Zwillingsschwangerschaft: eine alleinerziehende Mama erzählt

DIENSTAG, 11.06.2019 Lotte L.

Schwanger mit Zwillingen – das bedeutet für viele werdende Mamas ein Gefühlschaos aus Freude, Aufregung, Unsicherheit und Angst. Hier schildert eine alleinerziehende Zwillingsmama ihre persönlichen Erfahrungen mit Schwangerschaft und Geburt, und wie sie sich schließlich ihren Lebenstraum erfüllt.

Das ist die Geschichte von Nelly. Nelly ist 36 und hat vor drei Monaten Zwillinge zur Welt gebracht. Sie ist berufstätig, lebt getrennt von ihrem Mann, und könnte heute kaum glücklicher sein. Ein außergewöhnlicher Lebensentwurf, der Mut macht.

Als ich mit 36 endlich schwanger geworden bin, hatte ich schon so eine leise Ahnung, dass es Zwillinge werden könnten. Zum einen ist meine Mutter ein Zwilling, und es wird ja oft gesagt, dass Zwillingsgeburten eine Generation überspringen. Außerdem habe ich mich für eine In-vitro-Fertilisation entschieden, bei der die Wahrscheinlichkeit für eine Mehrlingsgeburt ja bekanntlich erhöht ist.

Aber von Anfang an: Mein Ex-Mann und ich hatte schon 5 oder 6 Jahre probiert, Kinder zu bekommen. Ich bin nur einmal auf natürliche Weise schwanger geworden und hatte bald darauf eine Fehlgeburt. Wir haben verzweifelt versucht, ein Kind zu bekommen, aber es hat einfach nicht funktioniert. Auch eine Insemination blieb erfolglos. Mein damaliger Mann schlug vor, es mit künstlicher Befruchtung zu probieren, aber zu diesem Zeitpunkt erschien mit der ganze Eingriff viel zu massiv für meinen Körper.

Dann folgte das Ende unserer langen Partnerschaft. Wir trennten uns. Zu diesem Zeitpunkt war ich Mitte 30 und hegte immer noch den ganz großen Wunsch nach einem Kind. Ein ziemliches Desaster. Unsere jahrelangen erfolglosen Versuche hatten mir klargemacht, dass es für mich sehr schwierig war, auf natürlichem Wege schwanger zu werden. Für eine neue Beziehung war ich nicht bereit und bestimmt wollte ich nicht einfach einen Mann suchen, nur um ein Baby zu bekommen.

Da war es mir lieber, ein Kind von einem Menschen bekommen, den ich sehr gut kenne, und der lange eine wichtige Rolle in meinem Leben gespielt hat. Also habe ich mich an meinem Ex-Partner gewandt und ihm klar gemacht, dass ich jetzt bereit für eine IVF wäre. Um mir meinen Herzenswunsch zu erfüllen, trotz Trennung und auch alleine. Und, oh Wunder, er hat zugestimmt.

Der IVF-Behandlung habe ich mich dann alleine ausgesetzt, er kam nur zur Samenspende ins Krankenhaus. Ich bat den Arzt, zwei befruchtete Eizellen einzupflanzen. Denn meine Chancen, überhaupt schwanger zu werden, schätzte ich als sehr gering ein. Und Zwillinge zu bekommen, würde mir gar nichts ausmachen, im Gegenteil! Dann hätte ich zwei Kinder, das war ohnehin schon immer mein Traum.

Die frohe Nachricht: Gleich doppelt schwanger!

Die IVF war tatsächlich erfolgreich, und ich war schwanger! Zu meinem großen Entsetzen traten aber in der 4 SSW plötzlich Blutungen auf. Ich hatte unbeschreibliche Angst, denn genau so hatte meine Fehlgeburt vor 5 Jahren begonnen. Sofort eilte ich ins Krankenhaus. Der Arzt bereitete den Ultraschall vor, und mein Herz schlug mir bis zum Hals. Wie betäubt starrte ich auf den Bildschirm. Und blinzelte. Und sah dort - zu meiner größten Überraschung und Freude – zwei kleine Lichtpunkte, die munter blinkten. Zwei flimmernde kleine Herzschläge. Ich bin in Tränen ausgebrochen. Ich war einfach nur überglücklich und froh.

Später habe ich dann erfahren, dass meine Zwillinge unterschiedlichen Geschlechts sind, also ein Junge und ein Mädchen. Mein Glück war vollkommen. Natürlich hätte ich mich über jede Konstellation gefreut, aber diese war mir die allerliebste. Obwohl ich unendlich froh war über meine Schwangerschaft, war ich nicht gerne schwanger. Alles war sehr anstrengend. Ich bin gern selbständig, aber sobald ich z.B. etwas Schweres gehoben habe, bekam ich Krämpfe im Unterleib. Im 6. Monat habe ich dann aufgehört zu arbeiten, mich viel ausgeruht und geschont. Ich denke, dass dies auch einer der Gründe ist, warum es in meiner Schwangerschaft keine Komplikationen gab.

Der geplante Kaiserschnitt: Alles halb so wild

Dann rückte die Geburt näher. Gerne hätte ich meine Kinder auf natürlichem Wege bekommen. Leider neige ich jedoch dazu, bei Angst und Stress in Ohnmacht zu fallen. Darüber hinaus lag das Mädchen in einer sehr ungünstigen Querlage weit oben im Uterus, so dass eine natürliche Geburt einfach zu riskant erschien. Also entschied ich mich für einen geplanten Kaiserschnitt.

In der 36 SSW habe ich dann einen großen Schock erlitten, als der Ultraschall zeigte, dass der Junge eine Intrauterine Wachstumsrestriktion (IUGR) entwickelt hatte, d.h. sein Wachstum hatte abrupt aufgehört. Im Internet las ich Horrorgeschichten über Kinder, die an IUGR gestorben sind. Daher wollte ich die zwei Kleinen am liebsten sofort herausholen, aber meine Ärztin plädierte dafür, sie so lange wie möglich im Uterus lassen. Schließlich einigten wir uns auf einen Geburtstermin in der 37. Woche.

Gleich vorweg, die Geburt war eine sehr positive Erfahrung. Am meisten Panik hatte ich vor der Spritze für die Spinalanästhesie. Aber meine Ärztin hielt die ganze Zeit meine Hand, sah mir direkt ins Gesicht und machte verschiedene Atemübungen mit mir. Es war unglaublich, wie sehr mich das beruhigte. Dann war die Nadel gesetzt, ein Sichtschutz aufgespannt und ich fühlt leichte Bewegungen an meinem Bauch. Ich weiß noch, wie ich dachte: oh, jetzt wird mein Bauch gewaschen, dann beginnt bestimmt bald die OP. Da sagte meine Ärztin: das erste Baby ist raus!

Letztlich war meine Angst unbegründet, ich hatte keine Schmerzen, und beide Babies waren gesund und munter. Natürlich war das alles unbeschreiblich schön, überwältigend und furchtbar anstrengend. Bei der Geburt stellte sich dann auch heraus, dass das gar kein IUGR vorlag, es war eine Fehldiagnose.

Was folgte, war Wahnsinn. Zwillinge sind zwei Vollzeitjobs, und als Single mom habe die ersten Tage nur mit der Hilfe von zwei Nannies geschafft, die mir tags und nachts hielfen. Dazu kam, dass ich auch recht schnell wieder von zuhause gearbeitet habe. Natürlich gab es da Tiefpunkte, in denen ich mich unglaublich erschöpft, ausgelaugt und nutzlos gefühlt habe.

Aber heute, nach 3 Monaten, hat sich alles gut eingespielt, und jetzt schlafen und trinken die beiden fast zur gleichen Zeit. Und als mir meine Babies ihr erstes Lächeln schenkten, waren alle Schwierigkeiten und Anstrengungen vergessen. Und ich wusste, dass es das alles absolut wert ist. Ich kann es nicht anders sagen, mit der Geburt meiner Zwillinge ist mein größter Lebenstraum in Erfüllung gegangen.

Meine Tipps für schwangere Zwillingsmamas

Passt gut auf euch auf, macht viele Pausen, und lasst euch von anderen Menschen so viel wie möglich helfen!

Wenn ihr Angst habt oder unsicher seid, zögert nicht, zum Arzt zu gehen. Ich bin dauernd hingegangen, lieber einmal zu viel als einmal zu wenig!

Bereitet schon während der Schwangerschaft so viel wie möglich vor, was ihr nach der Geburt braucht. Nachher werdet ihr kaum Zeit mehr für irgendwas haben.

Bittet Freunde oder Verwandte, euch in den ersten Tagen essen zu bringen, denn ihr braucht gerade am Anfang viel Energie und Kraft, habt aber keine Zeit zum Kochen und Einkaufen!

Gebt nicht auf, wenn das Stillen am Anfang schwierig ist! Für mich war es im ersten Monat furchtbar anstrengend. Aber es wurde immer leichter und jetzt ist es wunderbar und sehr praktisch!

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Lotte L.

Lebt mit ihrem einheimischen Mann und zwei kleinen Moglis im Norden Thailands. Die berufstätige Mama fühlt sich in ihrer Wahlheimat meistens rundum wohl. Ihre beiden Jungs sind für Lotte zwar auch Ursache chronischen Durcheinanders, von Dauererschöpfung, Schmierfingern am Kostüm und gelegentlichen Identitätskrisen, vor allem aber sind sie Sinn allen Daseins, Quelle unendlichen Glücks und bedingungsloser Liebe.