Was ist eine Eileiterschwangerschaft?

MITTWOCH, 23.01.2019

Gerade bist du noch schwanger und plötzlich soll alles vorbei sein? Eine Eileiterschwangerschaft ist eine heftige Diagnose. Wir erklären dir, was in deinem Körper passiert.

Normalerweise nistet sich ein Ei nach der Befruchtung in der Gebärmutter ein. Hier kann der sich entwickelnde Fötus optimal versorgt werden und heranwachsen. Nistet sich das Ei dagegen bereits im Eileiter ein, spricht man von einer Eileiterschwangerschaft (Tubargravidität).

Das Problem ist: Anfangs unterscheiden sich die ersten Anzeichen einer Eileiterschwangerschaft kaum von einer "normalen" Schwangerschaft. Deine Periode bleibt aus, die Brüste spannen, der Unterbauch ist berührungsempfindlich. Es können auch die typische Übelkeit einer Frühschwangerschaft sowie häufiger Harndrang auftreten. Zwar sind die Symptome meist abgeschwächter als bei einer regulären Schwangerschaft, aber gerade wenn du zum ersten Mal schwanger bist, kannst du die Intensität ja nicht einordnen. Ganz davon abgesehen, erlebt jede Frau ihre Schwangerschaft ein wenig anders. Besonders problematisch ist, dass auch der Schwangerschaftstest positiv ausfällt. Das liegt daran, dass auch bei einer Eileiterschwangerschaft das Schwangerschaftshormon HCG im Urin nachweisbar ist. Später stagniert die HCG-Konzentration im mütterlichen Blut allerdings oft.
Aufmerksam solltest du definitiv werden wenn in der 6. bis 9. Woche Unterleibsschmerzen und Schmierblutungen einsetzen. Meistens wird – aufgrund dieser typischen Beschwerden – eine Eileiterschwangerschaft auch etwa in diesem Zeitraum erkannt. Geh auf jeden Fall zum Arzt, wenn dir etwas komisch vorkommt, denn eine unentdeckte Eileiterschwangerschaft kann gefährlich werden. Im schlimmsten Fall kommt es zum Reißen des Eileiters (Tubarruptur) und damit zu einer lebensbedrohlichen Situation für dich. Deswegen wird dein Arzt Beschwerden von deiner Seite auch immer ernst nehmen.

Wieso passiert das ausgerechnet mir?

Wenn du die Diagnose Eileiterschwangerschaft von deinem Arzt bekommen hast, fragst du dich sicher, warum es gerade dir passieren musste. Vielleicht tröstet es dich zu wissen, dass viele Frauen sich die gleiche Frage stellen. Eine eindeutige Antwort gibt es nicht. Die Gründe für eine Eileiterschwangerschaft sind vielfältig. Meistens sind sie auf einen gestörten Eitransport durch die Eileiter zurückzuführen.

Folgende Ursachen können noch verantwortlich sein:

  • Angeboren sind beispielsweise kleine Aussackungen des Eileiters oder ein zusätzlich angelegter Nebeneileiter, der in einer Sackgasse endet. Auch zu lange Eileiter können zu gehäuften Eileiterschwangerschaften führen.
  • Auch können sie die Folge einer Eileiterentzündung sein, die meist als sogenannte aufsteigende Entzündung über die Scheide entsteht. Begünstigt wird sie beispielsweise durch eine Spirale. Tritt eine solche Entzündung auf, sollte diese rasch und konsequent therapiert werden, um das Risiko von Verklebungen des Eileiters zu minimieren.
  • So genannte Endometriose-Herde stellen eine weitere häufige Ursache für verklebte Eileiter dar. Es handelt sich dabei um Gebärmutterschleimhaut, die nicht wie gewöhnlich innerhalb, sondern außerhalb der Gebärmutterhöhle wuchert.
  • Operative Eingriffe an den Eileitern können Vernarbungen verursachen und damit die Eileiterdurchlässigkeit beeinträchtigen.

Muss jede Eileiterschewangerschaft abgebrochen werden?

Die klare Antwort lautet leider: ja. Falls die Eileiterschwangerschaft nicht frühzeitig von alleine endet, muss sie abgebrochen werden. Der Embryo kann sich außerhalb der Gebärmutter nicht richtig entwickeln. Im Eileiter drückt er mit zunehmender Größe auf Blutgefäße, die so verletzt werden können. Wurde die Fehleinnistung zwischen der 11. und 14. Schwangerschaftswoche noch nicht festgestellt, besteht die Gefahr, dass der betroffene Eileiter platztDie daraus resultierenden Verletzungen und Blutungen sind lebensgefährlich für die Schwangere. 

Behandlung der Eileiterschwangerschaft: Operation, Medikamente oder Abwarten

Die Therapie einer Eileiterschwangerschaft wird in Abhängigkeit von einem bestehenden Kinderwunsch, den Untersuchungsergebnissen und dem seelischen Zustand der betroffenen Frau entschieden. Wenn die Eileiterschwangerschaft sehr früh entdeckt wird, ist eine Operation nicht unbedingt nötig. In solchen Fällen wird die Schwangerschaft medikamentös abgebrochen. Sobald der Eileiter jedoch reißt oder die Schwangerschaft schon wieter fortgeschritten ist, wird eine OP unumgänglich. Doch keine Sorge: Der Eingriff zählt heute zu den Standardverfahren und wird meist mittels einer Bauchspiegelung durchgeführt. Das heißt, die Instrumente werden durch einen kleinen Schnitt im Nabel eingeführt und das Schwangerschaftsgewebe vorsichtig aus dem Eileiter entfernt. Übrigens findet nur etwa eine von hundert befruchteten Eizellen nicht den Weg in die Gebärmutter und nistet sich falsch ein.

Allerdings nimmt die Zahl der Eileiterschwangerschaften in den letzten Jahren wieder zu. Vermutet wird, dass die Ursache hierfür in der steigenden Zahl künstlicher Befruchtungen liegt, bei denen das Risiko einer Eileiterschwangerschaft immer erhöht ist. Deshalb ist es wichtig, dass du die Symptome erkennst und über Behandlung und Folgen Bescheid weißt.

Den Verlust verarbeiten

Mehr als die Hälfte aller Frauen, die eine extrauterine Schwangerschaft erlebt haben, bekommen noch ein Baby. Die Chance auf eine neue Schwangerschaft hängt im Einzelfall davon ab, ob und wie sehr der Eileiter geschädigt wurde und wie gut der zweite Eileiter funktioniert. Nach einer extrauterinen Schwangerschaft besteht ein höheres Risiko, dass es erneut zu einer Eileiterschwangerschaft kommt. Deine Ärzte werden dich also bei der nächsten Schwangerschaft von Beginn an besonders sorgfältig überwachen.

Für viele Frauen ist eine Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter eine große seelische Belastung. Daher wirst auch du Zeit brauchen, um die überstandene Gefahr und den plötzlichen Verlust seelisch zu verarbeiten, bevor du wieder Mut für eine neue Schwangerschaft findest. Und das ist auch völlig in Ordnung so! Lass dich nicht von deinem Partner oder deiner Familie unter Druck setzten. Dein Körper braucht die Auszeit. Denn in diesem soll sich dein nächstes Baby gesund entwickeln können - oder? Das kann es aber nur, wenn du gut auf dich Acht gibst.

Was ist eine Eileiterschwangerschaft? pin

Eine von 100 Schwangerschaften ist eine Eileiterschwangerschaft. Was das bedeutet, liest du hier.

MeinSpatz Gezwitscher

Eine Mama aus der Redaktion bekam die Diagnose Eileiterschwangerschaft in der SSW8 gestellt. Nach einem kleinen ambulanten Eingriff war die Schwangerschaft beendet, sie selbst kämpfte allerdings über ein halbes Jahr mit dem Verlust. Sie war lange tieftraurig und hatte vor allem Angst vor einem erneuten Versuch. Nach 8 Monaten wurde sie wieder schwanger. Die ersten Wochen waren die Hölle, sie hatte furchtbare Angst, den Albtraum noch einmal zu erleben. Alles ging gut. Mittlerweile ist sie Mama von zwei Kindern – einem Jungen und einem kleinen Mädchen. Trotzdem weiß sie immer noch genau, wie der Schmerz sie damals übermannte.