

Folat (bzw. Folsäure) ist lebenswichtig, da das Vitamin an Wachstumsprozessen, der Bildung von roten Blutkörperchen und Stoffwechselvorgängen im menschlichen Körper beteiligt ist. Weil Folsäure maßgeblich zur Zellteilung, Entstehung des Nervensystems und zur Synthese von DNA beiträgt, spielt sie auch eine entscheidende Rolle für die gesunde Entwicklung des ungeborenen Kindes. Da der Körper Folat nicht selbst produzieren kann, muss das B-Vitamin über die Nahrung oder in Form von Folsäure-Präparaten zugeführt werden.

Wie wirkt Folsäure in der Schwangerschaft?

Folsäure trägt dazu bei, dass sich beim Fötus das sog. Neuralrohr schließt, also die embryonale Vorläuferstruktur des zentralen Nervensystems (ZNS), aus der sich später das Rückenmark, das Gehirn und der Schädel entwickeln. Dieser Prozess erfolgt sehr früh in der Schwangerschaft, etwa drei bis vier Wochen (20-28 Tage) nach der Empfängnis. Man muss sich den Ablauf etwa wie folgt vorstellen: eine runde Zellplatte (die sogenannte Neuralplatte) wirft an ihre Seitenrändern Wülste auf, die sich auf die Mittellinie der Platte zubewegen und dort verschmelzen, so dass ein geschlossenes Neuralrohr entsteht.

Folsäure-Mangel kann einen unvollständigen Verschluss des Neuralrohrs bedingen. In der Folge eines solchen Defekts liegen das sich entwickelnde Gehirn oder Rückenmark (je nach Lokalisierung der Schädigung) im Fruchtwasser frei. Schwere Beeinträchtigungen können die Folge sein. Die zwei häufigsten Defekte Spina Bifida (offener Rücken) und Anenzephalie (offene Schädeldecke). Bei Spina Bifida haben die betroffenen Kinder über der Wirbelsäule eine offene Stelle, an der das Rückenmark freiliegt. Folgen können Lähmungen des Unterleibs sein. Anenzephalie bedeutet, dass den Babies Teile des Schädels und Gehirns fehlen. Sie haben kaum eine Überlebenschance bzw. nur eine sehr geringe Lebenserwartung. In Mitteleuropa kommen Anenzephalie und Spina Bifida statistisch gesehen bei 1-2 von 1000 Geburten vor. 

Auch andere Beeinträchtigungen, z.B. eine Lippen-Gaumen-Spalte, angeborene Herzfehler, und Harnwegsdefekte werden mit einem Mangel an Folat bzw. Folsäure in der frühen Schwangerschaft in Verbindung gebracht.

Entsprechend spielt das Vitamin eine wichtige Rolle in der Vorbeugung von kindlichen Fehlbildungen. Es kann Entwicklungsstörungen des Nervensystems und Neuralrohdefekte drastisch verringern, einer Präeklampsie (Gestose), Früh-bzw. Fehlgeburten und vorzeitiger Plazentalösung vorbeugen und das Risiko eines zu niedrigen Geburtsgewichts vermindern. Außerdem scheint eine ausreichende Vitamin B9-Versorgung in der Schwangerschaft die Wahrscheinlichkeit für einige Tumorarten in den ersten Lebensjahren des Kindes zu reduzieren.

Kann ich Folat über die Nahrung aufnehmen?

Viele tierische und pflanzliche Lebensmitteln enthalten Folate, vor allem grünes Gemüse, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Hülsenfrüchte, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Sie werden allerdings vom Körper nur zu etwa 50 % aufgenommen. Zudem zerfällt ein großer Teil beim Kochen, da Vitamin B1 wasserlöslich und hitzeempfindlich ist. Folathaltige Nahrungsmittel sollten daher nicht zu lange gewässert, gelagert und möglichst schonend zubereitet werden.

Durch eine bewusste Ernährung können werdende Mamas ihre Folatzufuhr deutlich erhöhen. Trotzdem ist es selbst für sehr ernährungsbewusste Schwangere kaum möglich, den hohen Bedarf an Folat nur über die Nahrung zu decken. Um einem Mangel vorzubeugen, ist daher die Einnahme von Folsäure-Präparaten sinnvoll, die es in Apotheken, Drogerien oder im Internet unterschiedlicher Form (zum Beispiel als Tabletten und Kapseln) zu kaufen gibt.

Wie viel Folsäure brauche ich in der Schwangerschaft?

Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) liegt die empfohlene Tagesdosis von Folsäure für Männer und Frauen bei täglich 300 Mikrogramm. Bist du schwanger, erhöht sich dein Bedarf an Folsäure auf 550 Mikrogramm pro Tag. Manche Ärzte empfehlen Schwangeren heute sogar eine tägliche Dosis von 800 Mikrogramm Folsäure.

Studien haben gezeigt, dass Frauen in der Regel jedoch nur ca. 180 Mikrogramm Folat über die Nahrung zu sich nehmen. Daher wird schwangeren Frauen empfohlen, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung als Nahrungsergänzung täglich 400 Mikrogramm synthetische Folsäure in Form eines Präparates zuzuführen. In manchen Fällen liegt die empfohlene Dosis zur Folsäure-Einnahme höher, zum Beispiel bei Frauen, die bereits ein Kind mit Neuralrohrdefekt zur Welt gebracht haben.

Mit der Einnahme von täglich 400 Mikrogramm Folsäure solltest du mindestens 1 - 3 Monate vor der Empfängnis anzufangen, spätestens aber 4 Wochen vor Beginn der Schwangerschaft. Auf diese Weise kannst du eine ausreichende Folsäure-Versorgung des Embryos von Anfang an sicherstellen. Wenn du vor der Schwangerschaft keine Folsäure genommen hast, dann ist es wichtig, dass du damit anfängst, sobald der Schwangerschaftstest positiv ist.

Die Gefahr einer Überdosierung von Folsäure ist verschwindend gering. Überflüssige Folsäure wird wie andere wasserlösliche Vitaminen über den Urin ausgeschieden. Dennoch wird Erwachsene empfohlen, nicht mehr als 1000 Mikrogramm pro Tag einnehmen, da sonst langfristig die Gefäße geschädigt werden können.

Wie lange muss ich Folsäure in der Schwangerschaft einnehmen?

Das Netzwerk Gesund ins Leben, eine Initiative des Bundesernährungsministeriums, empfiehlt die Einnahme von täglich 400 µg Folsäure mindestens bis zum Ende des dritten Schwangerschaftsmonats (also während der ersten 12 Wochen). Nach der 12. SSW hat die Einnahme von Folsäure keinen Effekt mehr auf die Entwicklung des Neuralrohrs. Trotzdem macht es Sinn, wenn du Folsäure auch über den dritten Schwangerschaftsmonat hinaus weiternimmst. Denn der wachsende Fötus braucht das Vitamin für die Entwicklung seiner Zellen, Organe und Gewebestrukturen. Und auch dir tut eine ausreichende Folsäurezufuhr gut, denn das Vitamin hilft gegen Blutarmut und reduziert auf längere Sicht das Risiko für Darmkrebs und Herz-Kreislauferkrankungen.

Was muss ich bei der Einnahme von Folsäure beachten?

Am besten nimmst du Folsäure gleich morgens auf nüchternen Magen ein, da sie dann am schnellsten in den Blutkreislauf gelangt und fast vollständig vom Körper aufgenommen werden kann. Manche Medikamente können die Wirkung von Folsäure beeinträchtigen (zum Beispiel bestimmte Antibiotika).

Ganz wichtig: Um das richtige Präparat und die angemessene Dosierung für deinen individuellen Fall zu bestimmen, solltest du unbedingt Rücksprache mit deinem Frauenarzt halten!

Wusstest du schon…auch Männern wird eine ausreichende Versorgung mit Folsäure empfohlen! Denn Studien zeigen, dass Folsäuremangel mit schlechterer Spermienqualität und sogar Chromosomenschäden in Zusammenhang steht. Es schadet demnach nichts, als Mann und zukünftiger Papa zusammen mit der Partnerin bereits bevor der Schwangerschaft zusätzlich Folsäure einzunehmen- am besten in Absprache mit einem Arzt!

Warum Folsäure in der Schwangerschaft so wichtig ist pin

Besonders in den ersten Schwangerschaftswochen spielt Folsäure eine entscheidende Rolle bei der Vorbeugung von kindlichen Fehlbildungen.

MeinSpatz Gezwitscher

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.