High Need-Baby – Folge 2: Die 12 Kriterien

DIENSTAG, 18.09.2018

Wie genau erkenne ich ein High Need-Baby? In der 2. Folge erzählt uns Darleen, an welchen 12 Kriterien nach Dr. William Sears du ableiten kannst, ob dein Baby besondere Bedürfnisse hat.

In unsere Serie die passend zur Sache in der Themenwoche „Entwicklung fördern“ startet, erzählt uns Darleen ihre persönliche Geschichte. Erst als ihr Sohn Levian 1,5 Jahre alt ist, erkennt sie, dass er ein High Need-Baby war. Denn der Begriff ist in unserer Gesellschaft noch nicht wirklich geläufig. Die 26-jährige will Aufklärungsarbeit leisten, damit andere Mamas schneller erkennen, ob ihr Kind betroffen ist. So sind sie besser gewappnet für diese anstrengende Zeit, die sich nur mit viel Unterstützung gut meistern lässt. „Deshalb möchte ich anderen Mamas mit High Need-Baby sagen, dass sie nicht allein sind und dass sie sich das alles nicht nur einbilden und dass sie nicht einfach nur unfähig als Mutter sind. Und dass es besser wird. Ehrlich!

So erkennst du ein High Need-Baby

In ihrem heutigen Video geht es um die 12 Kriterien, die der kalifornische Professor für Kinderheilkunde Dr. William Sears entwickelt hat. Der Vater von acht Kindern konnte erst mit seiner Tochter Hayden verstehen, was viele Eltern ihm schon zuvor in seiner Praxis zu erklären versuchten. Sein viertes Kind öffnete ihm sozusagen die Augen, für die Babys mit besonderen Bedürfnissen. Und so prägte er den Begriff High Need-Baby und stellte die 12 Kriterien zur Erkennung auf.

Die 12 Kriterien im Überblick

1. Intense / Intensiv

High Need-Babys schreien lauter, intensiver und länger. Alle Gefühle äußern sich in einer Extremform. Abwarten und hoffen, dass sie sich wieder beruhigen, führt nur zu noch lauterem Schreien. Sie haben einen starken Antrieb Dinge zu erkunden, egal was sich ihnen in den Weg stellt. Im späteren Leben kann das durchaus zu kreativen Höchstleitungen führen.

2. Hyperactive / Hyperaktiv

HNBs werden oft fälschlicher Weise mit ADHS diagnostiziert. Es geht hier aber um eine Beschreibung, nicht um eine Bewertung. Sie haben einen starken Forscher- und Entdeckerdrang und sind geistig wie körperlich sehr aktiv.

3. Draining / Energiesaugend

Ein High Need-Baby kann man sich so vorstellen, als hätte es einen durchgehenden Schub – was bei anderen Babys immer nur zeitweise der Fall ist. Ununterbrochenes Tragen, Stillen und Beruhigen ist eine große Herausforderung für die Eltern, die viel Energie kostet. Alles andere bleibt liegen.

4. Feeds Frequently / Häufiges Stillen

HNBs möchten sehr häufig gestillt werden und fordern das lautstark ein. Sie lassen sich auch länger Zeit beim Saugen, denn sie brauchen diese Geborgenheit.

5. Demanding / Anspruchsvoll

HNBs haben ständig Bedürfnisse, die sofort gestillt werden wollen.

6. Awaken Frequently / Wachen oft auf

HNBs Brauchen von allem mehr, außer vom Schlafen. Sie schlafen schlecht und selten durch.

7. Unsatisfied / Unzufrieden

HNBs sind häufig mit nichts wirklich zufrieden. Wenn sie auf dem Arm sind, wollen sie runter und umgekehrt.

8. Unpredictable / Unberechenbar

HNBs haben starke Stimmungsschwankungen. Was an einem Tag zur Beruhigung gut funktioniert hat, bewirkt am anderen Tag das Gegenteil.

9. Super-Sensitive / Hochsensibel

Ein High Need-Baby kann Eindrücke aus der Umwelt schwerer verarbeiten z. B. große Menschenmengen. Sie nehmen viele Informationen gleichzeitig auf, was es ihnen schwerer macht alles zu verarbeiten. Schon das kleinste Geräusch kann sie wecken. Im späteren Leben kann sich das ins positive Verkehren, z. B. in eine schnelle Auffassungsgabe oder starke Empathie.  

10. Can´t put Baby down / Nicht Ablegbar

Viele HNBs wollen häufig getragen werden und die Nähe der Eltern spüren. Es gibt aber auch Babys die mit zu viel Kuscheln nicht gut zurechtkommen.

11. Not a self-soother / Beruhigen sich nicht selbst

Das äußert sich z. B. am schwierigen Einschlafen. High Need-Babys lassen sich nicht von Gegenständen wie Schnuller oder Spieluhr beruhigen. Sie brauchen die menschliche Interaktion.

12. Seperation Sensitive / Trennungsängstlich

HNBs nehmen die Mama als einen Teil ihrer Person war. Ist also die Mutter gerade nicht in Sichtweite fehlt etwas Essentielles. Das führt zu starken Trennungsängsten, die bis ins Kleinkindalter anhalten können.

Der ultimative MultiMOMs Tipp

Mein HNB war am ausgeglichensten, wenn es meine völlige emotionale und körperliche Aufmerksamkeit bekam. Das ist zwar anstrengend. Aber ein schreiendes Kind ist anstrengender. Regelmäßige Kuschelauszeiten, abseits des täglichen Trubels sind Gold wert und helfen dabei den Alltag stressfreier zu gestalten. Deshalb war es für Levian auch wenig sinnvoll ihn schon mit 2 in den Kindergarten zu geben, da er alleine am Vormittag schon 3x seine Kuschelzeit braucht, um ausgeglichen zu sein. Im Kindergarten hätte er diese körperliche Zuneigung nicht bekommen und wäre dann am Nachmittag völlig am Limit gewesen.“

So geht es weiter

In der nächsten Folge, die am Dienstag den 25.09.2018 erscheint, geht es darum, was nach dem ersten Jahr passiert. Wird aus dem High Need-Baby ein High Need-Kind? Darleen erzählt außerdem, wie es mit Levian und seinem Geschwisterchen klappt und gibt viele Tipps für den Alltag mit einem Spatz mit ganz besonderen Bedürfnissen. 

In Folge 2 unserer neuen VIDEO-Serie erzählt uns Darleen, an welchen 12 Kriterien du erkennst, dass du ein High Need-Baby hast. Und sie erklärt, wie sich diese Kriterien bei ihrem Sohn ausgewirkt haben.

MeinSpatz Gezwitscher

Willst du mehr über Darleen und ihr Familie wissen? In der ersten Folge der Serie „High Need-Baby“ gibt es ein Interview von ihr zu lesen.