Welche Schwangerschaftsuntersuchungen soll ich machen?

MONTAG, 01.10.2018

Nackenfaltenmessung, Fruchtwasseruntersuchung, 4D-Ultraschall – Unsere Autorin fragt sich: Was will ich alles über mein Baby wissen und was überlasse ich der Natur?

Meine erste Schwangerschaft endete unfassbar traurig: Während eines Routine-Ultraschalls stellte meine Frauenärztin fest, dass die Nackenfalte unseres Babys auffällig dick war. Wir ließen mehrere Untersuchungen machen, darunter eine ziemlich unangenehme und aufwühlende Chorionzottenbiopsie. Dabei entnahm der Arzt mittels einer langen dünnen Nadel, Zellen vom Mutterkuchengewebe. Das alles geschah durch die Bauchdecke. Es tat nicht wirklich weh, körperlich. Psychisch war es kaum auszuhalten. Während der Untersuchung setzte der Arzt auch einen Ultraschall ein. Schnell war klar: Mein Baby hatte einen Herzfehler, Niere und andere innere Organe waren stark fehlgebildet. Nach 24 Stunden das Resultat: Trisomie 18. Sollte das Kind die Schwangerschaft überleben, würde es schwer behindert auf die Welt kommen und nicht lange leben. Nach anstrengenden Gesprächen mit meinen Ärzten entschieden wir uns für einen Abbruch. In der 16 SSW. Es war ein Mädchen.

Keine Nackenfaltenmessung mehr

Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, dass etwas mit meinem Kind nicht in Ordnung sein könnte. Deswegen wollte ich eigentlich auch keine Nackenfaltenmessung machen lassen. Das änderte sich trotz dieser traumatischen Erfahrung während meiner zweiten Schwangerschaft nicht. Wir hatten uns zuvor genetisch untersuchen lassen – nach einem Fall wie unserem wird das dringend empfohlen. So können die Ärzte ausschließen, dass die Gen-Kombi der Eltern schuld ist am Genfehler der Kinder. Es war alles okay. Ich hatte erstmal genug von Tests und Untersuchungen. Ich glaubte fest daran, dass uns so ein Unglück nicht noch einmal passieren würde. Ich hatte Recht, war aber bei jedem Ultraschall-Besuch während der ersten 16 Wochen ganz schön angespannt. Mein Arzt fragte mich, ob ich Zusatzuntersuchungen, wie etwa das Ersttrimesterscreening machen möchte. Dabei werden das Blut der Mutter, die Flüssigkeitsmenge unter der Nackenhaut des Babys und die Scheitel-Steiß-Länge untersucht. Aus der Kombination der Resultate ergibt sich eine Wahrscheinlichkeit, ein behindertes Kind zu bekommen. Ich verneinte. Davon hatte ich genug. Und mein Bauchgefühl sagte mir, dass diesmal alles in Ordnung war.

Nur die Schwangerschaft genießen

Sollte ich eine Fruchtwasseruntersuchung in Erwägung ziehen? Ich war zwar noch nicht 35 (ab diesem Alter gilt die Mutter als Risikoschwangere und eine Fruchtwasseruntersuchung wird empfohlen). Aber die Erfahrung mit meiner ersten Schwangerschaft steckte mir wohl doch noch in den Knochen. Andererseits … Was würde es ändern? Sollte mein Baby schwer krank sein, würde ich es sowieso früher oder später erfahren. Sollte mein Kind mit dem Downsyndrom auf die Welt kommen, würde ich es genauso lieben. Allerdings könnte ich mich in diesem Fall schon während der Schwangerschaft darauf vorbereiten. Also doch eine Fruchtwasseruntersuchung? Mein Mann war mit dem Thema überfordert, überließ die Entscheidung mir. Ich entscheid mich dagegen. Nach dem Ende der 16 SSW konnte ich die Schwangerschaft tatsächlich voll genießen. Mein Sohn kam völlig gesund zur Welt.

Ich wollte mein Kind in 4D sehen

Ich freute mich auf jeden Ultraschall und vor allem auf die Möglichkeit mein Baby im 4D-Ultraschall zum ersten Mal als kleines Menschlein zu sehen. Da es sich dabei um eine "Individuelle Gesundheitsleistung" (IGeL) handelt, musste ich die Kosten selbst tragen. Das war es mir aber wert. Die Kosten liegen meist zwischen 80 und 140 Euro, mein Arzt verlangte 125 Euro dafür. Beim ersten Versuch klappte es leider nicht, unser Sohn wollte sich nicht wirklich zeigen. Beim zweiten Mal funktionierte es. Ich sah das Gesicht meines Kindes … unbezahlbar.

Zusatzuntersuchungen in der Schwangerschaft: Ja oder Nein?

Wenn werdende Mütter mich fragen, ob sie Zusatzuntersuchungen machen sollen, finde ich es immer schwierig zu antworten. Einerseits sollte jede Frau auf ihr Bauchgefühl hören. Andererseits kann es auch täuschen. Ich persönlich finde, wir sollten uns während der Schwangerschaft entspannt auf das Baby freuen und nicht eine Untersuchung nach der anderen machen – bei denen einige auch noch Risiken wie Fehlgeburten oder Blutungen mit sich bringen. Aber ich habe auch erlebt, dass eine Freundin auf eine Fetale Echokardiografie bestand, das ist ein hochauflösender Ultraschall am Herzen des Kindes. Dabei entdeckte ihr Arzt einen Herzfehler. Mutter und Kind wurden sehr engmaschig überwacht und konnten während und nach der Geburt optimal versorgt werden. Wer weiß, wie die Geschichte ohne die Untersuchung ausgegangen wäre? Sollte ich noch einmal schwanger werden, würde ich auch diesmal keine Zusatzuntersuchungen machen lassen. Ich kann aber auch jede werdende Mama verstehen, die Gewissheit haben will. Es gibt eine Frage, die sich aber alle Eltern stellen sollten ist: Was tun wir, wenn wir ein negatives Ergebnis bekommen? Das ist eine ganz persönliche Entscheidung. Davon hängt auch ab, wie sinnvoll eine zusätzliche Vorsorgeuntersuchung ist.

Nur wer gut informiert ist, kann die für sich richtige Wahl treffen: In unserem Artikel "Diese Schwangerschaftsuntersuchungen gibt es" haben wir wichtige Fakten zum Thema zusammengestellt.

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Welche Vorsorgeuntersuchungen brauche ich wirklich? Vor allem, wenn das Ergebnis nur vage Prozentwerte sind? Unsere Autorin erzählt von ihren Erfahrungen.

"MeinSpatz –Gezwitscher"

Übrigens: Laut den geltenden Mutterschaftsrichtlinien können alle Vorsorgeuntersuchungen in der Schwangerschaft auch von einer Hebamme durchgeführt werden. Einzige Ausnahme bildet der Ultraschall. Dazu musst du eine gynäkologische Praxis aufsuchen. Für eine Vorsorge bei einer Hebamme musst du dich allerdings rechtzeitig um sie kümmern, am besten bereits wenn du deinen positiven Test in der Hand hältst.